Mit dem Sieg-Dampfer nach Hilchenbach

Ernst-Helmut Zöllner und Dieter Czichy nahmen Brucher mit auf eine Reise in die Historie

Bruche. Ein fast überfüllter Pfarrsaal in Bruche beim Dia- Abend „Betzdorf einst” des Brucher Kolpingvereins begeisterte Zuschauer, schallendes Gelächter, Nachdenklichkeit, Überraschung, Staunen und Beifall: Das waren die Ergebnisse des Dia-Spaziergangs durch die Betzdorfer Geschichte der vergangenen 100 Jahre, der aus den Fotosammlungen von Dieter Czichy und Ernst-Helmut Zöllner zusammengestellt war.

Die stolzen Gebäude vor und um die Jahrhundertwende, neu gebaut, als Betzdorf sich vom Dorf zur Kleinstadt mauserte, standen am Beginn der 120 Dias umfassenden Serie. Der Grund für diesen Aufschwung, der Eisenbahnbau vor fast 150 Jahren, fand in den eingehenden Erläuterungen von Ernst-Helmut Zöllner seine Erwähnung und an der Wand die optischen Erinnerungen. Die Fotos der Dampfloks erinnerten aber auch daran, dass Betzdorf bereits seit 1976 ohne Dampflok ist. Eine Postkarte zeigte, zur Erheiterung der Zuschauer, die 1842 ernsthaft erwogene Idee, die Sieg schiffbar zu machen. Ein Witzbold hatte daraus eine Postkarte gestaltet mit einem Dampfer in der Sieg und dem Aufdruck „Dampferlinie Betzdorf–Hilchenbach”.

Die Eisenbahn zog die Bergbauverwaltungen nach sich, mit der Kruppschen die größte. Krupp sorgte für zahlreiche stadtbildbestimmende Bauten, wie die Villa Krupp, Villa Hügel, Haus Zimmerschied oder die heutige Polizei. Der Diavortrag verfolgte auch deren Geschichte. Drei fast Hundertjährige strahlten von der Wand: Rathaus, Gymnasium und die Freiwillige Feuerwehr Betzdorf. Ihren Jubiläumstag begehen diese Jubilare alle erst 2001, aber die kurze Geschichtsdarstellung, immer mit Fotos belegt, war eindrucksvoll.

Interessant auch die Rathausnachbarn dieser Zeit, die heute fast alle nicht mehr vorhanden sind. Natürlich hat der Bombenkrieg hier entscheidend dazu beigetragen. Mit drei Fotos erinnerte Zöllner an die dunkelste Epoche deutscher, damit Betzdorfer Geschichte. Das Braune Haus, die Nazi-Kreisleitung in der Wilhelmstraße, der Besuch Hitlers 1932 in Wallmenroth, von der Nazipropaganda falsch auf der Postkarte in Betzdorf genannt, und das HJ-Heim auf dem Bühl stimmten zum Nachdenken. Eine der Folgen: ein sehr stark zerbombtes Betzdorf.

Da es eine Veranstaltung der Kolpingbrüder war, erinnerten alte Fotos auch an ihre traditionsreiche Vergangenheit, so z.B. das Kolpinghaus in der Burgstraße, Opfer der Bomben, oder der über die Betzdorfer Grenzen vielgerühmte Handwerker-Festzug zum „60-Jährigen” im Jahre 1922. Feste gefeiert wurde in Betzdorf: Schützenzüge, Feuerwehrfestzug in Bruche oder das Stadtwerdungsfest 1953.

Da der Abend in Bruche stattfand, folgte zum Abschluss der Brucher Teil der Dias. Der Handwerksbetrieb Baldus, die Konsumbelegschaften oder Alois Langenbach, genannt „Schluchtchen”, mit seinem pferdbespannten Milchwagen gefielen den „Brööchern”. Doch mit noch mehr Aufmerksamkeit verfolgten sie Kommunionen, Schulklassen, Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern der vergangenen Jahrzehnte.

Ein rundum gelungener Abend, stellte Kolping-Vorsitzender Hans-Werner Werder fest. Er hoffte, auch bei anderen Veranstaltungen der Kolpingfamilie ein so prallvolles Haus zu haben. Er verabschiedete Dieter Czichy und Ernst-Helmut Zöller mit dem Hinweis, dass beide mit einem neuen Vortragstermin, diesmal bei der Volkshochschule am 15. März 2001 in der Stadthalle, eine weitere geschichtliche Dia-Serie vorführen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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