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Junge Frau schrie verzweifelt um Hilfe
Mit gezücktem Messer Handy geraubt?

Im Bereich Ladestraße/Wilhelmstraße soll Ramon D. nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mit gezücktem Messer Finja W. gezwungen haben, ihr Handy herauszugeben.
  • Im Bereich Ladestraße/Wilhelmstraße soll Ramon D. nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft mit gezücktem Messer Finja W. gezwungen haben, ihr Handy herauszugeben.
  • Foto: rai
  • hochgeladen von Johannes Nuß

nb Betzdorf/Koblenz. Die Ereignisse des dunklen Wintermorgens wirken nach: Bis heute ist Finja W. in psychologischer Behandlung. Bis heute sagt sie: "Ich geh gar nicht mehr in die Straße."

nb Betzdorf/Koblenz. Die Ereignisse des dunklen Wintermorgens wirken nach: Bis heute ist Finja W. in psychologischer Behandlung. Bis heute sagt sie: "Ich geh gar nicht mehr in die Straße."

Mit "die Straße" meint sie die Ladestraße im Betzdorfer Zentrum: Dort wurde Finja W. (Namen von der Redaktion geändert) am 10. Januar dieses Jahres von einem Mann gestoppt. Mit einem Messer in der Hand verlangte er von der jungen Frau, ihr Handy herauszugeben. Dann stieß er sie zu Boden und fragte außerdem noch nach ihrem Portemonnaie. Das aber konnte sie ihm, anders als ihr Samsung-Smartphone, nicht aushändigen − schlicht, weil sie keins dabei hatte. Nachdem er das Handy an sich gebracht hatte, türmte der Mann, der OP-Schutzmaske und eine Kopfbedeckung trug, in Richtung Breidenbacher Hof. 

So zumindest hat es Staatsanwältin Julia Rheinbay in der Anklageschrift stehen. Der Vorwurf somit: schwerer Raub. Angeklagt: Ramon D. 

Angeklagter will nur von Erwerb der Hehlerware wissen

Ramon D., 36 Jahre alt, geboren in der Dominikanischen Republik, stellte das Ganze vor der 12. Strafkammer des Landgerichts in Koblenz gänzlich anders da. Er sieht sich einzig und allein des wissentlichen Erwerbs von Hehlerware schuldig. Das Handy von Finja W. sei nämlich über einen dubiosen "Händler" in seinen Besitz gekommen. Am Nachmittag jenes 10. Januars habe er, Ramon D., in der Betzdorfer Aldi-Filiale eingekauft. Den Discounter habe er mit Hähnchen und Zutaten für Bolognese-Sauce verlassen, als im in der Nähe der Moschee noch etwas anderes angeboten worden sei: ein gestohlenes Handy. Verkäufer sei "ein Afrikaner" gewesen, den er vom Sehen kannte. Für 75 Euro, so Ramon D., habe er in den Handel eingewilligt.  

Mit einer ganzen Reihe von Zeugen versuchte die Kammer unter Vorsitz von Annegret Werner genaues Licht ins Winterdunkel zu bringen. Doch nicht nur die Hauptzeugin, sondern auch eine Gruppe Jugendlicher, die an dem Morgen das Geschehen mitbekommen hatten, standen größtenteils merklich unter dem Eindruck der Tat und nun der Gerichtsverhandlung. Immer wieder war es an den Fragenden, nachzuhaken, vieles blieb auch dann noch unbeantwortet.

Zeugin kann Angeklagten nicht eindeutig wiedererkennen

So konnte Finja W. etwa die Fragen von Verteidiger Dr. Gerhard Prengel (Koblenz) nach einem möglichen Akzent oder der Hautfarbe des Täters nicht aufklären. Auch die Frage, ob sie den Täter eindeutig wiedererkenne würde, musste sie verneinen. Alles sei wahnsinnig schnell gegangen. "Sie stand sichtbar unter Schock", berichtete denn auch eine angehende Polizistin vom ersten Eindruck, den die 19-Jährige damals hinterließ. Einen Eindruck, den ein Kollege der PI Betzdorf bestätigte. 

Die Polizei alarmiert hatte eine 13-jährige Schülerin, die an diesem Morgen vom Netto-Markt in Richtung Busbahnhof unterwegs war. Bei vielem fehlte ihr die Erinnerung, aber die Schreie des Opfers hatte sie noch im Kopf. "Das Mädchen hat die ganze Zeit nach Hilfe gerufen", schilderte auch eine andere Jugendliche aus der Clique. Auch die dunkle Kleidung des Täters beschrieben die Zeuginnen. Kleidung der Art, wie sie später in der Wohnung von Ramon D. gefunden wurde. 

Fahndung unmittelbar nach der Tat blieb ohne Erfolg

Zu dessen Anschrift hatte die Ermittler die moderne Technik geführt. Nachdem eine direkt eingeleitete Fahndung unmittelbar nach dem Raub noch ohne Ergebnis geblieben war, nutzten die Ermittler schließlich die "Find My Phone"-Funktion des Handys von Finja W. Also einen Dienst, der eigentlich helfen soll, das Gerät wiederzufinden, wenn man es irgendwo vergessen oder verloren hat. 

Die Funktion zeigte auf jeden Fall eine Adresse nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt vom Tatort an − an alle Wohnungstüren des Mehrparteienhauses klopfte dann alsbald die Polizei. Bei Ramon D. fanden die Ermittler Drogenutensilien und -rückstände, besagte Klamotten und ein längeres Messer. Und ein berühmt-berüchtigter Weihnachtssong spielte eine entscheidende Rolle: Einer der Beamten wählte nämlich das Handy von Finja W. an, die "Last Christmas" als Klingelton hatte. Und tatsächlich erklang der "Wham"-Klassiker aus einem Koffer. Da half auch keine um das Handy gewickelte Alu-Folie. Außerdem zeigte das Display ein Foto von Finja W.: Es war das Smartphone der 19-Jährigen.

Die Frage der Richterin, ob der Bereich Ladestraße ein bekannter Brennpunkt für den Verkauf von Hehlerware sei, verneinten alle Beamten im Zeugenstand unisono. Der Prozess wird fortgesetzt.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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