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Drogen-Duo vor Gericht - Dritter im Bunde nicht aufgetaucht
Porsche-Oldtimer gestohlen und kleingeflext

Zwei der drei Beschuldigten erschienen am Amtsgericht in Betzdorf, der dritte zog es vor nicht aufzutauchen. Sie sollen einen alten, aber teuren Porsche gestohlen und letzlich kleingeflext haben.
  • Zwei der drei Beschuldigten erschienen am Amtsgericht in Betzdorf, der dritte zog es vor nicht aufzutauchen. Sie sollen einen alten, aber teuren Porsche gestohlen und letzlich kleingeflext haben.
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Betzdorf. Der Ölklappen-Targa muss sowas wie das Haselhuhn der Oldtimer-Szene sein. „Das ist so ziemlich das Seltenste, was man kriegen kann“, lautete am Mittwoch die Einschätzung von Porsche-Experte Roland B. (alle Namen geändert). Er saß währenddessen im Zeugenstand von Saal 508 im Betzdorfer Amtsgericht. Denn vom Gelände seines Kfz-Betriebs, irgendwo im AK-Land, war im April 2019 ein solcher Porsche S 2,4 Targa gestohlen worden. Und zwar von einem Trio, das dabei unter reichlich Drogeneinfluss gestanden hat.

Daher hätten eigentlich Adam A., Danny D. und Birger B. auf der Anklagebank Platz nehmen sollen. Adam A. zog es allerdings vor, nicht vor dem Kadi zu erscheinen, und so verhandelte Richterin Melanie Neeb mit ihren Schöffen schließlich nur gegen das „Rest-Duo.

dach Betzdorf. Der Ölklappen-Targa muss sowas wie das Haselhuhn der Oldtimer-Szene sein. „Das ist so ziemlich das Seltenste, was man kriegen kann“, lautete am Mittwoch die Einschätzung von Porsche-Experte Roland B. (alle Namen geändert). Er saß währenddessen im Zeugenstand von Saal 508 im Betzdorfer Amtsgericht. Denn vom Gelände seines Kfz-Betriebs, irgendwo im AK-Land, war im April 2019 ein solcher Porsche S 2,4 Targa gestohlen worden. Und zwar von einem Trio, das dabei unter reichlich Drogeneinfluss gestanden hat.

Daher hätten eigentlich Adam A., Danny D. und Birger B. auf der Anklagebank Platz nehmen sollen. Adam A. zog es allerdings vor, nicht vor dem Kadi zu erscheinen, und so verhandelte Richterin Melanie Neeb mit ihren Schöffen schließlich nur gegen das „Rest-Duo.“

Beide gaben unumwunden zu, sich den Porsche unter den Nagel gerissen zu haben. Was das Auto offenbar besonders machte, war nicht nur die starke Motorisierung, sondern auch das Baujahr: 1972. Denn nur für eine kurze Zeit haben die Zuffenhausener laut Roland B. dieses Modell mit einer außenliegenden Ölklappe ausgestattet. Entsprechend selten und auch begehrt seien solche Fahrzeuge in Sammlerkreisen.

Der eigentliche Eigentümer hatte Vorbesitzer Roland B. 49 000 Euro gezahlt – für ein völlig „verbautes“ Auto, an dem Karosserieteile montiert gewesen seien, die nicht zum Originalzustand gepasst hätten. Außerdem war der Wagen nicht fahrbereit, das Interieur in einem schlechten Zustand. Für einen perfekt restaurierten Ölklappen-Targa zahlten Enthusiasten hingegen 180 000 bis 250 000 Euro, so der Eigentümer. Von seiner Versicherung bekam er summa summarum 42 000 Euro.

Denn von dem Traumwagen ist wirklich nichts übrig geblieben. Oder wie es Roland B. ausdrückte: „Es ist völlig irre, so ein Auto kleinzuflexen.“ Denn genau das ist am Ende geschehen.

Das Drogen-Trio hatte sich, zumindest schilderten es Danny D. und Birger B. es so, nachts Zugang zum Firmengelände verschafft und den Porsche über die kleinste Kante der Grundstücksbegrenzung geschoben. Dafür hatten sie einen Bordstein mit Hölzern unterlegt.

Anschließend hängten sie den Oldtimer an eine Abschleppstange und zogen ihn mit einem anderen Auto in die Garage von Adam A., der offenbar einen Meisterbrief als Kfz-Mechaniker sein Eigen nennt.

Der Plan war den Schilderungen der Angeklagten zufolge, die Einzelteile des Wagens im Internet zu versteigern. Über eine Kleinanzeige sei dann der Kontakt zu einem Österreicher zustande gekommen, so Birger B. Der habe einen ganzen Schwung Material gegen die Zahlung von 7800 Euro mitgenommen.

Weiter reichte die Vermarktung allerdings nicht. Denn der Vermieter von Adam A. habe den Porsche in der Garage entdeckt – und ihm muss geschwant haben, dass dies nicht mit rechten Dingen zugeht. Denn er habe den Männern mit der Polizei gedroht.

Da griffen Adam A. und Birger B. zu Flex und Säge, zerlegten den Rest des Sportwagens in Einzelteile und schmissen die Fragmente in den Wald – „in Panik“, wie Birger B. sagte. Denn beide waren zu dieser Zeit ständig „drauf“, haben jeden Tag Amphetamin, Ecstasy und Marihuana genommen. Er selbst habe kurz zuvor erneut einen Rückfall erlebt, sein Drogenkonsum sei damals „so schlimm wie noch nie“ gewesen. Der Alltag von Danny D. sah demnach ganz ähnlich aus. Zum Zeitpunkt des Diebstahls sei er bereits zehn Tage am Stück wach gewesen.

Ihre bisherigen Lebensgeschichten passten ins Bild: Danny D. (33 Jahre) hat drei Kinder von zwei Frauen, Birger B. (32) vier von zweien. Keiner von beiden hat einen Beruf erlernt. Beide hatten früh mit Drogen angefangen, beide brachten reichlich Vorstrafen mit in den Gerichtssaal.

Birger B. stand zum Zeitpunkt des Porsche-Diebstahls unter doppelter laufender Bewährung, Danny D. hatte sich um zuletzt erteilte Auflagen nicht geschert, hatte beispielsweise weder Kontakt mit einem Bewährungshelfer gehalten noch die angeordneten Drogentests durchlaufen. Das führte dazu, dass beide Freiheitsstrafen „kassierten“, die eben nicht mehr zu Bewährung ausgesetzt wurden: Danny D. muss ein Jahr und elf Monate in Haft (mit einem vorangegangenen Urteil wurde eine Gesamtstrafe gebildet), Birger B. für eineinhalb Jahre.

Dabei attestierten Neeb und ihre Schöffen beiden Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit bzw. dass die Tat aus einer Drogenabhängigkeit heraus begangen worden sei. Die Geständnisse wirkten sich ebenso positiv aus wie die Tatsache, dass Danny D. in die Aktion eher zufällig reingeschlittert war (den Plan hatten die anderen beiden ausgeheckt – und auch das Geld eingesteckt) und dass Birger B. sich derzeit in einer Hilfeeinrichtung für Drogenabhängige befindet.

Doch das reichte nicht für eine Strafaussetzung zur Bewährung, obwohl das Strafmaß dies hergegeben hätte. Denn eine positive Sozialprognose, die es dafür ebenfalls bräuchte, „konnten wir uns nicht aus den Rippen schneiden“, so Melanie Neeb über die Beratung im Richterzimmer. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Adam A. wird der Prozess zu einem späteren Zeitpunkt separat gemacht.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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