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Hausfriedensbruch und Widerstand
Randale auf dem Amt

In und vor der Kirchener Verwaltung muss es Mitte Dezember 2019 zu tumultartigen Szenen gekommen sein.
  • In und vor der Kirchener Verwaltung muss es Mitte Dezember 2019 zu tumultartigen Szenen gekommen sein.
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Betzdorf/Kirchen. Hand auf’s Herz: Auch wenn bei der Verbandsgemeinde Kirchen viele nette Mitarbeiter beschäftigt sind, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass man dort mit seinem Anliegen ganze Stunden verbringen möchte. Michael H. (Name geändert) konnte sich im Dezember vergangenen Jahres aber gar nicht mehr von der Verwaltung trennen. Keine höflichen Aufforderungen, kein Hausverbot eines Fachbereichsleiters und auch keine körperliche Gewalt des Bezirkspolizeibeamten konnten den 39-Jährigen zunächst überzeugen. Das Ende vom Lied: Michael H. wurde am Donnerstag vom Amtsgericht Betzdorf wegen Hausfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldbuße verurteilt.

thor Betzdorf/Kirchen. Hand auf’s Herz: Auch wenn bei der Verbandsgemeinde Kirchen viele nette Mitarbeiter beschäftigt sind, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass man dort mit seinem Anliegen ganze Stunden verbringen möchte. Michael H. (Name geändert) konnte sich im Dezember vergangenen Jahres aber gar nicht mehr von der Verwaltung trennen. Keine höflichen Aufforderungen, kein Hausverbot eines Fachbereichsleiters und auch keine körperliche Gewalt des Bezirkspolizeibeamten konnten den 39-Jährigen zunächst überzeugen. Das Ende vom Lied: Michael H. wurde am Donnerstag vom Amtsgericht Betzdorf wegen Hausfriedensbruch und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldbuße verurteilt.

Was war passiert: Der Obdachlose mit einer etwas seltsamen beruflichen Vita wollte sich an diesem Tag kurz vor Weihnachten nach eigenen Angaben eine Bescheinigung für das Jobcenter abholen. Doch er sei dort nur auf Unverständnis gestoßen. Natürlich habe er nach einer Aufforderung das Haus sofort verlassen wollen, sei aber daran von Mitarbeitern der Verwaltung sogar noch gehindert worden. „Ich weiß gar nicht mehr, wer alles an mir rumgepackt hat“, schilderte der Angeklagte die Situation, die für ihn eine „Farce“ war.

Doch die Verwaltungsangestellten und auch der Polizeibeamte hatten einheitlich eine ganze andere Erinnerung: Michael H. habe einen Tagessatz für Durchreisende haben wollen, berichtete Karin G., doch habe sie ihm sofort erklärt, dass das Jobcenter zuständig sei, schließlich sei er arbeitsfähig. Es ging anschließend hin und her, Michael H. kam der Mitarbeiterin unangenehm nah, wischte einen Blumentopf vom Tresen und sackte eine weitere Pflanze ein. Aus dem Platzverweis des Fachbereichsleiter wurde irgendwann ein Hausverbot – was den Angeklagten wenig kümmerte.

Vor dieser Aktion hatte der Angeklagte übrigens noch in einem anderen Büro vorbeigeschaut und dem dort sitzenden Angestellten ein schönes Weihnachtsfest gewünscht – verbunden mit der kryptischen Botschaft „Wir werden uns bald wiedersehen.“ Kein Wunder, dass dieser das als Bedrohung auffasste und den Vorfall trotz 22 Dienstjahren nachhaltig in Erinnerung behielt.

Auf dem Flur der Verwaltung ging dann auch der zweite Blumentopf zu Bruch. Mit vereinten Kräften, einschließlich denen des Bezirksbeamten, gelang es, Michael H. vor den Eingang zu verfrachten. Auf dem Weg dorthin muss er sich mit Händen und Füßen gewehrt und an allen möglichen Ecken und Kanten festgehalten haben.

Hätte er das vorher gewusst, hätte er aus der Villa Kraemer Schlagstock und Pfefferspray mitgebracht, berichtete der Polizist. Michael H. schaute ihn mit großen Fragen an und wollte wissen, wie er diese habe einsetzen wollen. Lapidare Antwort: „Ich hätte sie mit dem Schlagstock geschlagen und ihnen das Pfefferspray ins Gesicht gesprüht.“

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft kam im Plädoyer zu der Überzeugung, dass Michael H. von vornherein „auf Krawall gebürstet“ war. In der Verhandlung habe er sich zudem völlig uneinsichtig gezeigt. Das sah auch Richter Erich Massow so: Der Angeklagte habe sich als Opfer und Unschuldslamm präsentiert, doch das sei er nicht. Michael H. habe ein unmögliches Verhalten an den Tag gelegt. Die Strafe: 90 Tagessätze zu je 10 Euro.

Doch der 39-Jährige blieb sich bis zuletzt treu. Diese Darstellungen seien allesamt falsch gewesen. „Mir fehlen die Worte dafür, wie die Sachen hier ausgelegt werden.“ Es handele sich um einen Fall von struktureller Gewalt. „Das ist jedem gläubigen Mensch schon mehrfach widerfahren.“ Und ja, er werde gegen das Urteil Revision einlegen.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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