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Dauersberg Betzdorf
Naturschützer laufen Sturm gegen Gewerbegebiet

Die Position von Wolfgang Stock und Friedrich Klein ist deutlich zu erkennen – die Stadt Betzdorf indes sieht die ganze Sache ein bisschen anders.
  • Die Position von Wolfgang Stock und Friedrich Klein ist deutlich zu erkennen – die Stadt Betzdorf indes sieht die ganze Sache ein bisschen anders.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Betzdorf. Der BUND lässt nicht locker: Nach seiner Kritik am geplanten Neubaugebiet in Wissen und am Gewerbegebiet Steegs haben die Umweltschützer jetzt die geplante Erweiterung des Gewerbeparks Dauersberg in den Fokus genommen. Und es überrascht wenig, dass die Sprechweise ähnlich ist wie in den beiden vorgenannten Fällen: „Stoppt den Flächenfraß“, lautet die Kernbotschaft des BUND.
Auch bei der Argumentation bleibt sich der BUND treu. Einmal mehr wird der „ungehemmte Flächenverbrauch“ angeprangert, der zudem nicht nötig sei: Zum einen verweist der BUND auf brachliegende Gewerbe-Altflächen, zum anderen führt die Kreisgruppe ins Feld, dass viele Gewerbegebiete schlicht und einfach deutlich überdimensioniert geplant würden.

damo Betzdorf. Der BUND lässt nicht locker: Nach seiner Kritik am geplanten Neubaugebiet in Wissen und am Gewerbegebiet Steegs haben die Umweltschützer jetzt die geplante Erweiterung des Gewerbeparks Dauersberg in den Fokus genommen. Und es überrascht wenig, dass die Sprechweise ähnlich ist wie in den beiden vorgenannten Fällen: „Stoppt den Flächenfraß“, lautet die Kernbotschaft des BUND.
Auch bei der Argumentation bleibt sich der BUND treu. Einmal mehr wird der „ungehemmte Flächenverbrauch“ angeprangert, der zudem nicht nötig sei: Zum einen verweist der BUND auf brachliegende Gewerbe-Altflächen, zum anderen führt die Kreisgruppe ins Feld, dass viele Gewerbegebiete schlicht und einfach deutlich überdimensioniert geplant würden. „Nach unserer Einschätzung fehlen hier häufig Augenmaß, Sachverstand und Verantwortung“, heißt es in dem offenen Brief des BUND. Außerdem argumentiert der BUND mit der Biodiversität: Um dem Artensterben endlich wirkungsvoll zu begegnen, müssten Biotope erhalten werden – und das gelte auch für den Laubholz-Altbestand bei Dauersberg.

Naturschützer als Totalverweigerer?

Natürlich sind all diese Argumente nicht neu: Der BUND hat sie zuletzt bei praktisch allen größeren Infrastrukturentwicklungsprojekten im Oberkreis angebracht. Da drängt sich fast die Frage auf: Gefällt sich der Naturschutzverband in der Rolle des Totalverweigerers?
„Nein, davon kann nicht die Rede sein“, hält Wolfgang Stock im SZ-Gespräch dagegen. Vielmehr müsse der BUND derzeit immer wieder den Finger in dieselbe Wunde legen – schließlich würden in Wissen, Friesenhagen und Betzdorf dieselben falschen Weichenstellungen vorgenommen.
„Wir sind nicht mehr in den 1970er-Jahren“, meint Stock, „wir können uns weiteren Flächenverbrauch nicht mehr erlauben. Die Folgen sind doch nicht zu übersehen.“
Er argwöhnt, dass viele Kommunen derzeit noch rasch Nägel mit Köpfen machen wollen – denn im Angesicht des Klimawandels und des Artensterbens werde der stetigen Expansion zwangsläufig irgendwann ein Riegel vorgeschoben werden. „Der Run auf die Flächen ist aktuell immens“, warnt Stock, „aber das muss ein Ende haben – vor allem, wenn ich an unsere Kinder und Enkelkinder denke“.
Betzdorfs zukünftige Entwicklung im Blick zu haben, nimmt selbstverständlich auch Stadtbürgermeister Benjamin Geldsetzer für sich in Anspruch – auch wenn er die Position des BUND nicht teilt und die Kritik der Naturschützer im Gespräch mit der SZ kontert.

Am Dauersberg Betzdorf führt kein Weg vorbei

Vorweg: Auch Geldsetzer spricht davon, dass ihm das Herz blute, wenn im großen Stil Bäume gerodet würden. Aber für eine zukunftssichere Stadtentwicklung seien Arbeitsplätze unverzichtbar – und damit führe praktisch kein Weg an „Dauersberg II“ vorbei.
Denn: Große Brachflächen, die einer Gewerbeansiedlung dienen könnten, gebe es nicht mehr. Das Lampertz-Gelände sei ein Musterbeispiel für eine erfolgreiche Reaktivierung, und auch für die Wolf-Hallen sei eine gute Perspektive geschaffen worden. Der Rangierablaufberg sei vermarktet. Und das Areal des Eisenbahnausbesserungswerks soll in ein neues Innenstadtquartiert umgewandelt werden – hier sieht Geldsetzer den Dreiklang aus Wohnimmobilien, Geschäften und Dienstleistern. „Das ersetzt nicht Dauersberg II“, lautet sein Fazit.
Und Bedarf bestehe sehr wohl: „Wir sind nach wie vor die wirtschaftlich stärkste Kraft, und das wollen wir ausbauen.“ Dazu seien Flächen nötig, denn an Bewerbern mangele es nicht: „Ohne dass wir Dauersberg II aktiv beworben hätten, könnten wir fast 40.000 Quadratmeter verkaufen. Ich werde oft von Gewerbetreibenden angerufen und angeschrieben: Wann geht’s denn endlich los?“
Im Jahr 2003 sei die letzte freie Fläche des Gewerbeparks Dauersberg vermarktet worden, und schon im Jahr 2000 sei über eine Erweiterung diskutiert worden. Mit anderen Worten: Die Pläne der Stadt sind in Geldsetzers Augen alles, nur kein unüberlegter Schnellschuss.

Ökologisches Vorzeige-Gewerbegebiet?

Was die ökologischen Aspekte angeht, kann der Stadtbürgermeister die Kritik des BUND zwar durchaus nachvollziehen – aber er lässt auch durchblicken, dass in dem langen baurechtlichen Verfahren viele Gelegenheiten bestanden hätten, die Einwände anzubringen. „Dass sie jetzt kommen, ist ein bisschen ärgerlich.“ Zumal natürlich ökologische Ausgleichsmaßnahmen Bestandteil der Planungen seien. Zudem sei angedacht, möglichst viele ökologische Aspekte in die Planungen aufzunehmen, verweist Geldsetzer auf einen Antrag der Grünen. Exemplarisch nennt er eine ÖPNV-Anbindung, E-Auto-Ladestationen oder die Nutzung alternativer Energiequellen. „Da könnte durchaus ein ökologisches Vorzeige-Gewerbegebiet entstehen.“

Plateau könnte Rodungsstopp aufheben „Das ist ein Wald, wie wir Förster ihn uns wünschen“: Mit seiner Einschätzung, dass für eine Erweiterung des Gewerbeparks Dauersberg ein wertvolles Stückchen Natur geopfert werden müsste, steht der BUND nicht allein. Auch Forstamtsleiter Michael Weber, der das Waldstück vor einigen Tagen noch einmal in Augenschein genommen hat, misst dem Mischwald nahe des Steinerother Sportplatzes einen ökologischen Wert bei. Allerdings: Das Forstamt ist an Gesetze gebunden. Soll heißen: Ob das Försterherz blutet oder nicht, ist nicht das entscheidende Kriterium. Vielmehr sind die Regeln klar definiert: Die Behörde muss einer flächigen Rodung zustimmen. Und das tut sie auch im Fall Dauersberg II grundsätzlich – allerdings nicht auf Verdacht. Soll heißen: „Erst wenn Baurecht für einzelne Gebäude vorliegt, darf gerodet werden“, verdeutlicht Weber. Für die Stadt ist das freilich ein Dilemma: „Kaum einer kauft ein Grundstück, wenn es noch bewaldet ist“, sagt Benjamin Geldsetzer – und wer an die Bilder aus dem Hambacher Forst denkt, wird das nachvollziehen können. Denn selbst, wenn die BUND-Aktiven nicht im Verdacht stehen, sich Baumhäuser zu bauen, drohen den Investoren eben doch noch Hürden, die erst dann aus dem Weg wären, wenn die Fläche baureif ist. Und genau in diese Richtung gehen jetzt die Überlegungen der Stadt: Wenn das am Hang gelegene Areal mehr oder weniger in ein Plateau umgestaltet würde, hätte das aus Sicht der Planer gleich zwei Vorteile. Zum einen würden mehr ebene Flächen entstehen, zum anderen wären dann wohl auch die Vorab-Rodungen möglich. So jedenfalls schätzt Geldsetzer die rechtlichen Rahmenbedingungen ein. Und diesmal ist er in der guten Gesellschaft des Forstamtsleiters. „Die Stadt muss einen Antrag stellen, dass sie das Gelände umformen will. Und wenn der Antrag genehmigt wird, werden wir dem Ansinnen wohl keine Steine in den Weg legen können. Das ist das geltende Recht, und auf dieser Grundlage müssen wir das als Behörde auch bearbeiten.“ Die Stadt arbeitet bereits an einer Änderung des Bebauungsplans.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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