Monotonie macht sich an den Flüssen breit

Dem teuflischen Trio Knöterich, Springkraut und Herkulesstaude ist kein Kraut gewachsen

goeb Betzdorf. »Was ist das eigentlich für ein Kraut, das hier überall wächst?« erkundigt sich eine ältere Dame, die an der Sieg bei Scheuerfeld mit ihrem »Jannis« spazieren geht. »Jannis«, ein Mischlingshund, der die Genetik eines Kleinen Münsterländers nicht verleugnen kann, hat soeben ein dichter Laubwald am Ufer des Flusses verschluckt. Nach den ersten Nachtfrösten Ende Oktober hängt das braune Laub des Sachalin-Knöterichs schon ein wenig schlaff an den übermannshohen Stauden. Da wo es wackelt, muss der Hund sein.

Einwanderer aus Asien

Der Knöterich, ein Einwanderer aus Asien, hat an dieser Stelle alle anderen Pflanzen der Fluss-Begleitflora überwuchert. Im Sommer herrschte hier noch die grüne Hölle: Nur wenig Licht lassen die 1 bis 4 Meter hohen Stauden mit ihren gestielten, handbreiten satt-grünen Blättern nämlich durch. Buschig verzweigt sich die Staude, die einst als Zier- und Viehfutterpflanze nach Europa eingeführt worden war, die nun aber, vor allem über die Wasserläufe, die heimische Flora »ergänzt«, um es vorsichtig zu formulieren. Behörden und Naturschützern ist sie ein Dorn im Auge, doch sie liegen im Clinch mit den Neophyten, wie man die eingewanderten Pflanzen auch bezeichnet. In Freusburger Mühle beispielsweise quellen die Stauden schon vom Wasser bis an den Rand der Bundesstraße 62.

Knöterich auch in Mitteleuropa vertreten

Der Knöterich hat sich in Mitteleuropa in zwei Arten breit gemacht. Der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica) besitzt ein kleineres Blatt mit kurzem Basisstängel. Außerdem ist es etwas spitzer, glatt und kahl. Herzförmig nehmen sich die Blätter des Sachalinknöterichs (R. sachalinensis) aus. Sie erkennt man sicher an der Behaarung und ihrem leicht runzligen Aussehen. Die Hauptverbreitung erfolgt weitgehend vegetativ über den tiefreichenden Wurzelstock und seine zahlreichen Ausläufer. »Günstig« für die Verbreitung sind Hochwasser (Verfrachtung von Wurzelstöcken), Erdbewegungen nach Baumaßnahmen oder das Ausbringen von Gartenabfällen in der freien Natur. Letzteres – obwohl nicht erlaubt – gibt es nach Darstellung von Naturschützern fast an jedem Dorfrand.

Anders als beim Neubürger Japanisches Springkraut (ein ähnlich aggressives Gewächs) spielt die Samenverbreitung beim Knöterich kaum eine Rolle. Die große Konkurrenzkraft ist im starken vegetativen Ausbreitungsvermögen begründet: Höhenwachstum (Beschattung) und Wurzelkonkurrenz setzen die zartere heimische Flora schachmatt.

»Man schafft es einfach nicht«

»Das Verbreitungstempo dieser Pflanzen ist enorm«, beschreibt Wolfgang Stock von der BUND-Ortsgruppe Betzdorf-Kirchen ein zunehmendes Problem unserer Landschaften. An eine Eindämmung glaubt er nicht mehr. »Man schafft es einfach nicht.« Zwar arbeiteten Jäger und Naturschutzverbände sowie das Öko-Projekt der Caritas an Aktionen zur Eliminierung dieser Pflanzen, doch deren Ausbreitung scheint nicht mehr verhinderbar. Die dritte »Teuflische« im Bunde, die giftige Herkulesstaude, tut ein Übriges. Hier haben die Naturschützer alle Hände voll zu tun, den Eindringling aus den heimischen Naturschutzgebieten zu scheuchen.

Aus wasserbaulicher Sicht sind diese Arten abzulehnen, weil die Wurzeln im Winter absterben und der Uferboden – anders als beispielsweise bei der Schwarzerle – nicht mehr gehalten werden kann. Uferabbrüche sind nicht selten die Folge.

Reich an Nektar

Was der Knöterich mit Wurzelwachstum bewerkstelligt, erreicht das Indische Springkraut mit seiner Samenproduktion. In Reinbeständen setzt der ursprüngliche Himalaya-Bewohner bis zu 32000 Samen pro Quadratmeter per Schleudermechanismus frei. Der Nektarreichtum des Spätblühers ist legendär: Nach neueren Untersuchungen wenden sich die Blütenbesucher von heimischen Pflanzen wie etwa dem Sumpf-Ziest ab, wenn das Indische Springkraut Fuß gefasst hat.

Die Herkulesstaude (Riesen-Bärenklau, Heracleum giganteum) setzt wie ihre Neophyten-Schwestern auf Wachstum. Auch ihr Fruchtstand kann enorme Samenmengen produzieren. Die Popgruppe Genesis dichtete schon in den 70er Jahren über das »giant hogweed«: ...»turn and run, nothing can stop them, around every river and canal their power is growing...« (mach kehrt und renne, nichts kann sie aufhalten, an jedem Fluss, an jedem Kanal wächst ihre Macht...).

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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