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Amtsgericht Betzdorf
Missbrauch oder nicht?

Eine Zwölfjährige soll von einem 64-Jährigen missbraucht worden sein.
  • Eine Zwölfjährige soll von einem 64-Jährigen missbraucht worden sein.
  • Foto: Symbolfoto/Pixabay
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

dach Betzdorf/Kirchen. „Es geht hier um einen schwerwiegenden Vorwurf“: Oberstaatsanwalt Sven Regner brachte es am Ende des ersten Prozesstages auf den Punkt. Schließlich wird Thomas G. Kindesmissbrauch vorgeworfen. Von daher war es auch nur logisch, dass Richter Tim Hartmann die Verhandlung am Betzdorfer Amtsgericht gegen den 64-jährigen Kirchener mit viel Akribie führte. Normalerweise haben es sogenannte Einzelrichterprozesse so an sich, recht kurz und knapp auszufallen. Das war diesmal anders. Es ist sogar nachsitzen angesagt, wenn man es denn salopp formulieren möchte.
12-Jährige: Er hat mich angefasstEs geht um eine Nacht im April 2019. Seinerzeit waren die damalige Lebensgefährtin von Thomas G., Ella M.

dach Betzdorf/Kirchen. „Es geht hier um einen schwerwiegenden Vorwurf“: Oberstaatsanwalt Sven Regner brachte es am Ende des ersten Prozesstages auf den Punkt. Schließlich wird Thomas G. Kindesmissbrauch vorgeworfen. Von daher war es auch nur logisch, dass Richter Tim Hartmann die Verhandlung am Betzdorfer Amtsgericht gegen den 64-jährigen Kirchener mit viel Akribie führte. Normalerweise haben es sogenannte Einzelrichterprozesse so an sich, recht kurz und knapp auszufallen. Das war diesmal anders. Es ist sogar nachsitzen angesagt, wenn man es denn salopp formulieren möchte.

12-Jährige: Er hat mich angefasst

Es geht um eine Nacht im April 2019. Seinerzeit waren die damalige Lebensgefährtin von Thomas G., Ella M., und deren zu diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alte Tochter Jana (alle Namen geändert) beim Angeklagten zu Gast, wie so oft. Doch in jener Nacht soll es zu einem Vorfall gekommen sein, der Thomas G. auf die Anklagebank gebracht hat – und den er selbst vehement abstreitet.
Thomas G. lag mit seiner Freundin im Bett und musste austreten. Auf dem Weg zur Toilette habe er Licht im Gästezimmer gesehen, in dem Jana schlief. Er habe die Lampe und auch den Fernseher, der noch lief, ausgeschaltet. „Und das war‘s“, so der Angeklagte.
Das Problem: Jana erzählt eine völlig andere Geschichte, die in Kurzversion so klingt: „Der hat mich angefasst.“ Diese Worte habe das Mädchen ihr gegenüber verwandt, sagte deren Tante vor Gericht aus. Der Tante hatte sich Jana am Tag darauf anvertraut.
Rund drei Jahre waren Ella M. und Thomas G. ein Paar gewesen. Zwar gab es immer mal wieder Streitigkeiten, wie beide einräumten, aber insgesamt sei es eine harmonische Beziehung gewesen, samt gemeinsamer Kreuzfahrten und anderer Urlaube. „Ich habe diesen Mann geliebt, von ganzem Herzen“, so Ella M.

Angeklagter spricht von einem Traum

Doch nachdem sich Jana, die nun auch als Nebenklägerin auftritt, ihrer Tante geöffnet hatte und beide dann prompt Ella M. informierten, wendete sich Blatt. Die Mutter des mutmaßlichen Opfers griff sofort zum Telefon und rief ihren Lebensgefährten an. „Kinderschänder! Was gehst du an meine Tochter? Du hast doch eine 26 Jahre jüngere Freundin“, habe sie ihm an den Kopf geworfen, wie sie aus dem Zeugenstand heraus berichtete.
Jana selbst sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit einer psychosozialen Prozessbegleiterin vor Gericht aus. Zwar fielen ihre Schilderungen offenbar nicht deckungsgleich mit jenen aus, die sie seinerzeit bei der Polizei gemacht hatte. Dennoch blieb sie im Großen und Ganzen bei ihrer Version der Geschichte. Und darin hat sich Thomas G. des Nachts an ihr Bett geschlichen, sie im Genitalbereich berührt und ihre Hand zweimal an sein Geschlechtsteil geführt.
Mit dem Vorwurf konfrontiert, machte sich Thomas G. sofort auf zur rund 140 Kilometer entfernten Wohnung von Jana und Ella M. auf. Dort kam es zum Gespräch mit der Familie des Mädchens. Ella M. war demnach zunächst hin- und hergerissen, wem sie nun glauben sollte: „Mir hat das den Boden unter den Füßen weggerissen.“ Für die Tante des Mädchens war die Sache aber offenbar eindeutig: „Ich habe Jana sofort geglaubt.“
In den folgenden Tagen gab es noch einige Telefonate, danach riss der Kontakt zwischen Thomas G. und Ella M. ab. Mutter und Tochter suchten sich zunächst psychologische Unterstützung. Schließlich folgte der Gang zur Polizei. Im vergangenen Sommer unternahm Jana einen Suizidversuch, wie Ella M. schilderte: Mit Tabletten und Wodka.
Befragt wurde am Montag ebenfalls eine Freundin von Jana. Ihr hatte sie noch in der Nacht Handy-Nachrichten geschickt: Ihr sei etwas Schlimmes passiert. Auch in der Folge war das Erlebte immer mal wieder Thema zwischen den beiden Mädchen.
Doch war es tatsächlich ein Erleben oder doch eher Einbildung? Die Variante, Jana habe das alles lediglich geträumt, brachte der Angeklagte ins Spiel. Er habe die damals Zwölfjährige schon mal dabei beobachtet, wie sie aufrecht in ihrem Bett gesessen und vor sich hingesprochen habe, und zwar im Schlaf.
Am Morgen nach besagter Nacht habe Jana jedenfalls gut gelaunt am Frühstückstisch Platz genommen, so Thomas G. Sein Verhältnis zu dem Mädchen sei indes eher neutral gewesen. „Es war ein Nebeneinander, kein Miteinander.“ Ella M. schilderte das anders: „Sie mochte ihn.“ Eine neue Beziehung ist die Mutter bisher nicht mehr eingegangen. „Das mach’ ich auch erst, wenn Jana aus dem Haus ist.“
Ebenfalls nicht einfach einzuordnen ist die Aussage einer ehemaligen Arbeitskollegin von Ella M. Sie schilderte im Zeugenstand eine Begebenheit aus dem Jahr 2011. Damals sei sie auf eine völlig aufgelöste Ella M. getroffen, die weinend im Büro gesessen und berichtet habe: „Mein Freund hat sich an meinem Kind vergangen.“
Wie das alles zusammenhängen könnte, muss sich nun bei der Fortsetzung des Prozesses zeigen. Dann soll die Polizeibeamtin, die Janas Aussage aufgenommen hatte, befragt werden, ebenso die Großmutter des Mädchens. Ihr soll Jana das Tatgeschehen eingehend geschildert haben.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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