SZ

Kein Ansturm auf Reisebüros
So mancher Koffer bleibt im Keller

Würden ihren Kunden gerne wieder Reisen in alle Welt vermitteln: Alexandra Bieler (mit Bürohund Luna) und Christine Weller vom City Reisebüro Betzdorf.
  • Würden ihren Kunden gerne wieder Reisen in alle Welt vermitteln: Alexandra Bieler (mit Bürohund Luna) und Christine Weller vom City Reisebüro Betzdorf.
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nb Betzdorf/Wissen/Niederfischbach. Als der traditionsreiche Reiseveranstalter Thomas Cook im vergangenen Jahr die Segel streichen musste, dachte Christine Weller: „Was Schlimmeres kann uns nicht passieren.“ Doch das Coronavirus sollte die erfahrene Reiseverkehrskauffrau eines Besseren belehren – da bleibt nur das Wort „Katastrophe“.

Aber: Inzwischen tummeln sich wieder Touristen am Nordseestrand und auch für Bella Italia werden so langsam die Flip-Flops hervorgeholt und die Sonnenbrillen poliert. Schließlich hat die Bundesregierung beschlossen, am 15. Juni die Reisewarnung für 29 europäische Länder aufzuheben. Die Deutschen sind als reisefreudiges Völkchen berühmt (und teils berüchtigt).

nb Betzdorf/Wissen/Niederfischbach. Als der traditionsreiche Reiseveranstalter Thomas Cook im vergangenen Jahr die Segel streichen musste, dachte Christine Weller: „Was Schlimmeres kann uns nicht passieren.“ Doch das Coronavirus sollte die erfahrene Reiseverkehrskauffrau eines Besseren belehren – da bleibt nur das Wort „Katastrophe“.

Aber: Inzwischen tummeln sich wieder Touristen am Nordseestrand und auch für Bella Italia werden so langsam die Flip-Flops hervorgeholt und die Sonnenbrillen poliert. Schließlich hat die Bundesregierung beschlossen, am 15. Juni die Reisewarnung für 29 europäische Länder aufzuheben. Die Deutschen sind als reisefreudiges Völkchen berühmt (und teils berüchtigt). Aber werden nun tatsächlich die Reisebüros gestürmt, die Kataloge verschlungen und gebucht, bis die Bankkarte glüht wie ein Sonnenuntergang auf Capri? Die SZ hat sich bei heimischen Reisebüros umgehört.

„Sehr verhalten“, so beschreiben Christine Weller und ihre Kollegin Alexandra Bieler vom City Reisebüro in Betzdorf das Verhalten der Kunden. Auch als die SZ vorbeischaut, sitzt gerade niemand an den Tischen. Viele Menschen hätten den Urlaub für dieses Jahr abgehakt, zu groß sind die Unsicherheiten. Die meisten seien deshalb froh, wenn sie stornieren oder umbuchen könnten. Als beliebtes Reisedatum für 2021 stellen sich dabei auch die Pfingstferien heraus, die zu einem Zeitpunkt liegen, an dem es an vielen Zielen schon angenehm warm sein dürfte.

Stornierungen und Umbuchungen – damit hatten die beiden auch in den vergangenen Wochen reichlich zu tun: „Das Telefon hat nonstop geklingelt“, blicken sie etwa auf die erste Zeit der Pandemie zurück.

Was sie hervorheben: Viele ihrer Kunden hätten ihre Anzahlungen bei den Veranstaltern belassen – als kleine Unterstützung, aber auch als Zeichen: Wir bleiben in Sachen Reisen am Ball. Denn trotz so manchem Aufschub ins nächste Jahr sei deutlich zu spüren: „Die Leute sind urlaubshungrig.“ Deshalb blicken die beiden durchaus in positiver Stimmung in die Zukunft.

Noch aber sind Fälle wie jener Kunden, die jetzt eine Flusskreuzfahrt antreten werden, eine Ausnahme. Als aus Betzdorf beim Veranstalter angefragt wurde, kam zunächst die ungläubige Rückfrage: „Für welches Jahr denn!?“ Aber, so Weller lachend, möglich ist die Tour und wurde denn auch gebucht.

Auf jahrzehntelange Erfahrung in der Reisebranche kann auch Gudrun Vierschilling zurückblicken. Im Telefoninterview mit ihr ist noch leichte Fassungslosigkeit zu spüren („Hätte ich mir nie gedacht“), aber auch die Verbundenheit zu den Kunden. „Man leidet ja mit jedem mit“, so die Inhaberin des Reisebüros Gudrun Vierschilling in Wissen. Sie könnte jede Menge Corona-Reise-Schicksale erzählen. Ein besonderes greift sie heraus: Kunden in schon fortgeschrittenem Alter haben 2019 zwei Reisen an die Thomas-Cook-Pleite „verloren“ – und jetzt zwei weitere an das Virus.

Wo Wasser in Deutschland ist, wie etwa am Bodensee, sei die Nachfrage groß, blickt Vierschilling auf die kommenden Wochen. Viele innerdeutsche Reisen seien aber schon vor Corona gebucht worden.

Was die Reisen ins Ausland angehe, sei die Nachfrage bei ihr schon da, so Vierschilling, die kritisiert, dass in der Öffentlichkeit schon mal das Bild „alles geht wieder“ vermittelt würde – und das sei eben mitnichten so. Auch sie sprach von Unsicherheit: Flugdaten oder welche Hotels überhaupt geöffnet haben, das wüssten die Veranstalter ja selbst noch gar nicht genau. Ihr Kunden hingegen hätten den Wunsch nach detaillierten Informationen, etwa was Hygienemaßnahmen in den Hotels angeht. Hier wünscht sich Gudrun Vierschilling von den Veranstaltern ein „Instrumentarium“ an die Hand zu bekommen – etwas Schwarz auf Weiß, damit sie die Informationen an ihre Kunden weitergeben kann.

„Tendenz: sehr zurückhaltend“ – so fasst Andreas Becker die Sache zusammen. Es sei sicher nicht so, dass die Reisebüros überrannt würden, meint der Inhaber des Reisebüros Andreas Beckerin Niederfischbach. Die Kunden wüssten nicht, was sie am Zielort erwarte, oder es würde auf weitere Lockerungen gehofft.

Er selbst denkt in der Krise „quer“: Er vertreibt u. a. Kontaktschutzscheiben. In seinem eigentlichen Metier hat Andreas Becker „viel in Sachen Kreuzfahrten gemacht“, die bekanntermaßen vor Corona boomten. Jetzt stehen die Flotten in den Häfen. Wie es weitergeht: ungewiss. Party auf der Aida mit 700, 800 Leuten werde es in naher Zukunft auf jeden Fall nicht geben – „das ist leider Gottes so“.

Viele Reisewillige würden dieses Jahr sicherlich probieren, „auf eigene Faust etwas in Deutschland zu organisieren“, so Becker, der meint, dass der Urlaub im eigenen Land ohnehin zur Alternative wird.

Zuletzt bricht er noch eine Lanze für seine Branche, die in diesem Jahr so arg gebeutelt wird. In den Reisebüros seien auch in der Krise stets Ansprechpartner da, die sich für die Belange ihrer Kunden einsetzen.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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