SZ

In der rheinland-pfälzischen Spitzengruppe
So viele Ukraine-Flüchtlinge nimmt das AK-Land auf

Nur wenige ukrainische Flüchtlinge sind in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht. Viele kommen direkt in die Kommunen, zu Verwandten, Bekannten, Freunden oder sonstigen Helfern.
  • Nur wenige ukrainische Flüchtlinge sind in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht. Viele kommen direkt in die Kommunen, zu Verwandten, Bekannten, Freunden oder sonstigen Helfern.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Was die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen angeht, befindet sich der Kreis Altenkirchen landesweit in der Spitzengruppe. Joachim Brenner, Dezernatsleiter der Abteilung Soziales im Altenkirchener Kreishaus, hat die aktuellen Zahlen parat.

Was die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen angeht, befindet sich der Kreis Altenkirchen landesweit in der Spitzengruppe. Joachim Brenner, Dezernatsleiter der Abteilung Soziales im Altenkirchener Kreishaus, hat die aktuellen Zahlen parat.

nb/dpa Mainz/Kreis Altenkirchen. 1666 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine hat der Kreis Altenkirchen bis dato aufgenommen. Das ist der Stand von Montagmittag und diese ganz aktuellen Zahlen hatte Joachim Brenner, Dezernatsleiter der Abteilung Soziales im Altenkirchener Kreishaus, parat. Die Zahl war denn auch etwas höher als jene, die die rheinland-pfälzische Integrationsministerin Katharina Binz am Morgen in einer Pressekonferenz genannt hatte. Fest steht aber in jedem Fall: Was die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen angeht, befindet sich der Kreis Altenkirchen landesweit in der Spitzengruppe. 

Knapp 700.000 Flüchtlinge aus der Ukraine in Deutschland

In ganz Deutschland wurden bisher etwa 688.000 Ukrainer aufgenommen, im Land rund 35.000. Das seien ca. 9000 mehr, als nach dem Verteilschlüssel der Bundesländer vorgesehen, so Katharina Binz (Grüne) in der PK. Die Behörden wollen künftig bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen weiter auf familiäre Bindungen Rücksicht nehmen, streben aber eine möglichst gleichmäßige Verteilung an. Auch bei der Verteilung auf die Kommunen soll es möglichst gerecht zugehen. Die Städte und Kreise können aber auch mehr Menschen aufnehmen, wenn sie die Möglichkeiten haben. 

Rheinland-Pfalz kann nach einem Bund-Länder-Beschluss neu eintreffende Menschen an andere Bundesländer wie das Saarland verweisen, die bislang unterhalb ihrer Quote liegen. Um eine möglichst gleichmäßige Verteilung zu erreichen, ist seit Anfang des Monats ein neues Verteilsystem des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im Einsatz, eine Datenbank mit dem Namen "Fachanwendung zur Registerführung, Erfassung und Erstverteilung zum vorübergehenden Schutz" (FREE). "Ich finde es gut, wie ruhig, unaufgeregt und kooperativ sich das Aufnahmegeschehen in den letzten Wochen dargestellt hat", sagte Binz. Man habe hier Lehren aus 2015/16 gezogen. 

Weiterhin Kritik am Asylbewerberleistungsgesetz

Die Ausländerbehörden würden intensiv daran arbeiten, die Menschen alle zu registrieren, sagte die Ministerin. Inzwischen müssen alle Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, die vorübergehenden Schutz beantragen, im Ausländerzentralregister erfasst und erkennungsdienstlich behandelt werden. Von allen Antragsstellern werden Lichtbilder gemacht, von allen Personen, die älter sind als 14 Jahre, werden zudem Fingerabdrücke genommen. Die Erfassung im Register und die erkennungsdienstliche Behandlung sind auch Voraussetzung, um Sozialleistungen des Jobcenters zu beziehen. Dies ist für die ukrainischen Flüchtlinge ab dem 1. Juni möglich. Andere Flüchtlinge hingegen werden nach dem Asylbewerberleistungsgesetz unterstützt. Man werde die Diskussion führen müssen, warum die Rahmenbedingungen für ukrainische Flüchtlinge nicht auch für andere Gruppen von Geflüchteten übernommen werden könnten, sagte Binz. Die Kritik an der Ausgestaltung des Asylbewerberleistungsgesetzes sei weiter aktuell.

Verbandsgemeinde Wissen will Partnerstadt helfen

Binz lobte die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen und unterstrich noch einmal: "Die Aufnahme hat sich insbesondere auf die Kommunen konzentriert." Die "familiären" Bezüge seien in vielen Fällen maßgeblich.

AK-Land nimmt viele Flüchtlinge aus der Ukraine auf

Das solche persönlichen Bezüge entscheidend sind, kann auch Joachim Brenner bestätigen. Erst kürzlich hatte er der SZ ausführlich Rede und Antwort gestanden und dabei etwa auf die russischsprachigen Communitys und Freikirchen in den Verbandsgemeinden Altenkirchen-Flammersfeld, Betzdorf-Gebhardshain und Hamm verwiesen. 

Mit den Kreisen Neuwied, Mainz-Bingen und dem Westerwaldkreis befindet sich das AK-Land in der genannten Spitzengruppe, die die Aufnahme-Quote weit übererfüllt. Darauf angesprochen unterstreicht Joachim Brenner, dass es gut laufe. Er richtete dabei einen expliziten Dank an Privatpersonen, an private und kirchliche Initiativen: "Dankeschön den Menschen, die hier geholfen haben. Ohne die Welle der Hilfsbereitschaft hätte das nicht funktioniert." Zudem dankte er den Mitarbeitern, beispielsweise von Ausländerbehörden und Einwohnermeldeämtern: "Es hat sich keiner rausgenommen aus der Verantwortung."

Dass es gut laufe, griff Brenner seine Aussagen von Anfang des Monats auf, zeige sich etwa an der großen Zahl an Sprachkursen und der bereits voranschreitenden Integration in Schulen und Arbeitsmarkt. Eine künftige Herausforderung sieht Joachim Brenner in der Schaffung von Wohnraum.  Wie lange der Krieg noch dauern, wie viele Menschen noch kommen werden, dass weiß man natürlich weder in Mainz noch in Altenkirchen vorauszusagen. Aber Brenner sagt abschließend, dass der Kreis auch weiterhin Flüchtlinge aufnehmen werde.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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