Ökologisch wertvoll – mehr oder weniger

Das Brucher Baugebiet Klosterwiese ist jetzt fertig erschlossen / Anwohner sind nicht rundherum zufrieden

kafu Bruche. »Kostengünstiges und ökologisches Bauen« lautete der Grundsatz im Baugebiet Klosterwiese in Bruche. Mit dem Modellprojekt sollten vor allem junge Familien animiert werden, hier preiswert Grundstücke zu erwerben (die SZ berichtete). Zur Erinnerung: Im Jahr 1996 hat die Stadt Betzdorf das rund 5300 qm große Grundstück vom Missionshaus Heilige Familie (Kloster Bruche) erworben. Wäre das Gebiet konventionell erschlossen und bebaut worden, hätten dort höchstens sechs Wohnhäuser Platz gefunden. Zu wenig, befand die Stadt. Und so erarbeitete ein Betzdorfer Architektur- und Stadtplanungsbüro das neue Modellprojekt. Inzwischen stehen in der Klosterwiese zehn Häuser auf Grundstücken von durchschnittlich je 480 qm Größe. Eines der Gebäude ist das erste Passivhaus im AK-Land. Alle Hausbauer der Klosterwiese hatten sich dazu verpflichtet, bestimmte Rahmenbedingungen einzuhalten. Unter anderem sehen diese eine Holzständerbauweise und möglichst ressourcenschonende Heiztechniken vor. »Am Anfang haben sich die Leute nicht für so kleine Grundstücke interessiert, die meisten wollen die traditionelle Größe«, begründet Michael Lieber die zunächst recht mäßige Begeisterung potenzieller Interessenten. Inzwischen aber wurde die Klosterwiese fertig erschlossen, und die Familien können ihre Häuser jetzt über die neue verkehrsberuhigte Straße erreichen. Der Betzdorfer Bauausschuss verschaffte sich am Dienstag noch einmal einen Eindruck vor Ort. Und zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis: »Das Modellprojekt ist gelungen. Wir haben erreicht, was wir erreichen wollten«, so Bürgermeister Michael Lieber.

Die Vorzüge der Klosterwiese weiß auch Familie Hartmann zu schätzen, die seit 2001 in einem der zehn Häuser wohnt: »Nirgends sonst haben wir ein so billiges Grundstück gefunden, und die Energiekosten sind unglaublich niedrig. Außerdem ist die Lage mit Schule, Kindergarten und einem Geschäft ideal für junge Familien«, erklärt der dreifache Vater Frank Hartmann im Gespräch mit der SZ.

Aber er sieht auch die ein oder andere Schwachstelle im Neubaugebiet bzw. bei der Umsetzung des Projektes. Die Hartmanns waren die vierten, die hier gebaut haben und das brachte, so Hartmann, einige Nachteile mit sich: »Die Auflagen sind nach und nach gelockert worden. Wir hatten noch viel strengere Vorgaben als die Nachbarn, die später kamen«, kritisiert er. So musste die fünfköpfige Familie beispielsweise noch Holzfenster einbauen. Und die sind wesentlich teurer als die Kunststofffenster einiger Nachbarn, die später kamen.

Das Problem sieht auch Architekt Armin Brast: Im Jahr 2002 seien zwei grundlegende Richtlinien aufgeweicht worden. Ein interessierter Bauherr habe damals argumentiert, dass Kunststofffenster mit Blick auf die Wärmedämmung besser seien, als Holzfenster. »Dieses Argument war nicht von der Hand zu weisen, wenn auch der Baustoff selbst dann nicht mehr natürlich war.« Auch bei den Fassaden wurden Konzessionen gemacht: Statt der ursprünglich geforderten reinen Holzfassade war nun ein Drittel Putzfläche zulässig. Letztlich sei man, so Brast, natürlich auch daran interessiert gewesen, die Grundstücke an den Mann zu bringen. Dass ihr Haus keinen Keller hat – auch eine Richtlinie beim Projekt –, damit hat sich Familie Hartmann schon lange arrangiert: Ein Gartenhaus auf der Wiese ersetzt den fehlenden Platz. Gar nicht begeistert ist Frank Hartmann aber von zwei anderen »Kleinigkeiten«, die auch die Nachbarn stören dürften. »Auf die versprochenen Straßenlampen warten wir schon seit November«, ärgert sich der junge Vater. »Die Straße ist abends so dunkel, dass die Leute im Winter ihre eigenen Lampen an den Häusern anlassen. Sehen kann man sonst nämlich nichts.« Bürgermeister Lieber versprach indes, dass die Straßenbeleuchtung in den nächsten Tagen kommt – eigentlich hätten die Lampen sogar schon beim Ortstermin angebracht sein sollen. Über diese Ankündigung kann Familie Hartmann inzwischen nur noch lachen. Wie über die, ebenfalls lange versprochenen, Grundstücksangleichungen. »Die Angleichungen werden jetzt gemacht, und zwar von der Firma, die auch die Straße erschlossen hat«, versicherte Lieber im Gespräch mit der SZ auch in diesem Fall. Die Hartmanns wird dieses Versprechen wohl nicht mehr interessieren: Sie haben, nach langem Warten, die Angleichung inzwischen selbst vorgenommen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
Lokales
Unter Siegerländer Artikeln finden Besucher der SZ-Homepage derzeit zahlreiche Angebote von Siegener Händlern. Möglich macht das die Kooperation mit dem hiesigen Start-up-Unternehmen mapAds. Mit dem innovatien Digitalmarketing-Werkzeug lassen sich Angebote von Handel und Dienstleistung einfach digitalisieren und bald über viele zusätzliche Kanäle publizieren.

Start-up mapAds und Vorländer Mediengruppe
Angebote einfach digitalisieren und publizieren

sz Siegen. Die Vorländer Mediengruppe arbeitet weiter konsequent an der Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Während die Zeitungsproduktion weiter das Kerngeschäft und das wichtigste Standbein des Verlages bleiben wird, investiert Vorländer selbstbewusst und entschieden in moderne Strukturen, neue Technologien und die Digitalisierung. Mit dem Digitalen arbeiten„Wir sind überzeugt davon, dass die Zukunft darin liegt, nicht gegen das Digitale, sondern mit dem Digitalen zu arbeiten. Wir sehen das...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen