Prozess in Betzdorf: Streit um Maskenpflicht eskaliert
Patientin beißt Arzthelferin

Die Angeklagte will sich an den Biss nicht erinnern.

nb Betzdorf. Lautstarker Streit, übelste Beleidigungen und schließlich die körperliche Attacke auf eine Angestellte: In einer Betzdorfer Facharztpraxis ging es am 8. April des vergangenen Jahres äußerst hoch her. Unschöne Bemerkungen oder giftige Diskussionen um Coronaschutzmaßnahmen dürfte dabei inzwischen so mancher kennen, der mit Kunden oder Patienten zu tun hat, aber der Eklat in der Praxis war solcher Natur, dass er jetzt ein juristisches Nachspiel im Amtsgericht hatte.
Merklich erschüttert von ihrem damaligen Verhalten und unter Tränen bestätigte die Angeklagte, die 40 Jahre alte Anne W. aus Herdorf, größtenteils die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

Desinfektionsmittel macht Angeklagte nervös

Anne W. (Namen geändert) hatte am damaligen Aprilmorgen wegen einer seit Längerem anberaumten Untersuchung die Praxis in Betzdorf aufgesucht. Aber: Der Besuch stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Es fing bereits mit dem bereitstehenden Hände-Desinfektionsmittel an: Sie habe schon immer irgendwie Probleme „mit Sachen an den Händen“ gehabt, so Anne W. Bereits das habe sie nervös werden lassen.
Es war die frühe Phase der Pandemie, und in Deutschland galt noch keine allgemeine Maskenpflicht. In der Praxis, so die interne Anweisung, sollten aber Mund und Nase bedeckt werden, dafür wurden auch Masken bereitgehalten. Ohne Maske kein Aufenthalt in der Praxis und auch keine Untersuchung, so erklärte es Arzthelferin Diana B. der Patientin mehrfach.

Panik wegen der Maske

Jetzt schaukelte sich nach und nach alles immer mehr hoch. Anne W. hatte nach eigener Aussage das Gefühl zu ersticken, ging an ein Fenster und zog sich die Maske herunter: „Ich war total panisch.“ Dann wurde sie für die Untersuchung aufgerufen – und im Anmeldebereich eskalierte die Situation.
Anne W., so die Anklageschrift, habe Gegenstände vom Tresen gefegt und die Arzthelferin schließlich körperlich attackiert und in die Hand gebissen. Dabei soll Anne W. die Praxisangestellte nicht nur mit übelsten – und hier nicht zitierfähigen – Ausdrücken beschimpft, sondern ihr schließlich auch entgegengeschrien haben: „Ich hoffe, du verreckst an Corona!“
Patientin beißt 
An den Biss könne sie sich nicht erinnern, so die Beschuldigte, aber ja, nachdem Diana B. einen Spruch habe fallen lassen, „wollte ich der eine knallen“ – geschafft habe sie das aber nicht.
Auch Diana B. schilderte, im Zeugenstand, den eskalierten Streit. Anne W. sei von Anfang an „relativ aggressiv gewesen“. Sie, Diana B., habe versucht, ihr die Sache mit der Maskenpflicht zu erklären – ohne Erfolg. Als die Diskussion dann immer hitziger wurde, habe sie sich dazu hinreißen lassen, die Patientin zu fragen, ob sie „einen an der Waffel“ habe. Und ja, das sei nicht richtig gewesen.
Anne W. habe dann den Anmeldetresen umrundet und sei auf sie „draufgesprungen“. Die Arzthelferin hob abwehrend Beine und Arme und dabei habe die Angeklagte wohl ihre „Hand gekriegt und reingebissen.“ Sie habe Handschuhe getragen, erklärte das Opfer der Attacke, und eine richtige Verletzung habe es nicht gegeben. An der Hand sei aber der Abdruck der Zähne zu sehen gewesen.
Die Situation ist auch für mich total schwierig, weil ich mich so nicht kenne.
Anne W.

Angeklagte schimpft und beißt

„Die Situation ist auch für mich total schwierig, weil ich mich so nicht kenne“, so Anne W. jetzt im Gerichtssaal über den damaligen Tag. „Dieser ganze Corona-Mist belastet Sie?“, probierte Richter Tim Hartmann an eine Erklärung für das Geschehene zu kommen. „Jein“, so die 40-Jährige. Sie sei einfach nicht auf das alles vorbereitet gewesen: „Das war alles zu viel für mich.“ Sie frage sich, warum da nicht mal jemand zu ihr gekommen und sie beruhigt habe. Für ihr Verhalten habe sie sich inzwischen entschuldigt.

Richter Hartmann warf danach einen Blick in die Runde und konstatierte bei den „Herren in Schwarz“ ein so langes wie vielsagendes Schweigen. Eines von der Art, das er in Richtung „Nachdenken über Einstellung“ interpretierte. Keine richtige Verletzung, die Entschuldigung, null Vorstrafen im Bundeszentralregister von Anne W. – das ließ Tim Hartmann dann auch zum Vorschlag mit dem „153 a“, also der Einstellung gegen Auflage kommen. 300 Euro muss die Herdorferin nun zahlen – an den Förderverein des Zoos Neuwied.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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