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Kinder in Obhut genommen: Bei Jugendamtsbesuch offenbar hysterisch geworden
Schicksalstag einer dreifachen Mutter vor Gericht beleuchtet

Am Betzdorfer Amtsgericht wurde Saskia P. nun zu fünf Jahren Haft verurteilt. Archivfoto: dach
  • Am Betzdorfer Amtsgericht wurde Saskia P. nun zu fünf Jahren Haft verurteilt. Archivfoto: dach
  • hochgeladen von Achim Dörner (Redakteur)

dach Betzdorf. Mit zitterndem Kinn und feuchten Augen sitzt Saskia P. da und berichtet von dem Tag, der ganz offenbar der traumatischste in ihrem bisherigen Leben gewesen ist. Am 10. April 2019 wurden ihre drei Kinder in Obhut genommen. Für die 29-Jährige brach eine Welt zusammen.
Es könnte aber noch aus einem weiteren Grund für Saskia P. (Name geändert) ein schicksalhafter Tag gewesen sein, nämlich der, der sie hinter Schloss und Riegel bringt. Denn: Sie wurde am Donnerstag am Amtsgericht Betzdorf der Beleidigung und Körperverletzung schuldig gesprochen und zu fünf Monaten Haft verurteilt.

dach Betzdorf. Mit zitterndem Kinn und feuchten Augen sitzt Saskia P. da und berichtet von dem Tag, der ganz offenbar der traumatischste in ihrem bisherigen Leben gewesen ist. Am 10. April 2019 wurden ihre drei Kinder in Obhut genommen. Für die 29-Jährige brach eine Welt zusammen.
Es könnte aber noch aus einem weiteren Grund für Saskia P. (Name geändert) ein schicksalhafter Tag gewesen sein, nämlich der, der sie hinter Schloss und Riegel bringt. Denn: Sie wurde am Donnerstag am Amtsgericht Betzdorf der Beleidigung und Körperverletzung schuldig gesprochen und zu fünf Monaten Haft verurteilt.

An jenem Apriltag waren zwei Mitarbeiterinnen des Kreisjugendamts Altenkirchen in Begleitung von zwei Polizisten zu einem unangekündigten Hausbesuch an der Tür von Saskias Wohnung in einem Dorf im AK-Land erschienen. Es sei um den Verdacht der Kindeswohlgefährdung gegangen, so eine der Mitarbeiterinnen im Zeugenstand. Die Kinder, so sei es beim Jugendamt angekommen, sollen monatelang bei Nachbarn gelebt haben. Und: Die heute vierjährige Tochter habe in der Kita erzählt, sie werde von diesem Nachbarn geschlagen.

Schon bevor sich beim Hausbesuch ein Gespräch entwickeln habe können, habe Saskia P. sie bereits mit Schimpfwörtern überzogen. „Hexe“ war demnach noch ein harmloser Ausdruck. Als sich die Mutter nicht habe beruhigen lassen, sei der Entschluss gefasst worden, die Kinder in Obhut zu nehmen. „Sie hat geschrien“, sagte die Mitarbeiterin des Jugendamts, die eine gegenwärtige psychische Gefährdung der Kinder ausgemacht hatte. „Ich weiß, dass ich mich nicht ganz korrekt verhalten habe“, sagte Saskia P., die ohne Rechtsbeistand vor Gericht erschienen war: „Aber das war eine Ausnahmesituation an diesem Tag.“

Während der Konfliktsituation ist es zu einem körperlichen Aufeinandertreffen von Saskia P. und der Jugendamtsmitarbeiterin, einer diplomierten Psychologin, gekommen. Über die Art und Weise gab es allerdings unterschiedliche Auffassung. Saskia P. wollte gegen die Mitarbeiterin ausgekeilt haben, „weil die mir das Kind entreißen wollte“. Es könne sein, dass sie dabei mit ihrem Fuß den Brustkorb ihres Gegenübers getroffen habe. Die Jugendamtsmitarbeiterin hingegen sprach von einem Faustschlag: „Das war ein Angriff, ganz bewusst, ganz heftig.“ Zudem war von Spuckattacken und weiteren Beleidigungen die Rede.

Es war nicht der erste Kontakt mit den Behörden, und auch nicht der erste Hausbesuch bei Saskia P. Den Vorwurf, sie habe ihre Kinder weggeben, wollte die Angeklagte aber nicht auf sich sitzen lassen. Sie sei nun mal arbeiten gegangen, um nach der Trennung von ihrem Mann den Lebensstandard für ihre Kinder halten zu können. Und ja, bei dem Hausbesuch habe sie abwehrend reagiert, weil sie sowieso im Begriff gewesen sei, mit ihren Kindern aus dem Zuständigkeitsbereich des Altenkirchener Jugendamts fortzuziehen. Die allerhöchste Meinung von der Behörde hat Saskia P. sowieso nicht: „Hilfe hab’ ich von diesem Jugendamt noch nie bekommen.“

Nach ihrem persönlichen Schicksalstag im April ging es für Saskia P. immer weiter bergab. Seitdem leide sie unter Depressionen, wie sie sich nun selbst habe eingestehen müssen. In Siegen nehme sie eine ambulante Therapie in Anspruch. Dort lebt sie mittlerweile bei einer Freundin, ist selbst inzwischen wohnungslos. Denn die Bleibe, in die sie im Mai umgezogen war, war viel zu groß (weil sie eigentlich mit den Kindern dort leben wollte) und viel zu teuer. Ihren Job bei einer Reinigungsfirma im Siegerland habe sie wegen der Depressionen – sie selbst sprach von „einem toten Gefühl von innen“ – verloren. Ihre Kinder darf sie sehen, sie leben aber hunderte Kilometer von der Mutter entfernt.
Diese Gesamtumstände waren für Richterin Anke Puntschuh ausschlaggebend, die Strafe eben nicht zur Bewährung auszusetzen. Hinzu kommt, dass Saskia P. einige Hypotheken mit in den Gerichtssaal gebracht hatte. Bereits des Öfteren war sie wegen Beleidigungen verurteilt worden. Im April stand sie sogar unter laufender Bewährung.

Amtsanwalt Seibert sprach daher von einer „horrenden Rückfallgeschwindigkeit“. In seinem Plädoyer brach er aber auch eine Lanze für die Behördenkollegen: „Die Mitarbeiter der Jugendämter bewegen sich oft auf einem ganz schwierigen Feld“, so der Jurist: „Tun sie nichts und es passiert was, stehen sie am Pranger. Greifen sie ein, werden sie als Kinderwegnehmer bezeichnet.“ Er forderte als Strafe für Saskia P. eben jene fünf Monate Haft, auch wenn er die familiäre Situation der Angeklagten als bemitleidenswert bezeichnete.

Darüber hinaus hatte Saskia S. ihr abgemeldetes Auto mit „frischen“ Kennzeichen versehen, sodass sie den Wagen auf der Straße abstellen konnte. Urkundenfälschung nennt das der Jurist. Auch dieses Delikt floss in das Urteil mit ein, das allerdings noch nicht rechtskräftig ist.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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