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Nachwuchs sehnt sich nach Normalität
So trotzt die Jugendfeuerwehr der Corona-Pandemie

Wann immer es ging, wird praktisch geübt (hier eine Szene aus Betzdorf). Aber allzu oft war seit Pandemie-Beginn gar keine Jugendfeuerwehr-Arbeit möglich.
  • Wann immer es ging, wird praktisch geübt (hier eine Szene aus Betzdorf). Aber allzu oft war seit Pandemie-Beginn gar keine Jugendfeuerwehr-Arbeit möglich.
  • Foto: damo (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Die Corona-Pandemie erschwert die Arbeit der Jugendfeuerwehren im Kreis Altenkirchen massiv, zeitweise ist die Jugendarbeit quasi zum Erliegen gekommen. Dabei sind die Jugendwehren die wichtigste Nachwuchs-Quelle für die Löschzüge im AK-Land. Im Gespräch mit der Siegener Zeitung verraten Christoph Bähner, Jugendfeuerwehrwart in Kirchen, und Daniel Richter, stellv. Kreisjugendfeuerwehrwart, wie die Angebote in Zeiten des Virus angenommen werden, wie sich die Mitgliederzahlen entwickelt haben und wie sie die Zukunftsperspektive für die Jugendfeuerwehren einschätzen.

damo Kre

Die Corona-Pandemie erschwert die Arbeit der Jugendfeuerwehren im Kreis Altenkirchen massiv, zeitweise ist die Jugendarbeit quasi zum Erliegen gekommen. Dabei sind die Jugendwehren die wichtigste Nachwuchs-Quelle für die Löschzüge im AK-Land. Im Gespräch mit der Siegener Zeitung verraten Christoph Bähner, Jugendfeuerwehrwart in Kirchen, und Daniel Richter, stellv. Kreisjugendfeuerwehrwart, wie die Angebote in Zeiten des Virus angenommen werden, wie sich die Mitgliederzahlen entwickelt haben und wie sie die Zukunftsperspektive für die Jugendfeuerwehren einschätzen.

damo Kreis Altenkirchen. „Die Jugendarbeit ist zeitweise fast zum Erliegen gekommen“: Diese ernüchternde Bilanz zieht der stellv. Kreisjugendfeuerwehrwart Daniel Richter nach fast zwei Jahren Corona. Und noch immer trifft die Pandemie die Nachwuchsorganisation der Feuerwehren mit voller Härte. Denn vieles mag digital funktionieren – aber Schläuche lassen sich nicht im Videochat aufrollen, den richtigen Umgang mit den Gerätschaften lernt man nicht via Google Meet, und Zeltlager oder Wettkämpfe funktionieren auch nur in der „echten“ Welt. „Online ist besser als nichts, aber es ist das letzte Mittel“, meint Christoph Bähner, Leiter der Kirchener Jugendfeuerwehr: „Es ersetzt einfach nicht den sozialen Kontakt.“

Jugendfeuerwehr als beste Nachwuchs-Quelle für die Löschzüge

„Wir leben davon, dass wir Aktivitäten bieten können, die man in der Pandemie nicht durchführen kann“, umreißt Richter die Schwierigkeiten. Natürlich haben die Jugendfeuerwehren dieses Problem nicht exklusiv – aber ihr Selbstverständnis unterscheidet sie von vielen Vereinen und Jugendorganisationen: Im AK-Land, wo der gesamte Brandschutz ehrenamtlich geleistet wird, ist die Jugendfeuerwehr in erster Linie dazu da, Interessierte an den freiwilligen Dienst in den Löschzügen heranzuführen.
In der Vergangenheit hat dieses Konzept sehr gut funktioniert: „Die Jugendfeuerwehr ist definitiv die wichtigste Nachwuchs-Quelle für die Löschzüge“, sagt Luca Göbel, seines Zeichens Leiter in Betzdorf. Und Volker Hain, als Kreisjugendfeuerwehrwart der „Chef“ aller Jugendwehren, ergänzt: „Wir haben aktive Wehren, in denen 95 Prozent der Mitglieder aus der Jugendfeuerwehr kommen.“

Arbeit der Jugendfeuerwehr nur mit angezogener Handbremse

Aber deren Arbeit läuft nur mit angezogener Handbremse. „Von Anfang des Jahres bis April lief gar nichts“, ruft Luca Göbel ins Gedächtnis, „ab Mai haben wir dann alles gemacht, was möglich war“. Und trotzdem ließen sich die Zwangspausen nicht kompensieren: Üblicherweise kommt die Betzdorfer Jugendfeuerwehr auf 25 bis 30 Übungen und Veranstaltungen – 2021 war es kaum ein Dutzend.
Natürlich haben die Leitungsteams versucht, die Kids auch in Phasen mit harten Kontaktbeschränkungen bei der Stange zu halten. „Da waren die Betreuer kreativ“, sagt Felix Mees von der Jugendfeuerwehr Siegtal. So berichtet er von Videoschulungen und Viedeodrehs. Und hin und wieder ist mit dem Übungsplan sogar eine Flasche Limo ausgefahren worden, die dann gemeinsam im Videochat getrunken worden ist. „Es ist einfach wichtig, den Kontakt zu halten“, sagt Mees.

Kein Mitgliederschwund bei den Jugendfeuerwehren

All das hat geholfen: „Einen Mitgliederschwund können wir Gott sei Dank nicht feststellen“, teilt der stellv. Kreisjugendfeuerwehrwart Achim Schlosser mit. Ganz im Gegenteil: Aktuell gehören kreisweit 409 Nachwuchs-Feuerwehrleute den 21 Jugendorganisationen an – das sind 30 mehr als im Jahr 2020 und zugleich ein neuer Rekord für den Kreis Altenkirchen.

Einen gewissen Anteil am Zulauf dürften auch die Bambini-Wehren haben: In den vergangenen Jahren haben die Löschzüge vielerorts noch eine Altersklasse unter die Jugendfeuerwehr gepackt, sodass schon Sechsjährige aufgenommen werden können. Und viele davon bleiben hängen: „Dieses Engagement sorgt für mehr Nachwuchs in den Jugendfeuerwehren“, meint der Kreisfeuerwehrverband.
Zudem ist es gelungen, die letzte weiße Fläche auf der Landkarte der Jugendfeuerwehren im AK-Land zu schließen: Mittlerweile gibt es auch in Hamm (Sieg) eine Jugendfeuerwehr. „Ein toller Erfolg in einem sehr schwierigen Pandemie-Jahr“, freut sich Volker Hain.

Flutkatastrophe zeigt die Bedeutung der Feuerwehr

Was den Feuerwehren im vergangenen Jahr ins Blatt gespielt haben dürfte: Sie haben bei der Katastrophe im Ahrtal überdeutlich gezeigt, dass sie unverzichtbar sind. „Das hat bei vielen Eltern dazu geführt, dass sie ihre Kinder bei der Jugendfeuerwehr angemeldet haben“, meint Hain.
Und so fällt die Jahresbilanz zwar ein bisschen getrübt aus, weil die praktische Arbeit gelitten hat und den Kindern schlichtweg weniger geboten werden konnte – aber unter dem Strich lässt sich festhalten: Bislang hat die Jugendfeuerwehr der Pandemie erfolgreich getrotzt.

Trotzdem klingt bei Hain und den anderen Betreuern eine gewisse Skepsis an: Wenn man sein Hobby nicht mehr ausüben dürfe, werde es irgendwann langweilig – und das könnte Mitglieder kosten, befürchtet Hain. Auch Mees meint: „Das wird nicht ewig gehen.“ Deshalb hofft nicht nur Bähner, dass die Pandemie bald wieder eine halbwegs normale Jugendfeuerwehr-Arbeit zulässt: „Es wird höchste Zeit, dass wir wieder ein bisschen mehr Normalität bekommen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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