Fenster der ehemaligen Turnhalle bekommen Leinöl-Behandlung
Sanieren wie vor 100 Jahren

Hier wurde in Betzdorf früher geturnt. Heute ist das Lehrerzimmer eingerichtet. Die teils über 100 Jahre alten Fenster erfreuen sich derzeit einer Frischzellenkur.
4Bilder
  • Hier wurde in Betzdorf früher geturnt. Heute ist das Lehrerzimmer eingerichtet. Die teils über 100 Jahre alten Fenster erfreuen sich derzeit einer Frischzellenkur.
  • Foto: rai
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

rai Betzdorf/Kirchen. Kitt und Leinöl sind wichtiges Material für die Handwerker. So auch die Glasscheiben, die teils über 100 Jahre alt sind. Diese werden auch die nächsten Jahrzehnte wieder ihren festen Platz in der Fensterfassade der ehemaligen Turnhalle an der IGS Betzdorf/Kirchen haben. Eine Spezialfirma saniert derzeit die Fenster des 115 Jahre alten Gebäude.
1906 wurde die Halle an der Kirchenerstraße in Betzdorf errichtet, so Joachim Bay, Architekt im Bauamt der Kreisverwaltung Altenkirchen. Geturnt wird in der Halle schon lange nicht mehr, heute wird sie als Lehrerzimmer genutzt. Geblieben sind die prächtigen Fenster.

Darum kümmert sich
eine Spezialfirma,
die Sachkunde im Umgang
mit so historischen Bauteilen hat.
Joachim Bay
Architekt

In den filigranen Holzrahmen sind viele Glasfelder eingebaut, die Jahrzehnte überstanden haben. Wie damals üblich, seien die Fenster aus Eichenholz gefertigt worden, so Bay. Von außen eingesetzt, wurde das Glas mit Kitt befestigt. Gestrichen wurde mit Leinöl, so Projektleiter Bay. Das sei ein Grund, weshalb die Fenster so lange gehalten haben. Zum einen schützt der Anstrich den Kitt vor dem Austrocknen, zum anderen kann eintretende Feuchtigkeit abtrocknen. Nach so vielen Jahrzehnten war der Kitt nun aber doch spröde geworden, sodass Wasser eindringen konnte. Es musste etwas getan werden. Der Denkmalschutz forderte, alles „in historischem Zustand wieder herzustellen“. Also auch mit einem Anstrich in Leinöltechnik. Darum kümmert sich eine Spezialfirma, „die Sachkunde im Umgang mit so historischen Bauteilen hat“, so der Architekt. Natürlich sollen die alten, teils verzierten Originalscheiben erhalten bleiben.

Anstrich nach historischem Vorbild

Alle entnommenen Scheiben wurden katalogisiert. Die Firma hat das Glas gereinigt und, wo nötig, mit einem Spezialkleber repariert. Auch die filigranen Holzrahmen mussten vorsichtig aufgearbeitet werden. Im Laufe der Jahre sei auch Acryllack aufgetragen worden, teilte Bay mit: „Das musste komplett entfernt werden.“ Die Glasscheiben sind nun wieder mit Kitt eingesetzt. „Wichtig ist es, dass der Anstrich nach historischem Vorbild vorgenommen wird“, betonte Bay. Das hält den Kitt geschmeidig.
Auch zwei große Fenster in einem ehemaligen Treppenhaus im unteren Gebäude am Haupteingang werden restauriert. Stichworte sind auch hier Kitt und Leinöl. Für die Arbeiten werden rund 64 000 Euro investiert. Die Generaldirektion kulturelles Erbe gibt 20.000 Euro dazu.
Noch in den Ferien werden die Arbeiten beendet. Voraussichtlich 2022 sind die Fenster auf der gegenüberliegenden Hallenseite dran. Es versteht sich von selbst, dass das alte Glas und die zarten Holzrahmen einen besonders vorsichtigen Umgang erfordern.

Arbeiten am Kirchener Standort robuster

Auch am IGS-Standort Kirchen wurde eine Baustelle eingerichtet, hier ging es aber deutlich robuster zu: Vom Gebäudesockel hoch bis unter das Dach wurde am Haupteingang die Klinkerfassade abgestemmt. Die Handwerker putzten auf dem freigelegten Mauerwerk bei und arbeiteten Metallschienen ein.
„Die Wand wird eine Vorhangfassade erhalten“, teilte Architekt Oliver Weber, seines Zeichens Bauamtsleiter der Kreisverwaltung, mit. Bei einer vorgehängten Fassade kann zwischen Mauerwerk und Dämmung die Luft zirkulieren. Den Abschluss bildet eine robuste Oberflächenplatte. Die Fläche ist 175 Quadratmeter groß.

Lieferengpässe verhindern den Fortgang

Nun steht die Fassade im Rohzustand. Dass sich derzeit nichts tut, liegt an Lieferengpässen. „Die Dämmstoffe sind nicht zu bekommen“, so Projektleiter Weber: „In den Sommerferien werden wir das nicht hinbekommen.“ Für diese Maßnahme im Rahmen der Bauunterhaltung werden 170 000 Euro investiert. Vor rund 15 Jahren hatte die damalige Schulträgerin, die Verbandsgemeinde Kirchen, bereits Außenwände saniert. Inzwischen ist die Schule ein Standort der IGS und in Trägerschaft des Landkreises. Etwa zehn Jahre müsse man an den Fassaden nichts mehr machen, so Weber.

Autor:

Rainer Schmitt (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen