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Der Weltmarkt und die blaue Tonne
Papiermüll bringt kein Geld mehr

Bislang ist reichlich Altpapier aus Europa in China gelandet – aber die Zeiten sind vorbei. Das bringt den europäischen Abfallmarkt in eine Schieflage, die letztlich auch die Menschen zwischen Friesenhagen und Flammersfeld zu spüren bekommen.
  • Bislang ist reichlich Altpapier aus Europa in China gelandet – aber die Zeiten sind vorbei. Das bringt den europäischen Abfallmarkt in eine Schieflage, die letztlich auch die Menschen zwischen Friesenhagen und Flammersfeld zu spüren bekommen.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

damo Kreis Altenkirchen. „Abfall kennt keine Grenzen mehr“, sagt Gerd Dittmann, und das meint er ganz anders, als man vermuten würde: Der Kreisbeigeordnete will damit nicht die Flut an Müll anprangern – er meint es wörtlich. Abfall, und zwar insbesondere die darin enthaltenen Wertstoffe, ist längst Bestandteil des weltweiten Güterstroms.Okay, könnte man sagen, ist ja gut und schön, aber was hat das mit meiner Mülltonne zu tun? Eine ganze Menge, wie ein Blick auf die blaue Tonne verdeutlicht. Es ist nämlich gar nicht so lange her, da sind die Bürger des AK-Lands noch dafür belohnt worden, Papiermüll zu sammeln. „Zu guten Zeiten haben wir den Menschen 10 Euro gutschreiben können“, blickt Dittmann (Bündnis 90/Die Grünen) zurück. „Aber diese Zeiten sind vorbei.

damo Kreis Altenkirchen. „Abfall kennt keine Grenzen mehr“, sagt Gerd Dittmann, und das meint er ganz anders, als man vermuten würde: Der Kreisbeigeordnete will damit nicht die Flut an Müll anprangern – er meint es wörtlich. Abfall, und zwar insbesondere die darin enthaltenen Wertstoffe, ist längst Bestandteil des weltweiten Güterstroms.Okay, könnte man sagen, ist ja gut und schön, aber was hat das mit meiner Mülltonne zu tun? Eine ganze Menge, wie ein Blick auf die blaue Tonne verdeutlicht. Es ist nämlich gar nicht so lange her, da sind die Bürger des AK-Lands noch dafür belohnt worden, Papiermüll zu sammeln. „Zu guten Zeiten haben wir den Menschen 10 Euro gutschreiben können“, blickt Dittmann (Bündnis 90/Die Grünen) zurück. „Aber diese Zeiten sind vorbei.“ Denn die Nachfrage nach Altpapier ist deutlich gesunken, wie Dittmann auf Nachfrage der SZ mit wenigen Zahlen veranschaulicht: „Anfang 2019 haben wir für die Tonne Altpapier noch 92 Euro bekommen – im April 2020 waren es nur noch 13 Euro pro Tonne. Und in dieser Rechnung sind die Kosten für das Einsammeln und Transportieren noch nicht abgebildet.“ Mit anderen Worten: „Wir sind aus dem Bereich der Erlöse, die wir jahrelang mit dem Papiermüll gemacht haben, raus.“

Green-Fence-Initiative gleicht Importstopp

Und das wiederum erklärt sich mit einem Blick auf den Weltmarkt. Einer der Gründe für die drastisch gesunkenen Erlöse ist nach Einschätzung vieler Branchenkenner die Green-Fence-Initiative der chinesischen Regierung. Dieses Gesetz schreibt vor, dass nur noch das Altpapier ins Reich der Mitte verschifft werden darf, das praktisch frei von Fremdstoffen ist. Das aber ist technisch kaum zu realisieren, und so kommt die Regel einem Importstopp gleich. Weil die Volksrepublik bislang einer der größten Abnehmer des europäischen Altpapiers war, ist auf dem hiesigen Markt plötzlich zu viel Papiermüll unterwegs – und die Preise fallen. Wenn sich aber mit dem Altpapier kein Geld mehr verdienen lässt, steigen die Kosten für die Entsorgungsunternehmen – und damit auch die des Abfallwirtschaftsbetriebs Altenkirchen.Kein Wunder also, dass der Werkausschuss und der Kreistag in den kommenden Sitzungen über eine neue Gebührenordnung sprechen müssen.

Moderate Gebührenerhöhung

Alles in allem sieht der Satzungsentwurf des AWB eine vergleichsweise moderate Gebührenerhöhung vor. Rechnet man die Müllgebühren für einen 4-Personen-Haushalt, geht Dittmann von einer Steigerung von 133 auf 140 Euro pro Jahr aus. Unterm Strich also könnte die Abfallentsorgung – sofern Werkausschuss und Kreistag die neue Satzung beschließen –7 Euro teurer werden. Der Löwenanteil dieser Erhöhung würde aufs Konto der blauen Tonne gehen: Aus 0,00 Euro sollen 4,87 Euro pro Jahr werden. Dittmann ist wenig optimistisch, dass sich die Erlöse aus dem Verkauf des Altpapiers zeitnah wieder erholen könnten. Zumal neben den gesunkenen Erlösen auch die Menge an Papiermüll im AK-Land geschrumpft ist: Sie ist im Vergleich zum Vorjahr um 1000 Tonnen auf 10 500 Tonnen gefallen – was erstaunlich klingt, schließlich hat der Online-Handel doch in Zeiten der Pandemie gebrummt wie nie zuvor, und so lag der Verdacht nahe, dass reichlich Kartons anfallen würden. Den Rückgang erklärt der Kreisbeigeordnete vor allem damit, dass immer weniger Druckerzeugnisse in der blauen Tonne landen – die Digitalisierung lässt grüßen: „Das spüren wir durchaus, wenn Ikea seinen Katalog nicht mehr in Papierform herausgibt.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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