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Ehrenamtliche der Caritas begleiten seit 25 Jahren
Ohne Humor keine Hospizarbeit

Karla Reichert (r.)	freut sich über die gute Betreuung durch den Ambulanten Hospizdienst der Caritas. Der Kontakt wurde durch Nachbarin Anneliese Andrich (l.) vermittelt, die selbst Hospizbegleiterin ist, im Hintergrund Koordinatorin Karin Zimmermann.
  • Karla Reichert (r.) freut sich über die gute Betreuung durch den Ambulanten Hospizdienst der Caritas. Der Kontakt wurde durch Nachbarin Anneliese Andrich (l.) vermittelt, die selbst Hospizbegleiterin ist, im Hintergrund Koordinatorin Karin Zimmermann.
  • Foto: thor
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

thor Betzdorf/Steinebach. Karla Reichert ist eine kleine, eine zierliche Frau, ihre Krankheit lässt sie fast zerbrechlich wirken. Und dennoch möchte man sich die 75-Jährige sehr gut in einer Fankurve vorstellen. Wenn es um ihre große fußballerische Liebe Borussia Mönchengladbach geht, leuchten die Augen, und die Stimme wird fest. „Wir kommen einfach von diesem 7. Platz nicht weg“, analysiert sie. Die Europa-League hat sie fast aufgegeben. Nicht aber sich selbst.
Die Steinebacherin leidet an der unheilbaren Lungenkrankenheit COPD, sie ist auf die Zufuhr von Sauerstoff angewiesen. Nur wenige Schritte im Haus schwächen sie enorm. Karla Reichert durchlebt immer wieder sehr schwierige Phasen. Doch sie ist nicht allein.

thor Betzdorf/Steinebach. Karla Reichert ist eine kleine, eine zierliche Frau, ihre Krankheit lässt sie fast zerbrechlich wirken. Und dennoch möchte man sich die 75-Jährige sehr gut in einer Fankurve vorstellen. Wenn es um ihre große fußballerische Liebe Borussia Mönchengladbach geht, leuchten die Augen, und die Stimme wird fest. „Wir kommen einfach von diesem 7. Platz nicht weg“, analysiert sie. Die Europa-League hat sie fast aufgegeben. Nicht aber sich selbst.
Die Steinebacherin leidet an der unheilbaren Lungenkrankenheit COPD, sie ist auf die Zufuhr von Sauerstoff angewiesen. Nur wenige Schritte im Haus schwächen sie enorm. Karla Reichert durchlebt immer wieder sehr schwierige Phasen. Doch sie ist nicht allein.

Wichtige Hospizarbeit

Da ist zum einen die polnische Haushaltshilfe, da ist aber auch die Hospizbegleiterin der Caritas Betzdorf. Seit nunmehr 25 Jahren kümmern sich die Ehrenamtlichen um kranke und sterbende Menschen. Eine Arbeit, die oft im Verborgenen geschieht, aber ungemein wichtig ist – auch in Corona-Zeiten. Zuhören, Gespräche führen, kleine Besorgungen und Handreichungen: All das gehört zum (kostenlosen) Angebot des Hospizdienstes. Sie müssen nicht mehr mitbringen als Zeit – das kostbarste Geschenk überhaupt.
An diese Art von Betreuung hatte Karla Reichert vor einem Jahr noch gar nicht gedacht. Bis dahin kümmerte sich ihr Mann liebevoll um sie. Doch von jetzt auf gleich starb er an einem Herzinfarkt. Es sollte in diesen schweren Stunden ein glücklicher Zufall sein, dass Nachbarin und Freundin Anneliese Andrich gerade einen Kurs zur Hospizbegeleiterin absolviert hatte. Über Jahrzehnte hatte sie sich zuvor in der Tschernobyl-Nothilfe der Caritas engagiert.

Bei der Begleitung muss die Chemie stimmen

Gemeinsam mit dem in den Niederlanden lebenden Sohn wurden flugs Pflege und Betreuung organisiert. Denn die Steinebacherin wollte unbedingt in dem Haus bleiben, das ihr Mann 1969 für die Familie gebaut hatte. Nach einer Hüft-OP hatte sie Jahre zuvor kurze Zeit in einem Altenheim verbracht. Ihr Eindruck: „Solange du klar im Kopf bist, willst du da nicht hin.“
Da Anneliese Andrich schon eine andere Betreuung in Scheuerfeld hatte, war die hauptamtliche Koordinatorin Karin Zimmermann gefordert: „Wenn wir einen Auftrag bekommen, überlegen wir, wer kommt dafür infrage?“ Wer wohnt in der Nähe, bei wem könnte die Chemie stimmen? Und sie fand die Richtige (die allerdings nicht namentlich genannt werden möchte). „Ich möchte Menschen Zeit schenken“, sagt die erfahrene Hospizbegleiterin. Aber ja, sie habe in der Hochphase des ersten Lockdowns auch länger überlegen müssen, ob sie den neuen „Job“ annehmen soll. Karin Zimmermann ist voll des Lobes: „Sie gehört zu jenen, die bestens zuhören können.“ Und so wird Karla Reichert zweimal die Woche besucht. Selbstverständlich schaut auch Anneliese Andrich regelmäßig vorbei.
Die rein medizinische Betreuung obliegt dabei der „Spezialisierten Ambulanten Palliativ-Versorgung“ vom Stützpunkt Westerburg. Dort werde großartige Arbeit geleistet, so Zimmermann.

Ein Fremder in der eigenen Wohnung

Bei der Kontaktaufnahme mit dem Hospizdienst der Caritas gebe es nach wie vor etliche Hemmschwellen, berichtet die Koordinatorin. Zunächst einmal müsse akzeptiert werden, einen Fremden in die eigenen vier Wände zu lassen. Angehörige befürchteten oft, dass der Betreute allzu Privates preisgeben könne. Und natürlich sehen manche die Hospizbegleiter als Vorboten der Bestatter. Zimmermann: „Der Hospiz-Begriff ist immer noch mit Angst behaftet. Wir sind aber nicht nur für Menschen da, die im Sterben liegen.“
In den Gesprächen kann es um den Tod gehen, muss aber nicht. „Wir wissen, dass die Krankheit da ist, da braucht man nicht drüber zu reden“, sagt die Begleiterin von Karla Reichert. Aber gelegentlich wird Karin Zimmermann auch kontaktiert, weil der Lebenspartner genau dieses Thema ausblendet, ob nun selbst betroffen oder der andere. Ein weiterer Fakt: „Wir werden oft sehr spät angerufen.“ So dauert die Begleitung manchmal nur Tage, es geht aber auch über zwei, drei Jahre.

Weniger Nachfrage in der Pandemie

In der Pandemie gebe es tatsächlich einen Einbruch bei der Nachfrage, erzählt die Caritas-Mitarbeiterin. Das betreffe zwar nicht den häuslichen Bereich, aber aus den Alten- und Pflegeheimen komme nichts mehr. Dabei seien alle Ehrenamtlichen schon mindestens einmal geimpft.
Es versteht sich von selbst, dass die Begleiter neben Zeit auch viel Empathie einbringen müssen. Viel wichtiger aber noch: „Humor ist eine Grundbedingung für eine Hospizbegleitung. Es wird unheimlich viel gelacht“, sagt Karin Zimmermann.
Ihren Humor hat auch Karla Reichert nicht verloren, trotz der Krankheit und trotz des 7. Platzes der Borussia. Dass der SZ-Redakteur ein glühender Fan von Fortuna Düsseldorf ist, nimmt sie gelassen und tolerant auf, hat sie doch weitaus Schlimmeres befürchtet: „Es geht alles, nur nicht Bayern.“

Nur ein Mann im 35-köpfigen Team Der Ambulante Hospizdienst der Caritas umfasst derzeit 35 Ehrenamtliche, darunter (leider) nur ein Mann. Karin Zimmermann würde sich hier ein stärkeres Interesse wünschen, damit in der Begleitung von Männern auch besser über deren typische Themen gesprochen werden kann. Stolz ist sie darauf, dass beim Kurs 2019/20 von 16 Teilnehmern 14 zum Team gestoßen sind. Der nächste Kurs soll im nächsten Jahr beginnen. Zurzeit kümmert man sich um elf Menschen im Oberkreis, es gibt also noch freie Kapazitäten. Kontakt: Tel. (0 27 41) 93 77 31, E-Mail: hospiz-ambulant@caritas-betzdorf.de.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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