SZ

Prozess gegen 21-Jährigen eingestellt
Schlägerei im Zug nach Siegen

Das Verfahren gegen einen 21-jährigen Afghanen vor dem Betzdorfer Amtsgericht wurde eingestellt.
  • Das Verfahren gegen einen 21-jährigen Afghanen vor dem Betzdorfer Amtsgericht wurde eingestellt.
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

dach Betzdorf/Kirchen/Siegen. „Was guckst du?“ Diese von einem Komiker zwischenzeitlich zu einem Ulk verdrehte Frage war im November 2020 im Zug von Kirchen nach Siegen in bitteren Ernst umgeschlagen. Dieser Tage beschäftigte nun der handfeste Streit, der daraus resultierte, die Justiz.
In der Verhandlung am Betzdorfer Amtsgericht nahm Amir A. (alle Namen geändert) auf der Anklagebank Platz. Der Afghane war ohne Anwalt gekommen, dafür wurde ihm ein Dolmetscher an die Seite gesetzt, den der 21-Jährige dann allerdings doch kaum benötigte.
„Warum guckst du mich an?“Er schilderte die Auseinandersetzung so: Er habe an besagtem Tag mit dem Zug nach Siegen zum Frisör fahren wollen, habe währenddessen für seine Führerscheinprüfung gelernt.

dach Betzdorf/Kirchen/Siegen. „Was guckst du?“ Diese von einem Komiker zwischenzeitlich zu einem Ulk verdrehte Frage war im November 2020 im Zug von Kirchen nach Siegen in bitteren Ernst umgeschlagen. Dieser Tage beschäftigte nun der handfeste Streit, der daraus resultierte, die Justiz.
In der Verhandlung am Betzdorfer Amtsgericht nahm Amir A. (alle Namen geändert) auf der Anklagebank Platz. Der Afghane war ohne Anwalt gekommen, dafür wurde ihm ein Dolmetscher an die Seite gesetzt, den der 21-Jährige dann allerdings doch kaum benötigte.

„Warum guckst du mich an?“

Er schilderte die Auseinandersetzung so: Er habe an besagtem Tag mit dem Zug nach Siegen zum Frisör fahren wollen, habe währenddessen für seine Führerscheinprüfung gelernt. Dabei habe er ob seiner Fehler in einem Moment den Kopf zur Seite geworfen. Das habe Said M. zum Anlass genommen, zu ihm herüberzukommen und sich vor ihm aufzubauen: „Warum guckst du mich an?“, habe er drohend gefragt.
Schnell entwickelte sich ein Streit, der ins Handgreifliche ging. Nämlich in dem Moment, als Said M. ein Taschenmesser zückte. „Da hab’ ich ihn geschlagen“, schilderte Amir A. Konkret habe er die Gunst der Sekunde genutzt, als sich Said M. für einen Moment weggedreht habe. Amir A. verpasste seinem Gegenüber zunächst einen, dann mehrere Fausthiebe ins Gesicht. Auf Nachfrage von Richterin Tanja Becher, wie oft er zugeschlagen habe, gab Amir A. an: „Einmal rechte Hand, linke Hand, rechte Hand.“ Danach habe er Said M. solange festgehalten, bis die Polizei hinzugekommen sei.

Angeklagter hält sein Vorgehen für richtig

„Glauben Sie, dass ihr Verhalten richtig war?“, wollte die Richterin vom Angeklagte wissen. „Ja“, meinte der, „er hat ja ein Messer rausgezogen.“ Die Klinge sei noch eingeklappt, der Griff rot gewesen. Das Messer, höchstwahrscheinlich „Modell Schweizer Offizier“, nahmen die Beamten der Bundespolizei schließlich mit.
Das galt auch für die beiden Streithähne. Für Said M. bestellten sie auch gleich einen Rettungswagen, weil er eine blutende Wunde im Gesicht davongetragen hatte.

Zeugin: „Schrecklich mitanzusehen“

Als Zeuginnen wurden zwei junge Frauen gehört, die seinerzeit im selben Zugabteil saßen. Eine von ihnen hatte per Handy die Polizei verständigt. Der eine sei „die ganze Zeit auf den anderen drauf“, meinte eine der Frauen. Die andere fand es „schrecklich mitanzusehen“.

Es gibt irgendwo einen Punkt,
wo man aufhören muss.
Tanja Becher
Richterin

Allerdings: Von demjenigen, der im Kampf unterlegen war, fehlte jede Spur, nicht nur vor Gericht. Es handelte sich laut Akten um einen marokkanischen Staatsbürger, der zunächst offenbar wieder ausgereist war, zuletzt aber in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen wieder aufgetaucht sein soll. Weil aber die Erfolgschancen, Said M. in einen der Betzdorfer Gerichtssäle zu bringen, ziemlich gering erschienen, entschied sich Richterin Becher auf Antrag der Staatsanwaltschaft dafür, das Verfahren einzustellen.
Aber nicht ohne Amir A., dessen Duldung in Deutschland in einigen Wochen abläuft und der bereits unter anderem wegen Beleidigung, Körperverletzung und Urkundenfälschung vorbestraft ist, etwas mit auf den Weg zu geben. „Es gibt irgendwo einen Punkt, wo man aufhören muss.“ Eine klassische Notwehr, so viel hatte die Richterin zwischenzeitlich durchblicken lassen, sei der Vorfall im Zug nach Siegen nämlich eher nicht gewesen.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

9 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
2 Bilder

Neues Angebot auf 57immo.de
Jetzt Immobilie von Experten bewerten lassen

Gründe für eine Immobilienbewertung gibt es viele: Sie kann erforderlich sein für den Kauf oder Verkauf eines Hauses, beim Schließen eines Ehevertrages oder auch beim Verschenken des Eigentums an die Kinder. Allgemein gilt: Wer den Wert seiner Immobilie kennt, hat in vielen Situationen einen Vorteil. Mit der Immobilienbewertung der Vorländer Mediengruppe bekommen Haus- und Wohnungsbesitzer nun ein passendes Werkzeug zur schnellen und zuverlässigen Einschätzung des Wertniveaus an die Hand – und...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.