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Betzdorfer Schulbibliothek
Proteste haben sich gelohnt

Vor der Kreisverwaltung wartete das "Empfangskomitee" des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums auf die Politiker, wie hier Michael Wäschenbach.
  • Vor der Kreisverwaltung wartete das "Empfangskomitee" des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums auf die Politiker, wie hier Michael Wäschenbach.
  • Foto: goeb
  • hochgeladen von Nadine Buderath (Redakteurin)

goeb Altenkirchen. Hannah Strunk, Adelina Nazarenus und Colin Haubrich als Sprecher des rund 40 Personen umfassenden „Begrüßungskomitees“ des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Betzdorf/Kirchen vor dem Haupteingang der Kreisverwaltung waren sich am Montagnachmittag einig. „Wir ziehen das hier durch.“

Ob sie damit auch die vollen vier Stunden der Sitzung des Kreistags meinten, war ihnen zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht ganz klar. Auf alle Fälle wollten sie bis zum Schluss für ihre „Bibo“ kämpfen.

Mit Straßendemo, „Politikern-die-Bude-einrennen“ und einer Serie teils gepfefferter Leserbriefe in den Zeitungen hatten sie bereits eine beachtliche Ouvertüre hingelegt. Montag also ging es in die Entscheidung. Auch einige Schuleltern und Lehrer waren mit von der Partie.

goeb Altenkirchen. Hannah Strunk, Adelina Nazarenus und Colin Haubrich als Sprecher des rund 40 Personen umfassenden „Begrüßungskomitees“ des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums Betzdorf/Kirchen vor dem Haupteingang der Kreisverwaltung waren sich am Montagnachmittag einig. „Wir ziehen das hier durch.“

Ob sie damit auch die vollen vier Stunden der Sitzung des Kreistags meinten, war ihnen zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch nicht ganz klar. Auf alle Fälle wollten sie bis zum Schluss für ihre „Bibo“ kämpfen.

Mit Straßendemo, „Politikern-die-Bude-einrennen“ und einer Serie teils gepfefferter Leserbriefe in den Zeitungen hatten sie bereits eine beachtliche Ouvertüre hingelegt. Montag also ging es in die Entscheidung. Auch einige Schuleltern und Lehrer waren mit von der Partie.

Wenn im Kreistag strittige Themen diskutiert werden, verstreichen schon mal etliche Stunden am Stück. So war es auch am Montag, wo sich fast alles um zwei Aspekte drehte: Wie sieht die Zukunft der Personalausstattung der Schulbibliotheken aus und wie hoch darf die Kreisumlage im Rahmen der Verabschiedung des Haushaltsplanentwurfs 2020 ausfallen?

Und da jetzt sieben Fraktionen im Kreistag sind, und ein ziemlicher Schlagabtausch zu erwarten war, wurde irgendwann deutlich, dass die ehrgeizige Tagesordnung nicht mehr zu schaffen sein würde, sodass die letzten zehn Punkte in den Kreisausschuss verwiesen wurden.

Zur Freude der vielen Zuschauer auf der Tribüne wurde auch die Frage der Schulbibliothek(en) aus dem Haushaltsentwurf 2020 herausgelöst und in diesen besagten Ausschuss zurückverwiesen.

Landrat Dr. Peter Enders betonte, dass es ihm auch um die Bibliotheken der Gesamtschulen mit gehe, auch wenn die nicht die Man-Power der Betzdorfer aufgebracht hatten. Wenn, dann müsse man alle gleich behandeln, fand er.

Hintergrund der zähen Auseinandersetzung ist wieder ein schweres Millionendefizit im Haushalt, das der Kreis mitschleppt. Nach desaströsen 14,2 Mill. Euro „Miesen“ 2019 (Rekord!) sind es 2020 immerhin noch 5,4 Mill. Euro Unterdeckung im Ergebnishaushalt, zudem 2,2 Mill. Euro Fehlbedarf im Finanzhaushalt (1,5-prozentige Erhöhung der Kreisumlage schon eingerechnet).

Deshalb hatte die Verwaltung einen 54 Maßnahmen umfassenden „Folterkatalog“ ausgearbeitet, um sparen zu können (die SZ berichtete ausführlich). Darin enthalten sind sehr viele sog. „freiwillige Leistungen“, wie der Wegfall des Kreisheimattages, die hauptamtliche Betreuung des Kreis-Bergbaumuseums und eben der Schulbibliotheken sowie vieles mehr.

„Die Kreisverwaltung soll ein Konzept erarbeiten, wie die Schulbibliotheken erhalten bleiben“, forderte SPD-Fraktionssprecher Andreas Hundhausen und teilte vorsorglich gegen die CDU-Frontmänner Dr. Josef Rosenbauer und Michael Wäschenbach aus, die von einem „Bibliotheks-Gipfel“ gesprochen hatten. „Wir brauchen keine Show-Veranstaltung“, giftete er.

Kevin Lenz übernahm für die Bündnis-Grünen das Mikro. Er warf der CDU vor, sie reiche das Thema weiter an das Land, das sei für die Bildung zuständig. Er rügte, dass sich die CDU bei der früheren Abstimmung enthalten habe.

Nur die Grünen seien gegen den Wegfall der hauptamtlichen Mitarbeiter gewesen. „Bibliotheken sind ungeheuer wichtig“, stritt er. Die Pisa-Studie belege abnehmende Lesekompetenzen bei Schülern, Professoren beklagten die mangelnden Fähigkeiten der Studenten bei der Literaturrecherche.

„Etwas mehr Sachlichkeit“ forderte Hubert Wagner (FWG). Er war eher auf CDU-Linie und kritisierte das Land, das klar den Bildungsauftrag besitze, sich aber komplett zurückziehe. „Wer ist für Bildungspolitik zuständig?“, wollte er wissen. „Kreis oder Land?“ Und: „Wie halten andere, nicht hauptamtlich betreute Bibliotheken ihren Betrieb aufrecht?“

„Ja, das Land ist zuständig, aber wir sind mit verantwortlich“, vermittelte Frank Rüther, der Sprecher der AfD-Fraktion. Ihm sei die Bücherei-Thematik durch seine beiden schulpflichtigen Töchter sehr präsent. Auch Udo Piske (FDP) gab sein Einverständnis, mit dem Bibliotheksthema im Kreisausschuss noch einmal auf Anfang zu gehen.

Dr. Dominik Düber (Linke) wunderte sich über einige „Umfaller-Fraktionen“. Er brach eine Lanze für die drittstärkste Kraft im Kreistag. „Wirklich dagegen waren nur die Grünen.“ Wenn man sich die Wortbeiträge heute so anhöre, könne man ein ganz anderes Bild von der Situation bekommen, frotzelte er.

Der Landrat fasste das Meinungsbild als klare Willensbekundung auf, im Kreisausschuss neu zu überlegen, wie die Bibliotheken eine Zukunft haben könnten. Einstimmig wurde der Punkt schließlich dorthin verwiesen.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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