»Raus aus der Sucht«

Der Betzdorfer Ortsverein des Blauen Kreuzes feiert sein 35. Jahresfest

kafu Betzdorf. Knapp drei Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig. In einem Ort von der Größe Betzdorfs mit seinen rund 17000 Einwohnern bedeutet das: Etwa 600 Menschen sind – theoretisch gesprochen – alkoholkrank. Und: Die Zahl suchtkranker Jugendlicher und Frauen steigt überdurchschnittlich an. Diese Zahlen und Fakten der DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen) zitiert in seinem Flyer auch das Blaue Kreuz, Ortsverein Betzdorf. Am kommenden Wochenende feiert der Verein sein 35. Jahresfest, zugleich gibt es eine Begegnung mit den Siegerländer Blaukreuzvereinen und Gruppen.

Den eigenen Weg finden

Christine und Jürgen Sandweg besuchen die Treffen der Begegnungsgruppe Betzdorf regelmäßig, immer montags ab 20 Uhr im ev. Vereinshaus in Wallmenroth. Das Blaukreuztreffen (Bibelstunde) findet immer freitags ab 20 Uhr statt. Außerdem gibt es eine weitere Begegnungsgruppe, die sich montags um 20 Uhr in Hachenburg (Graf-Heinrich-Straße) trifft.

»Wir sind eine offene Gruppe«, berichtet Christine Sandweg über die Wallmenrother Begegnungsgruppe. Probleme werden hier besprochen, Erfahrungen ausgetauscht, eigene Lebensgeschichten erzählt; außerdem werden christliche Texte gelesen und die Mitglieder beten am Ende der Treffen gemeinsam. Ziel der Gruppe ist es, dass jeder Süchtige seinen eigenen Weg aus der Abhängigkeit findet. Christine und Jürgen Sandweg sind diese Schritte schon vor Jahren gegangen. »1996 war mein Führerschein zum zweiten Mal weg, damals war ich mit 2,5 Promille unterwegs. Schon vorher hatte ich eine Therapie gemacht – erfolglos«, erinnert sich Christine Sandweg. Damals, 1996, wurde ihr klar: Es muss etwas passieren. Sie ging zum ersten Mal in die Begegnungsgruppe und stellte fest: »Ich bin mit den Problemen nicht alleine.« Am wichtigsten sei es gewesen, die Isolation aufzubrechen und dann nach und nach die eigentliche Ursache der Sucht zu ergründen.

Zweijährige Suche

Zwei Jahre hat dieser Prozess bei Christine Sandweg gedauert, und während des ersten Jahres konnte sie auch noch nicht ganz mit dem Trinken aufhören. »Anfangs habe ich mir immer im Kalender notiert, wenn ich 24 Stunden nichts getrunken habe«, erzählt sie. Dann wurden die Abstände immer länger. »Und heute weiß ich ganz sicher, wo ich nicht mehr hin will.«

Jürgen Sandwegs erster Schritt zum Blauen Kreuz liegt länger zurück: 1992 kam er zur Begegnungsgruppe nach Wallmenroth. »Vorher hat mein Arbeitgeber Druck gemacht, ich bin zur Entgiftung gegangen. Das hat aber nicht lange geholfen, ich hab wieder angefangen zu trinken.« Es folgten eine weitere Entgiftung, eine Therapie und schließlich die Entscheidung, dem Blauen Kreuz in Betzdorf beizutreten. Bis heute ist er froh, sich in der Gruppe mit anderen Betroffenen austauschen zu können – auch wenn schon lange nicht mehr der Alkohol, sondern ganz Alltägliches im Fokus seiner Gespräche steht. In der Gruppe werden keine Tipps verteilt: »Auch Ratschläge sind Schläge«, meint Sandweg. Und es sind auch nicht nur die Betroffenen eingeladen, sondern auch deren Umfeld, das letztlich mit betroffen ist. Oft gehen die Partner sogar den ersten Schritt und wenden sich an das Blaue Kreuz, berichten die Sandwegs.

Feiern am Wochenende

Nicht nur die Betroffenen und ihre Familien, sondern alle Interessierten sind am Wochenende zum »Geburtstag« des Betzdorfer Ortsvereins eingeladen. Los geht es am Samstag, 21. Oktober, um 20 Uhr mit einem »Rüstabend« im ev. Vereinshaus in Wallmenroth. Thema: »Suchtkrankenarbeit in der ehemaligen DDR«.

Am Sonntag, 22. Oktober, sind Interessierte ab 10.30 Uhr zum »kreuz-und-quer«-Gottesdienst in der Betzdorfer Kreuzkirche eingeladen. Nachmittags geht es um 14.30 Uhr weiter mit einer Festversammlung im ev. Gemeindezentrum in der Betzdorfer Barbarastraße. Das Thema der Versammlung kann man wohl auch als Credo der Blaukreuz-Arbeit verstehen: »Raus aus der Sucht, hinein ins Leben!« Wer mehr über die Betzdorfer Gruppe erfahren möchte, kann sich bei Christine und Jürgen Sandweg melden, Tel. (0271) 310347.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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