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Naturschutzgebiet „Im Geraum“
Orchideenkrieg ist längst Geschichte

Das acht Hektar große Naturschutzgebiet „Im Geraum“ bei Kausen ist der beste Orchideenstandort weit und breit. Die Fläche wird heute vom Vieh stoßbeweidet. In den 1980er-Jahren war sie eigentlich als Weihnachtsbaumplantage vorgesehen. Glücklicherweise kam es anders.
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  • Das acht Hektar große Naturschutzgebiet „Im Geraum“ bei Kausen ist der beste Orchideenstandort weit und breit. Die Fläche wird heute vom Vieh stoßbeweidet. In den 1980er-Jahren war sie eigentlich als Weihnachtsbaumplantage vorgesehen. Glücklicherweise kam es anders.
  • Foto: goeb
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

goeb Kausen. Wer erinnert sich noch an den Orchideenkrieg von Kausen? Zu Beginn der 1980er-Jahre trug der sich zu. Tausende Fichtenschößlinge bedeckten die Orchideenwiese oberhalb der Schnellstraße nach Hachenburg – ein „Geheimtipp“ für Naturliebhaber und Botaniker. Grünliche und Weiße Waldhyazinthe sowie und etliche Knabenkräuter reckten ihre Pracht über die Grasnarbe – neuerdings überschattet von Weihnachtsbäumen. Das Geraume, wie die Gemarkung heißt, überzeugte mit ihrer wahren Fülle an Pflanzen. Wie viele Orchideen dort wuchsen, darüber wurde heftig gestritten: zwischen 10 000 und 15 000, hieß es. Andere behaupteten, es seien noch bedeutend mehr. Bis zu 30 Stück siedelten auf einem einzigen Quadratmeter.

goeb Kausen. Wer erinnert sich noch an den Orchideenkrieg von Kausen? Zu Beginn der 1980er-Jahre trug der sich zu. Tausende Fichtenschößlinge bedeckten die Orchideenwiese oberhalb der Schnellstraße nach Hachenburg – ein „Geheimtipp“ für Naturliebhaber und Botaniker. Grünliche und Weiße Waldhyazinthe sowie und etliche Knabenkräuter reckten ihre Pracht über die Grasnarbe – neuerdings überschattet von Weihnachtsbäumen. Das Geraume, wie die Gemarkung heißt, überzeugte mit ihrer wahren Fülle an Pflanzen. Wie viele Orchideen dort wuchsen, darüber wurde heftig gestritten: zwischen 10 000 und 15 000, hieß es. Andere behaupteten, es seien noch bedeutend mehr. Bis zu 30 Stück siedelten auf einem einzigen Quadratmeter.

Ein Krieg über die Zeitungen

Selbst die Landespflegebehörde wusste von dem Vorkommen nichts, was daran gelegen haben könnte, dass Schafe jahrelang dort weideten und die Blüten gefressen hatten. Unter der Weihnachtsbaumkultur schoben die Blumen plötzlich wieder ihre Sprosse. Allerdings war den Orchideenfreunden Rheinland-Pfalz auch klar, dass deren Existenz im Wald endlich sein würde.

Das Breitblättrige Knabenkraut – ein Archivbild aus dem Juli – ist die häufigste heimische Orchidee. Ihr Gesamtbestand nimmt allerdings ab. Inzwischen sind sie bereits verblüht.
  • Das Breitblättrige Knabenkraut – ein Archivbild aus dem Juli – ist die häufigste heimische Orchidee. Ihr Gesamtbestand nimmt allerdings ab. Inzwischen sind sie bereits verblüht.
  • Foto: goeb (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Zusammen mit anderen Naturschutzorganisationen stellte man Öffentlichkeit her. Bald begann ein Krieg über die Zeitungen. Zusätzlichen Pfeffer bekam die Sache dadurch, dass staatliche Zuschüsse geflossen waren an die Besitzer der Grundstücksparzellen – für 25 000 Fichten.
In diesen Tagen besuchten Vertreter der Oberen Naturschutzbehörde, Ehrenamtler der örtlichen Naturschutzverbände, Olaf Riesner-Seifert von der Unteren Naturschutzbehörde sowie das Forstamt das Naturschutzgebiet unter der Leitung von Biotopbetreuer Peter Weisenfeld. Mit dabei auch Landwirt Gerhard Pfeifer, der die Fläche heute mit seinen Rindern beweidet.
1988 ist das 8,2 Hektar große Gelände vom Land gekauft und als NSG ausgewiesen worden. Die Pläne der 30 Waldbesitzer hatten sich in Luft aufgelöst.

Offene Schneise als Anschluss

Gerhard Pfeifer brach eine Lanze für die Stoßbeweidung mit den Tieren. Ab Ende Juli, wenn die Orchideenblüte „durch“ ist, lässt er kleinere Einheiten von Rindern bzw. Pferden alternierend weiden.
Ende Januar hatte er erstmals Islandstuten auf dem Gelände. „Die haben zum Beispiel die Öhrchenweiden verbissen“, ergänzte Pfeifer. Denn um die Wiese offen zu halten, muss man sie gegen den Aufwuchs von Bäumen schützen. Dann stellen sich auch Arten wie Baumpieper und Neuntöter ein, die die inselartigen Gebüsche und Baumgruppen im offenen bzw. halboffenen Gelände gern haben. Vielleicht kommt auch das Braunkehlchen.
Peter Weisenfeld teilte die Ansicht im Grunde, schränkte aber etwas ein: „Es gibt auch Pflanzenarten, die mit Viehauftrieb nicht so gut zurechtkommen.“ Er nannte den Natternkopf als ein Beispiel.
Dem angrenzenden Fichtenwald sah man bereits an, dass er nicht wird überleben können. Bei den Naturschützern entstand der Wunsch, mit einer offenen Schneise den Anschluss zu finden an das unterhalb der Schnellstraße gelegene Naturschutzgebiet Seifenwald mit seinen Borstgrasrasen und Quellabschnitten – ebenfalls ein beliebter Standort von Orchis & Co.

Weiterhin hoher Holzbedarf in Deutschland

Forstamtsleiter Michael Weber gab aber zu bedenken: „Das muss wohl abgewogen sein. Wenn Wald geopfert wird, fällt der als CO2-Speicher aus. Und: Wir müssen auch noch Holz produzieren.“
Laut Weber ist der Holzbedarf weiterhin sehr hoch in Deutschland. „Und wenn wir den nicht mehr decken können, dann holen sich die Kunden eben woanders das Holz.“ Bei uns stehe ein Hektar Wald für 500 Festmeter Holz. „Wenn man sich
500 Festmeter im borealen Nadelwald holt, muss man dafür viele Hektar fällen“, gab er zu bedenken. In der „Seifenwiese“ ging es ebenfalls um die Beseitigung von Wald (0,5 ha). Dort stehen mitten im NSG Zitterpappeln ohne großen Wert für den Naturschutz.
Riesner-Seifert diskutierte die Mähtermine und wies darauf hin, dass, bedingt durch den hohen Stickstoffeintrag, über die Niederschläge der Wiesenaufwuchs schneller vonstatten gehe. Darauf müsse man die Mähtermine abstellen.
In der Seifenwiese wird in diesen Wochen gemäht, auf einigen Bereichen war das schon geschehen. Für die Heuschrecken und Schmetterlinge ist es nach wie vor ein kleines Eldorado. Schecken- und Perlmutterfalter waren zu beobachten. Und auch die seltenen Ameisenbläulinge werden noch regelmäßig gesehen.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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