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Hamsterkäufe machen vor Apotheken nicht halt
Noch nicht in anderen Umständen

Für Apothekerin Claudia C. Henke (M.) von der Gertruden-Apotheke in Kirchen steht die Sicherheit von Kunden und Personal an oberster Stelle.
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  • Für Apothekerin Claudia C. Henke (M.) von der Gertruden-Apotheke in Kirchen steht die Sicherheit von Kunden und Personal an oberster Stelle.
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goeb Betzdorf Um es gleich vorwegzunehmen: Dass in diesen Zeiten die Nachfrage nach Schwangerschaftstests gestiegen sei (Motto: Gelegenheit macht Liebe), können die hiesigen Apotheker nicht bestätigen. Es ist eine sich übers Internet vermehrende Falschmeldung.

Da gibt es so manches Gerücht, das jetzt die Runde macht. Regelrecht Verwirrung hat die (inzwischen zurückgezogene) Nachricht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestiftet, die über den Ticker verbreiten ließ, dass das entzündungshemmende Ibuprofen bei Verdacht auf Corona-Infektion besser nicht einzunehmen sei, weil es womöglich Symptome verstärke. Stattdessen solle man lieber Paracetamol verwenden. Die derzeit oberste Autorität im Lande, unser Robert-Koch-Institut, sieht auf seiner Internetseite indes keine Zusammenhänge.

goeb Betzdorf Um es gleich vorwegzunehmen: Dass in diesen Zeiten die Nachfrage nach Schwangerschaftstests gestiegen sei (Motto: Gelegenheit macht Liebe), können die hiesigen Apotheker nicht bestätigen. Es ist eine sich übers Internet vermehrende Falschmeldung.

Da gibt es so manches Gerücht, das jetzt die Runde macht. Regelrecht Verwirrung hat die (inzwischen zurückgezogene) Nachricht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gestiftet, die über den Ticker verbreiten ließ, dass das entzündungshemmende Ibuprofen bei Verdacht auf Corona-Infektion besser nicht einzunehmen sei, weil es womöglich Symptome verstärke. Stattdessen solle man lieber Paracetamol verwenden. Die derzeit oberste Autorität im Lande, unser Robert-Koch-Institut, sieht auf seiner Internetseite indes keine Zusammenhänge.

Die Auswirkungen sind aber ganz praktisch zu spüren in den Apotheken. Paracetamol-Bestände hat Apothekerin Claudia C. Henke nur deshalb noch, weil sie rechtzeitig einen größeren Posten bestellt hat.

In den hiesigen Apotheken – oder besser vor den Apotheken – herrscht Gedränge, wie lange nicht. „Der Trend zur Aufstockung der Hausapotheke ist spürbar“, hat die Inhaberin der Gertruden-Apotheke in der Nähe des Krankenhauses in Kirchen festgestellt. Schmerzmittel gehören dazu. Daneben werden solche Mittel eingekauft, die den Symptomen der neuartigen Erkrankung zugerechnet werden, wie Produkte gegen Husten oder Durchfall oder das Antiseptikum Betaisodona, eine Salbe.

Viele Kunden können sich nicht nur beim Betreten der Apotheken die Hände desinfizieren, sie tun es auch gern zu Hause, sofern sie rechtzeitig noch ein Fläschchen bekommen haben.

Kollegin Sabine Alberts-Wingenfeld in der Nachbarstadt Betzdorf gibt Desinfektionsmittel in 100-ml-Flaschen ab, selbst hergestellt aus 20 Liter Isopropanol. „Ich habe gleich noch einmal so viel geordert, aber die kommen nicht herbei.“

Auch sie muss lachen, als das Gespräch auf den Schwangerschaftstest kommt. „Das wäre auch noch zu früh. In einigen Monaten vielleicht.“

Dennoch stellen sich wohl viele Kunden auf eine längere Zeit zu Hause ein. Hygiene-Artikel sind der Renner. Einmal-Handschuhe – früher oft Ladenhüter – stehen auf etlichen Einkaufslisten und sind sehr begehrt. Das häufige Desinfizieren geht allerdings auf die Schleimhäute. „Die trocknen dadurch schneller aus“, berichtet Frau Henke. Es gebe auch dafür entsprechende Präparate, die helfen, sie wieder aufzubauen.

Weil Apotheken ebenso wie Arztpraxen Orte sind, an denen sich Träger von Symptomen wahrscheinlich eher sammeln als anderswo, gelten hier besonders strenge Vorschriften. Keine Apotheke lässt mehr Kunden regellos in die Verkaufsräume strömen.

„Bei uns geht der Verkauf nur noch über die Notdienst-Klappe“, schildert Martin Achterberg von der Adler-Apotheke in Daaden. Die Löwen-Apotheke in Betzdorf besitzt zwei Eingänge und kann dadurch die Kunden sehr geordnet zu den Kassenarbeitsplätzen ins Ladenlokal lassen. Sie betreten die Apotheke im Einbahnsystem von der Bahnhofstraße aus und verlassen sie zum Busbahnhof hin. Glasscheiben bieten Personal und Kunden entsprechenden Schutz.

Für jeweils drei Kunden ist der Eintritt auch bei der Gertruden-Apotheke erlaubt. Die schmucken, im Holzsockel gefassten Scheiben, hat die Inhaberin extra beim Schreiner anfertigen lassen. Auch bei ihr in der Apotheke sieht man Zonierung und Absperrung, die Lieferanten müssen am Hintereingang klingeln.

Haben sich die Kunden an die Regeln gewöhnt? Im Fachjargon würde man sagen: Die „Compliance“ verbessert sich jeden Tag. „90 Prozent haben Verständnis, 10 Prozent schütteln noch mit dem Kopf“, sagt Claudia C. Henke.

Die Löwen-Apotheke und die Bären-Apotheke in Betzdorf richten eine Mittagspause zwischen 13 und 14.30 Uhr ein, in der sich die Mitarbeiter im Schichtdienst ablösen. In den Apotheken fällt auf, dass die Präsentationen von frei verkäuflichen Produkten überall zurückgefahren worden sind. „Das ist auch sinnvoll“, ergänzt Claudia Henke: „Das Robert-Koch-Institut hat noch einmal betont, dass die Viren nach neuesten Untersuchungen bis zu 72 Stunden sogar auf Edelstahl überlebensfähig sind.“

Für zusätzlichen Arbeitsaufwand sorgt in diesen Wochen der Hol- und Bringdienst mancher Apotheken für Kranke und Gebrechliche bzw. sonstwie ans Haus Gefesselte. Die Boten holen das Rezept beim Kunden ab und fahren die Medikamente raus. „Es gibt nicht einmal Handkontakt“, berichtet Sabine Alberts-Wingenfeld von den Sicherheitsvorkehrungen. Bezahlt werden könne später, wenn die Rechnung beim Kunden per Post eingegangen sei.

Alle rheinland-pfälzischen Apotheken, die Botendienste im Programm haben, wurden vom Landesapothekendienst aufgefordert, dies zu melden, sodass die Gesundheitsämter orientiert sind, welche Infrastruktur da ist, sollte es schlimmer kommen.

Kommt es denn schlimmer? Immer mehr Menschen halten das für wahrscheinlich. Wer glaubt, dass es Hamsterkäufe nur in den Supermärkten gibt, muss sich eines Besseren belehren lassen. Mehrere der befragten Apotheken bestätigen das. Während gesetzlich Versicherte es schwerer haben dürften, etwa an eine Extra-Packung Antibiotika zu kommen, falle es privat Versicherten offenbar deutlich leichter, an ein weiteres Rezept zu gelangen, wenn behauptet wird, dass das Medikament schon verbraucht sei.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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