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"Horizontale Gewalt" unter Mitarbeitern
Pflegeberuf kämpft mit verschiedenen Problemen

Das Thema Pflege ist besonders in Zeiten von Corona ein heißes Eisen.

dach Betzdorf. Es ist wahrlich ein heißes Eisen, gerade in Zeiten wie diesen: das Thema Pflege. Für Michael Wäschenbach ist es sogar mehr, steht es doch im Fokus seiner politischen Arbeit. Der Wallmenrother ist schließlich pflegepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Im Vorfeld der Wahl am 14. März hatte er für Freitag eine digitale Gesprächsrunde dazu organisiert.
Mit Andreas Westerfellhaus hatte Wäschenbach einen hochkarätigen Gesprächspartner an Bord geholt. Er ist nicht nur Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege, sondern auf diesem Sektor seit Jahrzehnten beheimatet.

dach Betzdorf. Es ist wahrlich ein heißes Eisen, gerade in Zeiten wie diesen: das Thema Pflege. Für Michael Wäschenbach ist es sogar mehr, steht es doch im Fokus seiner politischen Arbeit. Der Wallmenrother ist schließlich pflegepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Im Vorfeld der Wahl am 14. März hatte er für Freitag eine digitale Gesprächsrunde dazu organisiert.
Mit Andreas Westerfellhaus hatte Wäschenbach einen hochkarätigen Gesprächspartner an Bord geholt. Er ist nicht nur Bevollmächtigter der Bundesregierung für Pflege, sondern auf diesem Sektor seit Jahrzehnten beheimatet. Westerfellhaus hat den Pflegeberuf von der Pike auf gelernt und war bis zu seiner Berufung ins Bundesgesundheitsministerium nicht nur Geschäftsführer der Zentralen Akademie für Berufe im Gesundheitswesen, sondern auch Präsident des Deutschen Pflegerates.

Probleme rücken in den Fokus

Er riss in Windeseile nahezu alle derzeit relevanten Aspekte rund um das Thema an. „Klar“, meinte er, „die Probleme der Pflege waren schon vorher da“, nur seien sie in der Corona-Pandemie „unters Brennglas gerutscht“. Damit meinte er etwa die zunächst mangelnde Schutzausrüstung oder die Frage, wie man in Deutschland generell mit Heimbewohnern umgehe. Die Gruppe der pflegenden Angehörigen nannte er indes den „größten Pflegedienst in Deutschland“.
Letztlich fokussierte sich auch die anschließende Diskussionsrunde aber auf die Arbeitsbedingungen im weitesten Sinne. Damit verbunden war auch die Frage nach einer Pflegereform und einem entsprechenden Gesetz. Westerfellhaus berichtete, dass ein Referentenentwurf gerade in der Abstimmung unter den Ministerien sei.

30 Prozent brechen Ausbildung ab

Bei der Debatte um den Arbeitsmarkt in der Pflege sei „die Frage der Ausbildung exorbitant“. Immerhin: Durch die Zusammenführung der Ausbildung von Kranken- und Altenpflegern seien 60.000 Auszubildende hinzugekommen. Allerdings betrage die Abbrecherquote rund 30 Prozent. Ja, in puncto Personal seien grundlegend neue Strukturen vonnöten, aber das scheitere manchmal schon im Ansatz. Als Beispiel nannte er die Definition des Pflegeassistenten. Jedes Bundesland lege hier andere Kriterien fest, einen gemeinsamer Lehrplan habe man bislang nicht erreichen können. Ähnlich sehe dies bei der Anerkennung von Abschlüssen von Zuwanderern aus.

Digitalisierung große Baustelle

Und auch in der Digitalisierung der Pflege sieht der Staatssekretär eine große Baustelle. Es könne doch nicht sein, dass in Pflegeheimen pro Quartal ein Mitarbeiter mit sämtlichen Krankenkassenkarten der Bewohner beim Hausarzt aufschlage, um diese einlesen zu lassen. Auch eine Erfassung des Berufsstands an sich gebe es nicht. „Wir wissen nicht, wie viele Pflegefachkräfte wir in Deutschland haben.“

Rahmenbedingungen in der Pflege ändern

Michael Wäschenbach setzte einen anderen Schwerpunkt: „Wir brauchen eine bessere Entlohnung.“ Es müsse ein Flächentarifvertrag her, mit dem die Verdienste deutlich angehoben werden – vor allem im Vergleich zu anderen Berufsgruppen. „Ich nenne mal das Wort Ingenieur“, so der Landtagsabgeordnete. Ähnlich sah das auch Jörn Simon, Leiter der rheinland-pfälzischen Landesvertretung der Techniker Krankenkasse: „Zu viele Leute verlassen die Pflege, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen.“
Corinna Kronsteiner-Buschmann, Leiterin der Pflegeschule am Hachenburger Krankenhaus, pflichtete ihm bei. Ja, in der Pflege werde mehr Geld benötigt. Aber: „Wir brauchen auch Menschen, die das tun möchten.“ Die Arbeitsbedingungen generell müssten sich ändern. Es könne nicht sein, dass Kollegen sich auf Teilzeitstellen zurückzögen (und damit auf Geld verzichteten), nur um dem Druck der täglichen Arbeit auszuweichen.

Burnouts keine Seltenheit

Monja Schünemann, unter anderem Bloggerin („Pflegephilosophie – Bock auf Gedanken?“), machte ein gänzlich anderes Fass auf. Sie sprach von „horizontaler Gewalt“ unter Pflegekräften. Dieses Phänomen sei auch unter dem Begriff „nurses eat their young“ bekannt, also dass Pflegekräfte Neuankömmlinge im Beruf alles andere als kollegial behandelten. „Es wird irgendjemand gesucht, auf den man treten kann“, so Schünemann. Das führe nicht selten zu Burnouts. Michael Wäschenbach zeigte sich erschüttert ob dieser Darstellung. Andreas Westerfellhaus konstatierte: „Ja, solche Dinge erreichen mich.“ Allerdings gebe es auf diesem Gebiet kaum belastbare Daten.
Wäschenbach war eingangs des Gesprächs nicht umhingekommen, einige Worte zu Kirchens verstorbenem Bürgermeister zu verlieren. Wegen des Trauerfalls hatte er diesen Wahlkampftermin zunächst verschoben. Maik Köhler sei mit den Pflegeeinrichtungen in der Verbandsgemeinde Kirchen eng verbunden gewesen, so der CDU-Kreisvorsitzende. Und: „Die Ausbildung an der Pflegeschule in Kirchen lag ihm besonders am Herzen.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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