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Sexueller Missbrauch von Minderjähriger
"Oma, ich kann das nicht vergessen"

Weil er die damals zehn Jahre alte Tochter seiner ehemaligen Verlobten mehrfach sexuell missbraucht haben soll, muss sich seit Montag ein 30-Jähriger vor der Schöffengerichtskammer des Amtsgerichts Betzdorf verantworten.
  • Weil er die damals zehn Jahre alte Tochter seiner ehemaligen Verlobten mehrfach sexuell missbraucht haben soll, muss sich seit Montag ein 30-Jähriger vor der Schöffengerichtskammer des Amtsgerichts Betzdorf verantworten.
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nb Betzdorf. Weil er die damals zehn Jahre alte Tochter seiner ehemaligen Verlobten mehrfach sexuell missbraucht haben soll, muss sich seit Montag ein 30-Jähriger vor der Schöffengerichtskammer des Amtsgerichts Betzdorf verantworten. Adrian T. (alle Namen von der Redaktion geändert) schwieg beim Prozessauftakt zu den Vorwürfen.

Ins Rollen gebracht hat das Ganze eine Bemerkung des Mädchens, Celine B., im Schulunterricht. Als gerade die erste Stunde Sexualkundeunterricht in der Klasse lief, so schilderte es die Lehrerin, habe Celine gefragt, ob es normal sei, dass eine Zehnjährige mit einem 28-Jährigen duschen gehe. Und sie erzählte noch mehr.

Die Vorwürfe, die Staatsanwältin Julia Feldpausch verlas, wiegen schwer. Demnach soll Adrian T.

nb Betzdorf. Weil er die damals zehn Jahre alte Tochter seiner ehemaligen Verlobten mehrfach sexuell missbraucht haben soll, muss sich seit Montag ein 30-Jähriger vor der Schöffengerichtskammer des Amtsgerichts Betzdorf verantworten. Adrian T. (alle Namen von der Redaktion geändert) schwieg beim Prozessauftakt zu den Vorwürfen.

Ins Rollen gebracht hat das Ganze eine Bemerkung des Mädchens, Celine B., im Schulunterricht. Als gerade die erste Stunde Sexualkundeunterricht in der Klasse lief, so schilderte es die Lehrerin, habe Celine gefragt, ob es normal sei, dass eine Zehnjährige mit einem 28-Jährigen duschen gehe. Und sie erzählte noch mehr.

Die Vorwürfe, die Staatsanwältin Julia Feldpausch verlas, wiegen schwer. Demnach soll Adrian T. im November 2018 Celine zu „Wahrheit oder Pflicht“-Spielen aufgefordert haben. Dabei soll er Celine gezwungen haben, sich mit ihm unter die Dusche zu stellen und sein Geschlechtsteil in die Hand und auch in den Mund zu nehmen. Später, auf dem Sofa, soll der Angeklagte versucht haben, in das Mädchen einzudringen, aber es wehrte sich mit Tritten, bis er von ihm abließ.

Nackt ins Bett gelegt

In drei weiteren Fällen, ebenfalls im genannten Zeitraum, habe Adrian T. ihr befohlen, sich nackt neben ihn ins Bett zu legen und sein Geschlechtsteil zu „manipulieren“.

"Sie fängt jetzt nach der ganzen Sache
mit einer Traumatherapie an."

Sandra B.
Mutter von Celine im Zeugenstand

Im Tatzeitraum hatte Adrian T. mit Celine, deren Mutter Sandra B., zwei weiteren Kindern aus einer früheren Beziehung von Sandra B. sowie einer gemeinsamen Tochter in einer Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Wissen gelebt.

Sandra B., so schilderte sie es dem Gericht, hatte eine Vollzeitstelle angenommen, ihr Verlobter habe sich um die Kinder gekümmert. Und: Sie habe ihm dabei „vollstens vertraut“. Doch dann kam Anfang 2019 der Anruf der Grundschule. Celine wurde zunächst nach Hause geholt und war anschließend zehn Tage in Obhut des Jugendamtes. „Ja, wie reagiert man als Mutter?“, so fragte die 37-Jährige in den Raum. Das ziehe einem erst einmal „den Boden unter den Füßen weg“.

Mädchen leide an posttraumatischer Belastungsstörung

„Ist Ihnen denn etwas aufgefallen?“, wollte Richterin Beatrice Haas wissen. „Das ist für mich das Schlimme, dass ich nichts gemerkt habe“, so Sandra B. Ihre Tochter verdränge viel, erzähle nichts mehr zu dem Thema. Das Mädchen leide aufgrund der Misshandlungen an einer posttraumatischen Belastungsstörung: „Sie fängt jetzt nach der ganzen Sache mit einer Traumatherapie an.“

Und nein, dass jemand anderes als Adrian T. der Täter sein könnte, und Celine dies nur auf den Angeklagten „übertragen“ habe, dafür, so die 37-Jährige auf eine Frage von Verteidiger Philipp Grassl, gebe es keinerlei Anhaltspunkte.

Celine B. selbst wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit angehört. Ihre Oma schilderte später sichtlich bewegt, wie sich ihre Enkelin ihr im Frühjahr 2019 anvertraut habe. Das Mädchen habe nicht schlafen können, sich immer wieder selber mit den Fäusten gegen den Kopf geschlagen und gerufen: „Oma, ich kann das nicht vergessen.“ Schließlich habe sie ihr alles erzählt.

Glaubhafte Äußerungen

Lehrerin und Schulleiter, die nach den Bemerkungen von Celine schnell und konsequent reagiert hatten, sprachen von glaubhaften Äußerungen. „Ich habe keinen Grund gehabt, daran zu zweifeln“, so der Schulleiter. Und die Lehrerin schilderte das Mädchen als offen, teils unbedarft und sehr redselig, aber „sie hat mich nie belogen.“

Damit zeichnete sie ein ganz anderes Bild als der Vater von Adrian T., der gemeinsam mit seiner Frau regelmäßig bei der Familie zu Gast gewesen war und auf die Kinder aufgepasst hatte. Celine habe öfters die Unwahrheit gesagt, so der Rentner beim Prozessauftakt. Und er schildert einen Vorfall von vor drei Jahren. Celine sei damals zum Frühstück gekommen und habe behauptet, sie habe mit ihrem jüngeren Bruder Sex gehabt. Seine Frau habe ihr dann gesagt, sie solle aufhören, so etwas zu erzählen.

Verwunderung über Geschildertes

Staatsanwältin Feldpausch wunderte sich über das Geschilderte und insbesondere darüber, dass niemand nachgebohrt habe. Eine wirkliche Antwort bekam sie auf ihre entsprechenden Nachfragen aber nicht.

Verteidiger Grassl (Koblenz) ließ anklingen, dass sich sein Mandant möglicherweise noch äußern werde. Der Prozess wird fortgesetzt.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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