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Urteil im "Rolex-Prozess": Drei Jahre Haft für 23-Jährigen
Rabiate Selbstjustiz geübt

Die Anklage forderte sieben Jahre Haft, die Kammer kam zu einem sehr viel milderen Urteil: Ein 23-Jähriger muss für drei Jahre ins Gefängnis, nachdem er den Verkäufer einer falschen Luxusuhr attackiert hatte.
  • Die Anklage forderte sieben Jahre Haft, die Kammer kam zu einem sehr viel milderen Urteil: Ein 23-Jähriger muss für drei Jahre ins Gefängnis, nachdem er den Verkäufer einer falschen Luxusuhr attackiert hatte.
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nb Betzdorf/Koblenz. Die Anklage sprach von minutiös geplanter, brutaler Selbstjustiz: Ein 23-Jähriger, der nach dem Kauf einer falschen Rolex den Verkäufer mit einem Schlagring attackiert hat, muss drei Jahre ins Gefängnis.

Versuchte Nötigung und Bedrohung sowie gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz – dieses Tat-Paket sah die 6. Strafkammer des Landgerichts Koblenz nach der zweitägigen Hauptverhandlung als erwiesen an. Der Tatvorwurf des schweren Raubes wurde hingegen fallengelassen.

Der Vorsitzende Richter Andreas Bendel sprach am Donnerstag von einem „Angeklagten, der zwei Gesichter zu haben scheint.

nb Betzdorf/Koblenz. Die Anklage sprach von minutiös geplanter, brutaler Selbstjustiz: Ein 23-Jähriger, der nach dem Kauf einer falschen Rolex den Verkäufer mit einem Schlagring attackiert hat, muss drei Jahre ins Gefängnis.

Versuchte Nötigung und Bedrohung sowie gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz – dieses Tat-Paket sah die 6. Strafkammer des Landgerichts Koblenz nach der zweitägigen Hauptverhandlung als erwiesen an. Der Tatvorwurf des schweren Raubes wurde hingegen fallengelassen.

Der Vorsitzende Richter Andreas Bendel sprach am Donnerstag von einem „Angeklagten, der zwei Gesichter zu haben scheint.“ Das von Täter selbst gedrehte Handy-Video und sein bereits umfangreiches Vorstrafenregister würden das Bild eines rücksichtslosen und brutalen Schlägers zeichnen. Auf der anderen Seite: Die Art, „wie er sich in der Verhandlung gegeben hat“.

Wie berichtet, hatte Jonas M. (Namen von der Red. geändert) beim Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt und sich bei seinem Opfer, Sascha E., entschuldigt.

Sascha E., der zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange aus dem Gefängnis raus war, in dem er wegen Betruges gesessen hatte, bot im Januar auf der Plattform Ebay-Kleinanzeigen eine Rolex an. Der Interessent: Jonas M. Die beiden Männer verabredeten sich in Betzdorf – an der Wohnadresse der Noch-Ehefrau von Sascha E. Die vermeintliche Luxus-Uhr nebst Zertifikaten wechselten für 4500 Euro den Besitzer und Jonas M. kehrte zurück in seine Heimatstadt Dortmund. Das Besitzer-Glück währte allerdings nur kurz: Nur einen Tag nach dem Kauf enttarnte ein Juwelier die Uhr als offensichtliches Plagiat.

Jonas M. war geschockt: Die mühsam zusammengesparten 4500 Euro waren futsch und Sascha E. antwortete nicht auf Nachfragen. Also schmiedete Jonas M. einen Plan. Der erste Schritt: Er fuhr gemeinsam mit einem Kumpel nach Betzdorf. Als die Dortmunder dort den „Rolex“-Verkäufer nicht antrafen, schickten sie ihm per Handy Droh-Nachrichten, kündigten wechselweise ein „Massaker“ oder Entführung dessen Kinder an.

Als auch das nicht fruchtete, tat Jonas M. den zweiten Schritt, der ihm nun die drei Jahre Haft eingebracht hat. Er ging unter falschem Namen auf eine weitere Kleinanzeige von Sascha E. ein und fuhr am 3. Februar erneut in die Sieg-Heller-Stadt. Er lauerte Sascha E. auf, attackierte ihn mit einem Schlagring und drückte ihn gegen eine Wand. Sein verletztes Opfer filmte er anschließend per Handy.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zitierte in ihrem Plädoyer noch einmal einige Nachrichten, die Jonas M. am 3. Februar einem Freund geschrieben hatte – bevor er dann nach Betzdorf aufbrach. Er habe einen genauen Plan, hatte Jonas M. getextet, würde regelrecht zittern vor Freude. Er würde Sascha E. möglichst im Keller auflauern: „Da hört den keiner schreien.“ Seine einzige Befürchtung: Er müsse aufpassen, sein Opfer „nicht versehentlich umzulegen“.

Die Anklage nannte das Geschehen „einen beispiellosen Fall von Selbstjustiz“. Ihr Antrag: sieben Jahre Haft. Auch deswegen, weil Jonas M. das heruntergefallene Smartphone von Sascha E. genommen und damit schweren Raub begangen habe.

„Das ist mit Kanonen auf Spatzen schießen“, meinte Verteidiger Fritz Sommer (Dortmund) zu dieser Sichtweise. Ja, sein Mandant habe erhebliches Gewaltpotential an den Tag gelegt, aber sich etwas „zueignen“, das habe Jonas M. nicht gewollt. Von einem Raub könne somit keine Rede sein. Vielmehr sei es dem 23-Jährigen darum gegangen, dem „notorischen Betrüger“ Sascha E. zu zeigen: „Das machst du nie wieder.“

Zahlreiche Schulwechsel, als Kind und Jugendlicher in psychologischer Behandlung, keine abgeschlossene Ausbildung: Sein Mandant würde unter einem Minderwertigkeitskomplex leiden, so Sommer, der eine milde Strafe beantragte. Die Freunde mit Jonas M.: teils „mit anderem Hintergrund“. Das „Ticket“ um dazu zu gehören: die Rolex.

Von falschen Freunden sprach auch Richter Andreas Bendel. Jonas M. sei ein Mensch, dem es nicht gelungen sei, eine altersentsprechende Reife zu erreichen, so der Vorsitzende. Auch die Kammer, die Geständnis und Entschuldigung würdigte, sah keinen Raub, das hatte sie bereits am Montag anklingen lassen. So blieb die Kammer mit ihrem Urteil dann auch weit unter der Forderung der Anklage. Der Haftbefehl wurde aufrecht erhalten.

Brutale Attacke wegen falscher Rolex
Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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