"Wir können mit Hoffnung nach vorne schauen“
Missionare von der Heiligen Familie 100 Jahre in Deutschland

Edmund Michalski hielt die Predigt. Der Generalobere des Ordens richtete dabei den Blick nach vorn – und auf die Provinzen, in denen die Missionare der Heiligen Familie keine Nachwuchsschwierigkeiten haben.
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  • Edmund Michalski hielt die Predigt. Der Generalobere des Ordens richtete dabei den Blick nach vorn – und auf die Provinzen, in denen die Missionare der Heiligen Familie keine Nachwuchsschwierigkeiten haben.
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dach Bruche. Etwas früh dran waren sie schon, die Missionare von der Heiligen Familie. Am Montag feierten sie in der Klosterkapelle und in der Brucher Unterkirche, dass ihr Orden seit 100 Jahren auch in Deutschland wirkt. Streng genommen hätten die Ordensbrüder noch bis zum 15. November warten müssen. Denn an diesem Datum des Jahres 1919 gab die Generalleitung grünes Licht für die erste Niederlassung in Deutschland. Aber so genau wollte das gestern niemand nehmen. Dafür war der Anlass viel zu schön.

Die Feierlichkeiten begannen mit einer Messe. In der Kapelle des Klosters hatten sich die Brüder versammelt, dazu einige „zivile“ Mitarbeiter und weitere Gläubige. Die Predigt übernahm Edmund Michalski, Generaloberer des Ordens Missionarii a Sancta Familia (MSF), wie die Kongregation offiziell heißt. Der gebürtige Pole war eigens angereist, arbeitet normalerweise von Rom aus. Und so sprach er gestern auch auf Italienisch. Provinzoberer Egon Färber, also gewissermaßen der Vorgesetzte alle deutschen Ordensmitglieder, fungierte als Übersetzer.

Michalski konstatierte, dass es für die Missionare der Heiligen Familie ohne Frage Schwierigkeiten gebe. 760 Missionare von der Heiligen Familie gibt es weltweit, in Deutschland nur noch 40.

Aber, so Michalski: Ende des Jahres würden 130 Theologiestudenten dem Orden beitreten, vor allem in Madagaskar, Indonesien und in Südamerika. Und in knapp zwei Wochen würden elf Mitbrüder zum Priester geweiht, drei zum Diakon, allesamt in Madagaskar. „Wir können mit Hoffnung nach vorne schauen“, sagte der Generalobere.

Die Aufgabe der älteren Mitbrüder sei es, für die Mission zu beten, für die Ausbreitung des Glaubens. Das sei ganz im Sinne des Ordensgründers Jean-Baptiste Berthier, dessen Anliegen unter anderem die Verkündigung von Gottes Wort gewesen sei. Im Übrigen sei dessen Seligsprechungsprozess in Rom „schon weitgehend gediehen“, wie er seinen Mitbrüdern mitteilte.

Der Generalobere vergaß auch die vielen Laien nicht, die dem Orden in den vergangenen 100 Jahren geholfen und ihn unterstützt hätten. Auf Deutsch sagte er: „Danke, danke schön, vielen Dank.“

Beim anschließenden Empfang in der Brucher Unterkirche ergriff Gerhard Eberts das Wort. Der langjährige Redakteur des Ordensblatts „Sendbote“, das viele Jahre in Bruche gedruckt worden war, verwies auf den aktuellen „Brief an Freunde der Missionare von der Heiligen Familie“, in dem die Historie des Ordens in Deutschland dezidiert dargestellt ist. Er betonte, dass die Vergangenheit auch Verpflichtung für kommende Zeiten sei.

Josef Bartmann drückte es so aus. „Trinken wir nicht auf die vergangenen 100 Jahre, trinken wir auf die Zukunft“, so der Rektor des Brucher Klosters: „Denn was der liebe Gott mit uns vorhat, weiß nur er allein.“

Bartmann wandte sich auch an die Mitarbeiter im Kloster und bedankte sich unter anderem für „die stetige Bereitschaft, auf Wünsche einzugehen“. Er überreichte jedem ein Exemplar des Buches „Licht der Schöpfung“, in dem die Glasbilder im Klosterflur erläutert werden. „Der Dank kommt aus einem ehrlichen Herzen“, versicherte der Rektor.

Er durfte auch sogleich ein Gegengeschenk entgegennehmen. Pflegedienstleiterin Eva Peters überreichte stellvertretend für die Mitarbeiterschaft eine Eberesche, im Herbst folgen eine Elsbeere und ein immergrüner Baum. „Vielen Dank dafür, dass die Wurzelns des Glaubens hier schlagen“, sagte Peters. Michael Pagnia übergab einen Gutschein für einen Speierling, einen seltenen Obstbaum. „Auf eine weiterhin gedeihliche Nachbarschaft“, so der Vorsitzende des Brucher Pfarrgemeinderats: „Ohne die MSF gäbe es die Kirche hier wahrscheinlich nicht.“

1895 von Jean-Baptiste Berthier gegründet, wurde die Kongregation der Missionare von der Heiligen Familie (MSF) 1911 als Institut für Spätberufene von Papst Pius X. anerkannt. 1919 wurde das Missionshaus „Sancta Maria“ im sauerländischen Oberhundem eröffnet – und damit die erste Niederlassung in Deutschland. 1926/27 kam das Missionshaus „Heilige Familie“ in Bruche hinzu. Hier, im Betzdorfer Ortsteil, sollten Brüderkandidaten auf den Eintritt in den Orden vorbereitet werden. In diesem Zuge wurde die Druckerei für den „Sendboten“, der ordenseigenen Zeitschrift, von Oberhundem an die Sieg verlegt. In der Folge setzte das Nazi-Regime dem klösterlichen Leben schwer zu, das Missionshaus verlor während des Weltkriegs fast vollständig an Bedeutung. Das sollte sich aber wieder ändern: Mittlerweile ist Bruche die einzige deutsche Niederlassung, dementsprechend die Missionsprokura von Düren hierher verlegt worden. Seit 1988 ist im Kloster auch eine Pflegestation integriert. 30 der 40 Brüder in Deutschland leben in Bruche. Der jüngste zählt 54 Lenze, der älteste 94. Das Durchschnittsalter liegt bei 81 Jahren.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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