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23-Jähriger vor Gericht
Nur der Fahrer des Dealers?

Die Verhandlung am Amtsgericht Betzdorf geht in eine zweite Runde.

dach Betzdorf. Auch die Juristerei macht vorsichtige Schritte in einen wie auch immer gearteten Corona-Alltag. Dieser Tage fanden wieder erste Strafverfahren am Betzdorfer Amtsgericht statt. Und so hatte es das Jugendschöffengericht am Donnerstag mit Konstantin B. zu tun. Dem heute 23-Jährigen wurde vorgeworfen, vor über zwei Jahren eine Tüte voll mit Drogen aus seinem Auto heraus verkauft zu haben.

Ebenfalls Teil der Anklage: Der Vorwurf, Beamte hätten bei einer Durchsuchung seiner Wohnung einige Monate später 4 Gramm Marihuana gefunden. Daraus machten aber weder Konstantin B. noch dessen Verteidiger Christoph Nattermann (Köln) einen Hehl. Das mit dem „Deal“ sei aber etwas anders gewesen, schilderte der Angeklagte. Denn nicht er habe die Drogen verkauft, sondern der Beifahrer im Auto.

dach Betzdorf. Auch die Juristerei macht vorsichtige Schritte in einen wie auch immer gearteten Corona-Alltag. Dieser Tage fanden wieder erste Strafverfahren am Betzdorfer Amtsgericht statt. Und so hatte es das Jugendschöffengericht am Donnerstag mit Konstantin B. zu tun. Dem heute 23-Jährigen wurde vorgeworfen, vor über zwei Jahren eine Tüte voll mit Drogen aus seinem Auto heraus verkauft zu haben.

Ebenfalls Teil der Anklage: Der Vorwurf, Beamte hätten bei einer Durchsuchung seiner Wohnung einige Monate später 4 Gramm Marihuana gefunden. Daraus machten aber weder Konstantin B. noch dessen Verteidiger Christoph Nattermann (Köln) einen Hehl. Das mit dem „Deal“ sei aber etwas anders gewesen, schilderte der Angeklagte. Denn nicht er habe die Drogen verkauft, sondern der Beifahrer im Auto. Im Einzelnen ging es um:

• 429 Gramm Marihuana;

• 45 Gramm Amphetamin;

• 50 Tabletten Ecstasy und

• 1,8 Gramm Kokain.

Bei seinem Beifahrer, „ich will jetzt auch nicht sagen, wer es war“, habe er damals sein Gras bezogen. An diesem Tag habe Mister X ihm 5 Gramm Marihuana versprochen, wenn er ihn zu einem Drogengeschäft fahren würde.

In einem Waldstück nahe eines kleinen Dorfs im AK-Land trafen sie auf die Abnehmer. Der Käufer sei in sein Auto gestiegen und das Geschäft gelaufen, so der Angeklagte. Neben einer Tüte voller Drogen wechselten 2950 Euro den Besitzer.

Der Käufer – dereinst ebenfalls in Begleitung und für den Deal mittlerweile verurteilt – geriet auf dem Rückweg allerdings in eine Polizeikontrolle: Die Sache flog auf. Dabei hatten er und auch Konstantin Glück, dass der Dealer seinen Kunden offenbar abziehen wollte. Denn das Marihuana habe lediglich 0,9 Prozent Wirkstoff enthalten, normal seien 10 bis 12 Prozent, sagte Richterin Tanja Becher, die von „besserem Tabak“ sprach.

Auch zu seiner Person zeigten sich Verteidiger und Angeklagte auskunftsfreudig. Der gebürtige Russe habe eine schwere Kindheit gehabt, konstatierte Jurist Nattermann: der Vater Alkoholiker, die Großmutter habe sich aufgehängt.

Mit neun Jahren, so Konstantin B., sei er nach Deutschland gekommen. Nach einer weiteren Episode im Osten sei seine Familie schließlich hier geblieben, er machte einen Realschulabschluss und durchlief eine kaufmännische Lehre in einem Autohaus. Kurz vor der Prüfung schmiss er hin, er sei im Büro vollkommen überlastet worden.

Aufgrund von Stress in der Ausbildung habe er angefangen, regelmäßig zu kiffen, dabei den mysteriösen Beifahrer kennengelernt. Den habe er gar nicht gemocht. „Ich wusste nur nicht, wo ich sonst mein Gras herbekommen sollte.“ Denn er leide von kleinauf unter Schlafstörungen.

Sein Verteidiger wies zudem auf ein ärztlich festgestelltes ADHS hin, weshalb Konstantin B. mittlerweile medizinisches Marihuana auf Rezept erhalte. „Das Apothekengras ist nicht das, was man sonst bekommt“, erläuterte der Angeklagte. Cannabis „von der Straße“ erdrücke einen regelrecht. Das vom Apotheker beschwinge einen, „aber man hat nicht diese Plattheit“.

Dem Vertreter der Staatsanwaltschaft Koblenz genügte das Geständnis von Konstantin B. nicht. Er wollte doch zumindest vom Käufer hören, ob es diesen mysteriösen Beifahrer wirklich gegeben hat oder ob es der Angeklagte selbst war, der dort „gecheckt“ hat. Da das Gericht nach Signalen der Verteidigung davon ausgegangen war, Konstantin B. werde die ursprünglichen Vorwürfe zugeben, hatte man allerdings auf jegliche Zeugen verzichtet. Ohne wollte der Staatsanwalt aber nicht auskommen, schließlich gehe es um die Frage, ob er am Ende eine Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe fordern werde.

Letztere hat Verteidiger Nattermann im Blick bzw. diese dann in Sozialstunden umwandeln zu lassen, weil sein Mandant derzeit pleite sei. Aus diesem Grund wurde die Verhandlung vertagt: Der Käufer der Drogentüte soll befragt werden.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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