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Bestattungsformen und Friedhöfe im Wandel
Möglich ist fast alles - auch Aschediamanten

Wiesengräber, wie hier auf dem Betzdorfer Friedhof, gehören inzwischen zum vertrauten Anblick.
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gum Betzdorf. Das Antlitz unserer Friedhöfe hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert – das wird etwa bei einem Spaziergang über den Betzdorfer Friedhof deutlich: Große Rasenflächen geben hier davon Zeugnis.  Durch die zunehmende Popularität der anonymen Bestattung und der Feuerbestattung haben Friedhöfe einen Wandel erfahren. Die Beerdigungskultur hat sich immer mehr in Richtung Urnenbeisetzung verschoben.  „Das liegt am Traditionsverlust und den veränderten Sozialstrukturen“, so Barbara Schmallenbach, Inhaberin eines Beerdigungsinstitutes, im Gespräch mit der SZ. Die Gesellschaft ist im Wandel, Familien über Städte- und Landesgrenzen verteilt.
Feuerbestattung früher verpöntDabei galt lange Zeit die Feuerbestattung in christlichen Gemeinschaften als pietätlos und verpönt.

gum Betzdorf. Das Antlitz unserer Friedhöfe hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert – das wird etwa bei einem Spaziergang über den Betzdorfer Friedhof deutlich: Große Rasenflächen geben hier davon Zeugnis.  Durch die zunehmende Popularität der anonymen Bestattung und der Feuerbestattung haben Friedhöfe einen Wandel erfahren. Die Beerdigungskultur hat sich immer mehr in Richtung Urnenbeisetzung verschoben.  „Das liegt am Traditionsverlust und den veränderten Sozialstrukturen“, so Barbara Schmallenbach, Inhaberin eines Beerdigungsinstitutes, im Gespräch mit der SZ. Die Gesellschaft ist im Wandel, Familien über Städte- und Landesgrenzen verteilt.

Feuerbestattung früher verpönt

Dabei galt lange Zeit die Feuerbestattung in christlichen Gemeinschaften als pietätlos und verpönt. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Nachfrage danach stärker. Interessanterweise zeichnet sich jetzt aber durch die Wiesengräber, auf denen ebenfalls eine Erdbestattung möglich ist, wieder eine andere Tendenz ab. Viele sagen jetzt: „Ich muss mich ja nicht mehr verbrennen lassen, wenn es mittlerweile pflegeleichte Gräber gibt“, so Barbara Schmallenbach.

Gräberfeld nach Mekka ausgerichtet

Fantasie der Hersteller

Dem Trend der Feuerbestattung zu entsprechen, das heißt auf jeden Fall eine große Auswahl an Schmuckurnen anzubieten: Verziert mit einem Fußball, einem naturgetreuen dicken, grünen Frosch oder drei Bienen in Airbrushtechnik, sprechen sie von der Kunstfertigkeit, aber auch der Fantasie der Hersteller. Und nicht nur das, aus der Nachfrage nach einem Behältnis, in dem Angehörige einen kleinen Teil der Asche des Verstorbenen als „Souvenir“ aufbewahren können, hat sich mittlerweile ein ganzer Markt entwickelt, da die Aufbewahrung der kompletten Asche eines geliebten Menschen in den eigenen vier Wänden in Deutschland durch den Friedhofszwang behindert wird.
Nur im Bundesland Bremen ist es zusätzlich möglich, die Asche eines verstorbenen Familienmitglieds im engsten Kreis im Garten des eigenen Grundstücks oder auf speziell dafür vorgesehen Grundstücken zu verstreuen. Völlig legal hingegen ist es, einen kleinen Teil der Asche für Erinnerungsschmuckstücke bzw. sogenannte Ascheanhänger zu verwenden.

Unterschiedliche Vorgaben

Die Vorschriften der Bestattungsart sind von Ort zu Ort verschieden. In Kirchen gibt es ein anonymes Urnenfeld, allerdings kein anonymes Erdbestattungsfeld. Betzdorf wiederum verfügt über beides. Der Dermbacher Friedhof besitzt eine Urnenwand, Niederfischbach eine Urnenstele. Auf dem Scheuerfelder Friedhof ist die Urnenwand voll belegt, deshalb hat die Gemeinde einen Urnenturm errichten lassen. Wie Scheuerfelds Ortsbürgermeister Harald Dohm erzählt, werden die ersten Urnen in Kürze nach Ablauf der Liegezeit in einem separaten, anonymen Teilbereich in einer Art Sammelgrab bestattet, entweder auf dem Friedhof in Betzdorf oder in Scheuerfeld.

Nähe zur Natur

Viele Menschen planen bereits zu Lebzeiten ihre letzte Ruhestätte. Bereits im 18. Jahrhundert sehnten sich die Privilegierten nach einem außergewöhnlichen, naturnahen Ort für die eigene Grabstätte. Das Begräbnis in der Natur wurde damals schon mit einer Wiederkehr in den Kreislauf der Natur verbunden. Die Form der Urnenbeisetzung im Wurzelwerk eines Baumes gibt es bisher auf den traditionellen Friedhöfen der Umgebung noch nicht. Die Möglichkeit einer solchen Beisetzung ist gegeben im „Friedwald“ in Wildenburg, dem Ruheforst in Hilchenbach oder im Siegener Friedhofswald. „Möglich ist im Prinzip fast alles“, so Rudolf und Barbara Schmallenbach. Auch für Verstorbene in unserer Region werden vereinzelt Seebestattungen in Nord- oder Ostsee gewünscht. Diese Form der Beisetzung diente ursprünglich als Notbestattung für auf See verstorbene Menschen. Heute wird eine wasserlösliche, biologisch abbaubare Aschenurne außerhalb der 12-Meilen-Zone oder innerhalb der Territorialküstengewässer von Bord eines hierfür vorgesehenen Schiffes gelassen. Anschließend notiert der Kapitän, meist in Anwesenheit der Angehörigen, die Koordinaten.

Bestattung im Weltraum

Was im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in Amerika, erlaubt ist, ist hier allerdings noch nicht angekommen. Menschen, die ihre Individualität nach ihrem Tod ganz besonders betonen wollen, um sich wortwörtlich von der Masse abzuheben, können dort seit 1997 die Form einer Weltraumbestattung wählen. Wenige Gramm Asche werden in einer Kapsel mit Hilfe einer Trägerrakete auf den Mond, in die Erdumlaufbahn oder weit hinaus in das Weltall geschossen. „Wir hatten allerdings noch keine Anfrage diesbezüglich“, kommentiert Barbara Schmallenbach.
Einen ganz anderen Geschäftszweig hat ein Schweizer Unternehmen entwickelt, das seit 2004 aus ca. 250 Gramm enthaltenem Kohlestoff aus der Asche sogenannte Aschediamanten presst, die anschließend einen Ring oder eine Kette als Anhänger zieren. Ein Verfahren, das in Deutschland verboten ist.

Wiesengräber, wie hier auf dem Betzdorfer Friedhof, gehören inzwischen zum vertrauten Anblick.
Auch Urnentürme oder -stelen finden auf immer mehr Friedhöfen ihren Platz. Unser Foto entstand in Scheuerfeld.
Autor:

Gaby Wertebach (Freie Mitarbeiterin) aus Betzdorf

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