Polizei meldet: Weniger Unfälle im Oberkreis

Unfallstatistik für 2003 vorgelegt / In Betzdorf macht sich offenbar die Analyse bezahlt / Präventiv-Arbeit immer wichtiger

damo Betzdorf. 9237 Mal mussten die Polizisten der Direktion Neuwied im vergangenen Jahr zu Verkehrsunfällen ausrücken – und damit genau 176 Mal häufiger als im Jahr zuvor. Aber eine positive Nachricht kommt aus Betzdorf: Wo die Beamten der Polizeiinspektion Betzdorf für die Verkehrssicherheit sorgen, hat sich die Unfallzahl um 6,6 Prozent reduziert. Zufall ist das nicht, wie ein SZ-Anruf in der PI Betzdorf ergab. Die Beamten setzen sich nämlich detailliert mit den Unfällen auseinander, betreiben Ursachenforschung, leiten Regelmäßigkeiten ab und greifen schließlich ein.

Das Ergebnis gibt der PI Betzdorf Recht: Die Unfallzahl für das Jahr 2003 liegt mit 1761 so niedrig wie seit 1996 nicht mehr; und während andere Dienststellen sogar mehr als 10-prozentige Steigerungen melden müssen, fällt die Zahl in Betzdorf kontinuierlich.

Weniger Unfälle? Dabei sind doch immer mehr Autos auf den Straßen unterwegs, mit all den unfallträchtigen Auswirkungen wie Stopp-and-go und immer kleineren Lücken. Also: Mehr Autos verursachen doch zwangsläufig mehr Crashs, oder? »Nein«, sagt Gerhard Rosenthal von der PI Betzdorf, »so einfach ist das nicht.« Es sei zwar richtig, dass das Verkehrsaufkommen zugenommen hat – aber gleichzeitig seien Autos sicherer geworden: Ein Auto mit ABS kommt im Regelfall schneller zum Stillstand als ein 15 Jahre alter Wagen mit Trommelbremsen.

Die zunehmend sicheren Autos alleine können die guten Ergebnisse der Polizei in Betzdorf allerdings nicht erklären – schließlich entwickelt sich die Statistik der Betzdorfer ja gegen den negativen Trend. Rosenthal hat aber ein anderes Erklärungsmodell parat: die Unfalltypen-Steckkarte. Auf einer riesigen Straßenkarte des Einsatzbereichs der PI Betzdorf werden sämtliche Unfälle markiert. Nach und nach fängt die Karte dann an zu erzählen: »Spätestens beim zweiten oder dritten Unfall an einer Stelle werden wir aufmerksam«, berichtet Rosenthal.

Aufmerksam werden heißt: die Unfallstelle vor Ort kritisch überprüfen. Stimmt die Beschilderung? Wäre ein Tempolimit ratsam? Versperrt ein Busch die Sicht? Ein Beispiel aus der Praxis: Zwischen Friesenhagen und Gerndorferhöhe ereigneten sich binnen kurzer Zeit einige schwere Motorradunfälle. Die Stecknadeln auf der Straßenkarte im Polizei-Büro drängten sich, die Beamten fuhren zum Ort des Geschehens – und bemerkten, dass ein Strauch gewachsen war und die Sicht auf die Fahrbahn verdeckte. »Da haben die Motorradfahrer die Kurve unterschätzt«, berichtet Rosenthal. Der Busch wurde gekappt, zusätzlich wurden einige Warnschilder aufgestellt – seitdem ist kein Motorradfahrer mehr gestürzt.

Die schweren Unfälle ereignen sich meist außerorts: »Da sind die Leute oft zu schnell unterwegs«, erklärt Rosenthal. Sobald die Polizei aber eine »Einflugschneise« ausmacht, kommen Radargerät oder Laserpistole zum Einsatz. »Das spricht sich herum, und so passen die Autofahrer ihren Fahrstil nach und nach an.« Und wenn die Karte dann doch einen Unfallschwerpunkt ausweist, rückt die Polizei eben aus. Mit im Boot sitzen dann laut Rosenthal oft das Ordnungsamt und die Straßenmeisterei – »und dann erkennen wir zu 99 Prozent, warum es gerade an dieser Stelle gehäuft zu Unfällen kommt«.

Neben der Karte, auf der über mehrere Jahre die schweren Unfälle vermerkt werden, hängt eine zweite: Dort wird jeder Unfall festgehalten – auch jeder noch so kleine Blechschaden. So zeigt sich, dass es immer wieder die gleichen Kreuzungsbereiche sind, in denen die Autofahrer sich die Vorfahrt nehmen oder auf andere Wagen auffahren. Häufig scheppert es zum Beispiel am Einmündungsbereich Friedrichstraße/Steinerother Straße in Betzdorf, an der Abzweigung zum Industriegebiet Bruche, dem Kirchener Südknoten oder am Struthof.

Neben der gesunkenen Gesamtzahl an Unfällen im heimischen Oberkreis fällt in der Neuwieder Unfall-Statistik auf, dass immer mehr Personen zu Schaden kommen. So sind im vergangenen Jahr neun Menschen auf den Straßen im Kreisgebiet ums Leben gekommen – immerhin ein Todesopfer weniger als im Vorjahr. Die Anzahl der (Schwer-)Verletzten hat dagegen deutlich zugenommen.

Alkohol am Steuer bleibt nach wie vor ein Thema, wenngleich die Anzahl von 77 Alkoholunfällen im Landkreis laut Begleittext der Polizeidirektion Neuwied noch »moderat ausgefallen« ist. »Wir gehen sehr offensiv mit dem Thema Alkohol am Steuer um«, berichtete Rosenthal im SZ-Gespräch: »Immer wieder führen wir Alkoholkontrollen durch, und so merkt es irgendwann auch der letzte Fahrer.« Auch an den Karnevalstagen werden die Betzdorfer Polizisten wieder verstärkt testen, ob die Karneval-Jecken mit Alkohol im Blut durch die Nacht düsen.

Einen deutlichen Zuwachs weist die Statistik bei den Unfällen aus, bei denen die Fahrer unter Drogeneinwirkung hinter dem Lenkrad saßen. Dieser generelle Trend ist aber leicht erklärt: »Die Beamten werden speziell geschult, und es gibt schnelle Testverfahren«, meint Rosenthal. Somit liege nahe, dass nicht etwa mehr Menschen »stoned« fahren, sondern die Drogen-Fahrer der Polizei eher ins Netz gehen. Überdurchschnittlich häufig fallen junge Menschen wegen ihres Drogenkonsums auf, berichtet Rosenthal weiter.

Zum Abschluss noch zwei gute Nachrichten: Im vergangenen Jahr ist im Landkreis Altenkirchen kein Kind im Straßenverkehr tödlich verunglückt. Und dass immerhin ein Drittel aller Unfallfluchten aufgeklärt werden, dürfte den Großteil der Autofahrer wohl auch freuen…

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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