SZ

Sommerschule hat begonnen
Pauken in den Ferien

Im Klassenzimmer: Tobias Gerhardus, Hans-Christian Spengler, Joachim Langhauser, Carsten Poppe und Julian Schröder (v. l.). Foto: dach
  • Im Klassenzimmer: Tobias Gerhardus, Hans-Christian Spengler, Joachim Langhauser, Carsten Poppe und Julian Schröder (v. l.). Foto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Betzdorf. Begeisterung, das muss man fairerweise an dieser Stelle erwähnen, Begeisterung sieht bisweilen anders aus: Für viele Kinder hat am Montag die Sommerschule begonnen, um etwaige Lücken im Lernstoff zu füllen. Corona lässt grüßen.

Die SZ schaute kurz im Klassenzimmer am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Betzdorf vorbei. „Ich fand’s bisher ganz okay“, sagt eines der Mädchen auf Nachfrage, wenn auch nicht gerade vor Elan sprühend. Doch Hans-Christian Spengler weiß die Einschätzung zu nehmen: „Das ist fast wie ein Oscar.“ Denn schließlich sitzen hier gerade Siebt- und Achtklässler vor ihm, die auch die letzten beiden Wochen der großen Ferien durchaus anders verbringen könnten: mit einem spannenden Buch, am Smartphone oder Eis essend mit Freunden.

dach Betzdorf. Begeisterung, das muss man fairerweise an dieser Stelle erwähnen, Begeisterung sieht bisweilen anders aus: Für viele Kinder hat am Montag die Sommerschule begonnen, um etwaige Lücken im Lernstoff zu füllen. Corona lässt grüßen.

Die SZ schaute kurz im Klassenzimmer am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Betzdorf vorbei. „Ich fand’s bisher ganz okay“, sagt eines der Mädchen auf Nachfrage, wenn auch nicht gerade vor Elan sprühend. Doch Hans-Christian Spengler weiß die Einschätzung zu nehmen: „Das ist fast wie ein Oscar.“ Denn schließlich sitzen hier gerade Siebt- und Achtklässler vor ihm, die auch die letzten beiden Wochen der großen Ferien durchaus anders verbringen könnten: mit einem spannenden Buch, am Smartphone oder Eis essend mit Freunden.

Aber es hilft nichts: Der teils lange Ausfall an Präsenzunterricht hat zwar noch lange nicht jedem bildungsmäßig geschadet, aber dem einen oder der anderen hätte es durchaus gut getan, die Zeit im Klassenzimmer zu verbringen.

Dass diese Sommerschule im Gymnasium stattfindet, bedeutet nicht, dass hier ausnahmslos Gymnasiasten sitzen würden. Es wurden vielmehr kreisweit vier Lernorte festgelegt (für die weiterführenden Schulen), in Betzdorf ist dabei am meisten los. 56 Mädchen und Jungen von der 5. bis zur 8. Klasse machen hier jeweils eine Woche „Überstunden“. In Daaden sind’s neun, in Altenkirchen 20 und in Hamm 29. Bei einer ersten „losen“ Abfrage hatte es zunächst rund 250 Interessensbekundungen gegeben. Etwa 11 500 Mädchen und Jungen besuchen eine weiterführende Schule im Kreis Altenkirchen.

Es ist das erste Mal, dass die Schulen auch in den Ferien als Lernstätten offenstehen, zumindest hat es das lange Zeit nicht gegeben. „Ich bin jetzt über 30 Jahre hier und habe das noch nie erlebt“, sagt Joachim Langhauser. Der kommissarische Schulleiter schaut gemeinsam mit seinem Stellvertreter Carsten Poppe und dem zuständigen Kreisbeigeordneten Tobias Gerhardus sowie Julian Schröder von der Kreisverwaltung bei Schülern und Lehrkräften vorbei. Diejenigen, die an den Pulten sitzen oder stehen, sind dabei entweder ausgebildete Lehrer, Studenten oder manchmal auch Oberstufenschüler. 54 sind’s im gesamten AK-Land – allerdings auch in den Grundschulen eingesetzt.

In erster Linie geht es um Kenntnisse in Deutsche und Mathematik. Warum? „Das sind zwei Basisfächer, auf deren Inhalten vieles aufbaut“, so Langhauser. Dabei wähnt sich das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium selbst ordentlich durch das vergangene Schulhalbjahr gekommen zu sein. „Wir denken, dass wir insgesamt sehr gut gefahren sind“, sagt der derzeitige Schul-Chef – und meint damit auch die digitale Umsetzung des Fernunterrichts samt eigener Cloud. „Wir haben sehr viele positive Rückmeldungen bekommen.“

Aber genau dort gelangt man wieder an den Punkt, an dem eben nicht jeder Schüler gleichermaßen vom Lernstoff profitiert hat. „Das hat was mit dem Elternhaus zu tun und auch mit der technischen Ausstattung“, lautet die Einschätzung von Carsten Poppe. Und: „Das ist auch eine Typfrage.“ Das Lernen per digitaler Plattform fordere ein hohes Maß an Eigenorganisation. „Das hat nicht jeder.“

Die Lehrkräfte der Sommerschule bezahlt das Land Rheinland-Pfalz. Dass es aber nicht immer so richtig klappt mit den Vorstellungen der „großen Politik“, vor allem auf dem Schulsektor, möchte Tobias Gerhardus festgehalten wissen. „Einfach nur Geld ins Digitale schießen, das funktioniert nicht so einfach.“ Denn Digitaltechnik sei für viele eben doch Neuland, greift er ein Zitat von Angela Merkel auf, für das die Kanzlerin vor allem von jüngeren Generationen viel Hohn und Spott erntete. Nicht jede Familie könne gerade mal 500 Euro für ein Tablet lockermachen, und mit der Soforthilfe aus dem Digitalpakt Schule könne man eben nicht jedem Schüler ein Gerät zur Verfügung stellen. Und außerdem müsse dafür erst einmal in jeder Schule die digitale Infrastruktur bereitstehen. Für Gerhardus ist jedenfalls eines klar: „Das Thema wird uns noch einholen.“

Und was machen Lehrer und Schüler jetzt genau während der Sommerschule? „Die Kinder bringen mit, was ihnen auf den Nägeln brennt“, sagt Hans-Christian Spengler, selbst Konrektor an der Westerwaldschule. Das war in diesem Falle aber nicht allzu viel, also ging es gleich mal in medias res, und zwar mit einer Textanalyse. Auf jeden Fall soll es auch noch Rechtschreibtraining geben.

Den Part mit den Zahlen gab Spengler aber gerne ab. Luisa Hollmann kümmerte sich parallel in einem anderen Raum um Flächenberechnungen und Prozentrechnung. Sie liegt in den letzten Zügen ihres Studiums und steht kurz vor dem Referendariat. „Bisher sind alle gut motiviert“, sagt sie. Und bei Lehrer Spengler geschieht beinahe zeitgleich eine Art Ritterschlag. Denn eine Schülerin sagt: „Ich hab’ schon was gelernt.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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