Rechnen im Liegen ist gesund

In der Christophorus-Grundschule in Bruche ist Bewegung im Unterricht

juli Bruche. Es ist gar nicht so einfach für Leo, der auf dem linken Bein steht, das Gleichgewicht zu halten. Immer wieder kippt der Sechsjährige zur Seite und muss sich mit dem rechten Fuß am Boden abstützen. Dass er schwankt, ist kein Wunder, denn er balanciert auf einem zwei Zentimeter schmalen Balken. Die Physiotherapeutin Petra Murrenhoff zählt, wie oft Leo innerhalb einer Minute mit dem rechten Fuß aufsetzt.

»Glotze« statt Bewegung

Diese Übung gehört zum Programm »Fitness in der Grundschule«, das den Christophorus-Schülern in Bruche zu einem stärkeren Rückgrat, zu größerer Beweglichkeit und Stabilität sowie zu einer gesünderen Körperhaltung verhelfen soll. Mit dem Modellprojekt wollen die Bundesknappschaft Siegen und die Physiotherapeutin aus Betzdorf dem Bewegungsmangel »durch Medialisierung«, der bereits im Grundschulalter zu Haltungsstörungen und Rückenschmerzen führen kann, entgegenwirken.

Drei Tests durchlaufen

Außer der Gleichgewichtsübung haben Leo und seine 24 Klassenkameraden der 1b drei weitere Tests absolviert: Die Menge an »Sit-Ups«, die die Kinder in 40 Sekunden schaffen, beweist, wie es um ihre Bauch- und Rückenmuskulatur bestellt ist. Ihre Beweglichkeit zeigen sie, indem sie sich stehend und mit gestreckten Knien so weit wie möglich herunterbeugen.

Im Matthias-Test schließlich stehen die Kinder 30 Sekunden lang mit ausgestreckten Armen aufrecht. Mit der computergestützten »Medi-Mouse« fährt die Therapeutin den Erstklässlern zu Beginn und am Ende des Tests den Rücken hinunter, um die Krümmung ihrer Wirbelsäulen zu vermessen. Der Vergleich der beiden Linien gibt Auskunft über die Stabilität der aufrichtenden Rumpfmuskulatur. Dass es um die Beweglichkeit und Rumpfmuskulatur der getesteten Kinder insgesamt nicht gut bestellt ist, zeichnet sich nach den Angaben Petra Murrenhoffs bereits ab. Sie wird die Klassenlehrerin Melanie Brückmann über die Ergebnisse der Untersuchung aufklären und ihr gesundheits- und bewegungsfördernde Maßnahmen zur Behebung von Haltungsstörungen empfehlen, die in der Ganztagsschule umgesetzt werden können. Diese Maßnahmen beginnen bei der Gestaltung der Arbeitsplätze im Klassenraum: Das Mobiliar sollte auf die Größe der Jungen und Mädchen angepasst sein, rät die Fachfrau. Und die Kinder sollten des öfteren ihren Platz wechseln, vor allem, wenn sie nicht frontal zur Tafel sitzen. Überhaupt gibt es für Murrenhoff keinen triftigen Grund, dass die Schüler immer im Sitzen die Schulbank drücken. Sie empfiehlt zusätzlich Steharbeitsplätze, und die Kinder sollten es sich ihrer Ansicht nach hin und wieder am Tisch sitzend bequem machen. Und es spräche auch nichts dagegen, wenn Kinder sich schon einmal während des Unterrichts hinlegen, sagt Petra Murrenhoff.

Rückenbezogene Kräftigungs- und Dehnübungen gehören nach Ansicht der Physiotherapeutin nicht nur in die Turnhalle, sondern es könnten auch während der theoretischen Schulstunden spielerisch Bewegungsimpulse in den Unterricht integriert werden. Ein anderer Aspekt ist der Schulranzen, der nichts Unnötiges beinhalten sollte. Alle diese Maßnahmen und Hilfen zur Verhinderung und Früherkennung von Fehlhaltungen erhalten die Lehrer der Christophorus-Grundschule demnächst schwarz auf weiß in einem Leitfaden.

Körper beachten

»Die Kinder sollen – vermittelt von ihren Lehrern – von klein auf lernen, ihrem Rücken und ihrem Körper Beachtung zu schenken«, erklärt die Physiotherapeutin. Über die Auffälligkeiten ihrer Sprösslinge werden die Eltern natürlich informiert und möglichst für das Thema sensibilisiert. Auf einem Elternabend der Klasse 1b Ende November wurde das Modellprojekt vorgestellt; zehn der 25 Eltern nahmen daran teil. »Ziel ist es«, so Murrenhoff, »dass die Lehrer die Beweglichkeit ihrer Schüler selbstständig fördern können – ohne Hilfe medizinischen Fachpersonals.« Das ist auch im Sinne des Schulleiters Alexander Waschow: »Wir legen viel Wert auf Bewegung, vor allem nachmittags. Dann betreuen wir ein Drittel der 315 Schüler.« Das Projekt soll nicht auf die 1b beschränkt bleiben.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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