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Mehrere Ansitze zerstört
Perfide Perfektion im Wald

Wer so etwas macht, muss im wahrsten Sinne des Wortes eine gehörige Portion kriminelle Energie aufbringen. Allein der Weg zu diesem zerstörten Hochsitz war schon beschwerlich.
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  • Wer so etwas macht, muss im wahrsten Sinne des Wortes eine gehörige Portion kriminelle Energie aufbringen. Allein der Weg zu diesem zerstörten Hochsitz war schon beschwerlich.
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Bruche/Scheuerfeld. Wer zu einem Spaziergang oder einer Radfahrt in die heimischen Wälder aufbricht, hat unter Umständen ein Fernglas dabei, vielleicht auch Butterbrot und Wasserflasche oder eine Regenjacke. Die Allerwenigsten dürften sich mit einem Arsenal an Inbus-Schlüsseln oder einem Ziegenfuß auf den Weg machen. Warum auch?

Diese Frage stellt sich indes nur denjenigen, die nichts Böses im Schilde führen und einfach die Natur genießen wollen. Dass es auch einen anderen Personenkreis gibt, zeigt sich im Gebiet der Haubergsgenossenschaft Bruche-Scheuerfeld bzw. im dortigen Jagdrevier. Dort ist es in den vergangenen Tagen zu einer kleinen Zerstörungsorgie an Ansitzen gekommen. Und auch in den Nachbarrevieren, u. a. in Wallmenroth, greift der Vandalismus immer mehr um sich.

thor Bruche/Scheuerfeld. Wer zu einem Spaziergang oder einer Radfahrt in die heimischen Wälder aufbricht, hat unter Umständen ein Fernglas dabei, vielleicht auch Butterbrot und Wasserflasche oder eine Regenjacke. Die Allerwenigsten dürften sich mit einem Arsenal an Inbus-Schlüsseln oder einem Ziegenfuß auf den Weg machen. Warum auch?

Diese Frage stellt sich indes nur denjenigen, die nichts Böses im Schilde führen und einfach die Natur genießen wollen. Dass es auch einen anderen Personenkreis gibt, zeigt sich im Gebiet der Haubergsgenossenschaft Bruche-Scheuerfeld bzw. im dortigen Jagdrevier. Dort ist es in den vergangenen Tagen zu einer kleinen Zerstörungsorgie an Ansitzen gekommen. Und auch in den Nachbarrevieren, u. a. in Wallmenroth, greift der Vandalismus immer mehr um sich.

Dabei handelt es sich nicht um die klassischen Dumme-Jungen-Streiche oder um spontane Aktionen, hier wird sehr gezielt und systematisch vorgegangen. Mit einer nahezu perfiden Perfektion. Dann so muss man es angesichts der Schilderungen von Stefan Betz (Jagdrevier Wallmenroth) nennen: Er berichtet von Fällen, bei denen Leiter-Sprossen fein säuberlich von hinten angesägt wurden: „Da hört es ganz einfach auf.“ Keine Frage: Wer so etwas macht, spielt wissentlich mit Leib und Leben von Menschen.

Am Sonntag Morgen hatten sich zahlreiche Jäger und Vertreter der Haubergsgenossen an einem der Tatorte versammelt. In der Gemarkung „Taubenstock“, in unmittelbarer Nähe des Natursteigs Sieg, der hier von Mittelhof bis Scheuerfeld verläuft, wurde ein mobiler Ansitz mit einem Metall-Unterbau umgeworfen. Die Täter hatten akribisch jede einzelne Schraube gelöst, um die Leiter zu demontieren, die fester Teil der Statik war. 200 Meter von dieser Stelle entfernt, in einem deutlich unwegsameren Gelände, war ein Ansitz ausgehebelt worden – hier ist nichts mehr zu reparieren. An einem weiteren mobilen Ansitz wurde die Reifen zerstochen. Das alles muss zwischen Sonntag und Donnerstag vergangener Woche passiert sein.

Haubergsvorsteher Konrad Theis hat in 56 „Amtsjahren“ viel erlebt, aber das nicht: „Solange ich denken kann, wüsste ich nicht, dass Hochsitze so zerstört wurden.“ Seit zwei Monaten, so war zu hören, häuften sich die Fälle.

Nicht nur Peter Klein, Jagdpächter im Revier Bruche/Scheuerfeld, vermutet hinter den Beschädigungen radikale Jagdgegner. Und die müssen über sehr gute Ortskenntnisse verfügen, denn beileibe nicht jeder Ansitz ist von den Waldwegen aus zu sehen. Mit anderen Worten: Der oder die Täter dürften aus der Region kommen.

Was Klein und seine Mitstreiter fast schon traurig stimmt: „Wir sind Bestandteil der Forstwirtschaft und des Naturschutzes“, sagt der Scheuerfelder mit Verweis darauf, dass die Jagd einen entscheidenden Beitrag zum Aufbau vitaler Wälder leiste. Gerade jetzt, wo überall großflächige Einschläge in Folge des Borkenkäfers stattfinden würden.

„Wir stehen vor einer Jahrhundertaufgabe“, betont Klein. 23 000 neue Pflanzen verschiedener Baumarten seien im Revier in den vergangenen Monaten gesetzt worden, um einen zukunftsfähigen Wald aufzubauen. Dafür aber müsse sich der Verbiss durch das Rehwild in Grenzen halten. Insofern schadeten die Täter mit ihren kriminellen Aktionen ihrem eigenen Lebensraum. Nun wird im Revier Bruche/Scheuerfeld nicht jede Nacht geschossen, was die Kaliber hergeben. Der Abschussplan sieht keine 20 Tiere im Jahr vor. Und es gibt hier auch nicht den Arzt aus Düsseldorf oder den Industriellen aus Essen, die im SUV anreisen und sich an zwei Wochenenden im Jahr auf die Lauer legen. Peter Klein hat eine ganze Reihe von Jungjägern unter seinen Fittichen, die alle aus dem AK-Land kommen, einen starken Bezug zur Heimat haben und sich in vielen Bereichen ehrenamtlich engagieren, wie etwa Andreas Mailinger, der stellv. Wehrführer in Scheuerfeld.

Klein kann durchaus nachvollziehen, wenn Menschen Probleme mit dem Töten von Tieren haben. Wenn er selbst im Wald unterwegs ist, vermeidet er – wo immer möglich –, seine Waffen offen zu tragen. Er würde sich aber wünschen, dass die komplexen Zusammenhänge im Wald besser verstanden und bewertet werden. Oftmals scheitert er aber schon daran, wenn er Hundebesitzer höflich auf die Leinenpflicht hinweist (aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte).

Die Jäger und Haubergsgenossen beobachten jedenfalls spätestens seit der Corona-Krise, dass sich der Wald als Freizeitraum wachsender Beliebtheit erfreut. „Mancher nutzt jetzt den Wald, der sonst am Busbahnhof in Betzdorf sitzt“, führt Kleins Gattin Katrin die Entwicklung relativ drastisch vor Augen. Alles kein Problem, wenn sich jeder an die Regeln halte

Die Tatsache, dass derzeit so viele Spaziergänger und Fahrradfahrer unterwegs seien, lässt die Jäger aber gleichzeitig darauf hoffen, dass Hinweise auf die Täter gegeben werden können. Peter Klein will dafür eine Belohnung von 500 Euro aussetzen.

Konrad Theis und sein Beisitzer Günter Schuhen machten  noch einmal deutlich, dass zwischen den Hauberg und die Jägerschaft kein Blatt passt: „Hier gibt es eine große Harmonie.“ Für den Brucher Haubergsvorsteher wäre es besonders fatal, sollte sich herausstellen, dass hier jemand Peter Klein persönlich schaden wolle. Denn er kenne kaum einen anderen Menschen, der so sozial eingestellt sei. Zudem leiste Klein im Wald „vorbildliche Arbeit.“ Daher ist es kein Wunder, wenn Theis für diese Sachbeschädigungen nur einen Kommentar übrig hat: „Pure Dummheit.“

Wer so etwas macht, muss im wahrsten Sinne des Wortes eine gehörige Portion kriminelle Energie aufbringen. Allein der Weg zu diesem zerstörten Hochsitz war schon beschwerlich.
Zahlreiche Jäger aus der Region, von Mittelhof über Steineroth bis Bruche, hatten sich gestern Morgen an einem der jüngsten Tatorte versammelt. Hier hatten die Unbekannten einen mobilen Ansitz von Jagdpächter Peter Klein umgeworfen (vorne, 3.v. l., neben Günter Schuhen und Konrad Theis vom Hauberg).  Fotos: thor
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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