Freispruch in puncto Waffenvergehen
Nachbarn nahmen Todesdrohung ernst

Es ging zunächst um die Frage, ob Karl K. widerrechtlich zwei Nunchakus besessen hat. Daraus resultierte aber eine Bedrohung, urteilte Richter Tim Hartmann.
  • Es ging zunächst um die Frage, ob Karl K. widerrechtlich zwei Nunchakus besessen hat. Daraus resultierte aber eine Bedrohung, urteilte Richter Tim Hartmann.
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dach Betzdorf/Friesenhagen. Auch im doch so beschaulichen Friesenhagen können so richtig die Wände wackeln. Davon konnte man sich jetzt im Betzdorfer Amtsgericht überzeugen, wo es um zwei Vorfälle ging, die sich 2019 im „Zentrum des Wildenburger Lands“ zugetragen hatten.
Ausgangspunkt war eine Geburtstagsfeier unter Nachbarn. Dort waren sowohl Karl K. als auch Sabine G. (alle Namen geändert) mit ihrem Lebensgefährten zugegen. Die Schilderungen vor Gericht über die Geschehnisse blieben allerdings einseitig, denn Karl K. als Angeklagter entschied sich, zur Sache zu schweigen.

Scherben im Büfett

Und so erzählten Sabine G. als auch Thomas B. von einem etwas merkwürdig anmutenden Verhalten seitens des 44-jährigen Angeklagten. „Er ging immer nach Hause und holte sein eigenes Bier.“ Irgendwann sei er nicht nur mit Gerstensaft zurückgekommen, sondern auch mit zwei Nunchakus, also Waffen aus dem asiatischen Kampfsport: zwei Hölzer, die mit einer Kette verbunden sind.
Diese Nunchakus legte Karl K. seinem neuen Nachbarn Thomas B. hin, wie dieser schilderte, und zwar mit den Worten: „Jetzt kannst du mal zeigen, was du drauf hast.“ Zuvor hatte man sich offenbar über die Kickbox-Leidenschaft von Thomas B. unterhalten. Der Kickboxer sprang aber auf die Aufforderung nicht an. Es endete damit, dass Karl in der Waschküche mit einem der Nunchakus herumfuchtelte, dabei eine Deckenlampe erwischte und über das Büfett Scherben regnen ließ, so die Ausführungen der Zeugen.

Demoliertes Auto führt zu Durchsuchungsbeschluss

Am nächsten Tag entdeckte Sabine G., dass jemand ihr Auto demoliert hatte. Sie rief die Polizei. Die Beamten wollten wissen, ob jemand denn einen Grund haben könnte, den Wagen in Mitleidenschaft zu ziehen. Dabei berichtete Sabine G. auch von der Nunchaku-Szene am Vorabend.
Damit war die Sache erst einmal abgehakt. Nur: Vier Monate später stattete die Polizei Karl K. einen Besuch ab, samt Durchsuchungsbeschluss. Hintergrund dessen war offenbar die Tatsache, dass Sabine G. bei der Anzeige gegen unbekannt wegen ihres Autos die Nunchakus erwähnt hatte. Und die fallen in Deutschland unter das Waffengesetz.

Einstweilige Verfügung gegen Angeklagten

Diese „Visitation“ schmeckte Karl K. offenbar ganz und gar nicht. Es veranlasste ihn demnach dazu, Sabine G. im Anschluss mit einem vulgären Schimpfwort zu belegen, das ebenso den Vorwurf des Faschismus in sich trug. Und: Sie hätte das Erwähnen des Nunchakus gegenüber der Polizei besser gelassen. Daraufhin, so Sabine G. und Thomas B., habe der Angeklagte in einem aggressiven Ton gesagt: „Ihr habt 48 Stunden Zeit auszuziehen, sonst seid ihr tot.“

Beide beteuerten im Zeugenstand, sie hätten diese Drohung ernst genommen. „Hatten Sie Angst?“, wollte der Staatsanwalt von Sabine G. wissen. „Ja“, sagte die 54-Jährige. Demnach ging das Paar sogar zum Amtsgericht und erwirkte eine Einstweilige Verfügung gegen Karl K.
Für den Staatsanwalt war die Sache klar, er forderte 120 Tagessätze zu je 30 Euro. Verteidiger Martin Habig setzte auf das Prinzip in dubio pro reo: im Zweifel für den Angeklagten. Er hatte leichte Diskrepanzen in den Aussagen von Sabine G. und Thomas B. ausgemacht, sprach indes von erheblichen und eklatanten Widersprüchen sowie enormen Abweichungen.

Nunchakus konnten nicht sichergestellt werden

Dieser Argumentation folgte Richter Tim Hartmann nicht – und verurteilte Karl K. zu 100 Tagessätzen à 30 Euro, wegen Beleidigung und versuchter Nötigung. Vom Vorwurf des Verstoßes gegen das Waffengesetz sprach Hartmann den Angeklagten, der insgesamt neun vorangegangene Verurteilungen mit in den Gerichtssaal brachte, allerdings frei. Denn keines der beiden in Rede stehenden Nunchakus konnten die Beamten bei der Hausdurchsuchung finden. Auch wenn der Richter zur Geburtstagsfeier sagte: „Ich gehe schon davon aus, dass da mit irgendwas rumgehampelt wurde.“ Nur: Den Beweis dazu führen könne er nicht.

Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Er könne, so Richter Hartmann an die Adresse von Karl K., seine Entscheidung per Berufung oder Revision von höheren Stellen überprüfen lassen. Der 44-Jährige nickte zustimmend.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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