Solidarität zwischen Ost und West

Dr. Salamat Schifta spielte in Betzdorf Musik seines Heimatlandes Afghanistan

sz Betzdorf. Als Dr. Salamat Schifta das letzte Mal bei einem Konzert in Betzdorf vor einigen Monaten seine mystische Klangschale mit einem Holzstab zum Klingen brachte, hätte er nicht gedacht, dass er dies beim nächsten Konzert zum Gedenken an die vielen Opfer des jüngsten Terrors tun müsse. Mit einer Gedenkminute begann das Konzert am Donnerstag in der katholischen Pfarrkirche »St. Ignatius«, zu dem die Betzdorfer Geschäftsleute Barbara und Eckhard Dönges eingeladen hatten.

Schon lange vor den Terroranschlägen in den USA war dieses Konzert mit dem aus Afghanistan stammenden Musiker geplant, denn seit Jahrzehnten ist dieses Land wie kaum ein anderes von Krieg und Extremismus gebeutelt. »Nun stehen wir vor einem Scherbenhaufen und wir alle sind aufgefordert uns zu fragen, wie das passieren konnte«, so Veranstalter Eckhard Dönges. Dabei liegt ein großes Problem in der Unwissenheit. Das gilt nicht zuletzt für die Kenntnisse, die man über Afghanistan und seine Traditionen hat. Dr. Salamat Schifta will darum mit seinen Konzerten hier ein wenig Abhilfe schaffen.

Er wurde 1938 in der Hauptstadt Kabul geboren und machte dort in einer deutschen Schule sein Abitur. Musik, Dichtung und Malerei waren seine Vorlieben auch außerhalb der Schule. Er studierte in Kabul zunächst Jura, bevor er in München Geologie studierte. Er widmete sich darüber hinaus der Paläontologie, der Chemie und Biologie, worin er auch promovierte. Nach Forschungsarbeiten an den Unis in München und Tübingen ging er 1971 als Lehrer an das Westerwald-Gymnasium nach Altenkirchen, wo er bis 1989 tätig war. Seither widmet er sich vorrangig der Vermittlung traditionell afghanischer Kulturen in Deutschland und Europa.

Im Rahmen seiner Konzerte präsentiert er vor allem orientalische Musikinstrumente, wie zum Beispiel Rubab, Tanbur, Sarud, Bechertrommel und Tabla und verbindet dies mit der Vorstellung von Poesie und Brauchtum. In Betzdorf konnten die Konzertbesucher so ein abwechslungsreiches Programm erleben, das Dr. Schifta gemeinsam mit den Musikern Christian Schmerder, Andrea Mais und Farid Nijerabi bestritt. Letzterer war der Sohn des wohl bekanntesten Musikers in Afghanistan, der extra aus Straßburg angereist war.

Gemeinsam trommelten sie für den Frieden, spielten und sangen afghanische Volksweisen und intonierten auch Stücke aus der Feder von Dr. Schifta, der sich als Meister an der Laute zeigte. Auch Instrumente aus anderen Kulturkreisen der Welt kamen zu Gehör, wie etwa die Digeridoos der australischen Ureinwohner. Das ganze Konzert stand unter dem Motto »Solidarität Ost-West« und in mehreren Gedichten wurden die Zuhörer hier zum Nachdenken angeregt. Und wenn auch zur Zeit etwas skeptisch gab Dr. Schifta doch seiner Hoffnung Ausdruck, dass eines Tages »der Regen des Friedens über die Flammen des Hasses siegen wird«.

suk

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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