Für die IGS sind die Geschwister Scholl „nicht nur Namensgeber“
Sophie lebt

Die IGS Betzdorf-Kirchen trägt den Namen der Geschwister Scholl – und zeigt das auch bildlich. Die Goethe-Zeilen „Allen Gewalten zum Trutz sich (v)erhalten“ war deren Familienmotto. Sophie wäre am Sonntag 100 Jahre alt geworden.
  • Die IGS Betzdorf-Kirchen trägt den Namen der Geschwister Scholl – und zeigt das auch bildlich. Die Goethe-Zeilen „Allen Gewalten zum Trutz sich (v)erhalten“ war deren Familienmotto. Sophie wäre am Sonntag 100 Jahre alt geworden.
  • Foto: Rainer Schmitt
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

dach Betzdorf/Kirchen. Die Guillotine macht ihrem Leben am 22. Februar 1943 ein jähes Ende. Das Fallbeil trennt Sophie Scholls Kopf vom ihrem Körper. Scharfrichter Johann Reichhart wird später sagen, er habe noch nie jemanden so tapfer sterben sehen wie die damals 21-Jährige.
Sophie Scholl kämpfte im Widerstand gegen die Nazis. Ihr und der Name ihres Bruders Hans sind auf ewig mit der „Weißen Rose“ verknüpft. Jener Gruppierung, die sich mit Worten gegen Hitlers Barbareien stemmte. Mit Flugblättern versuchte sie, der breiten Masse von den Greueltaten ihrer Landsleute zu berichten.

Am Sonntag wäre Sophie Scholl 100 geworden

Als Sophie Scholl einen Stoß Flugblätter über die Brüstung in den Lichthof der Münchener Universität warf, wurde sie entdeckt. Wenige Tage später wurde sie gemeinsam mit ihrem Bruder und einem weiteren Mitstreiter hingerichtet. Am Sonntag wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden.
Im AK-Land ist der Name Scholl untrennbar mit der Schule an der Kirchener Straße in Betzdorf verbunden. Mittlerweile ist sie eine Integrierte Gesamtschule (IGS) mit Dependance in Kirchen, doch der Namenszusatz „Geschwister Scholl“, den sie bereits seit 1985 als Realschule getragen hatte, blieb – und mit ihm eine gewisse Verpflichtung.

Schüler bekommen eine weiße Rose

Dieses „Erbe“ nimmt die Schule auch heutzutage gerne an, wie im Gespräch mit der Schulleitung anklingt. „Alle Schüler bekommen beim Verlassen der Schule ein Zeugnis – und eine weiße Rose“, sagt Studiendirektorin Betty Berg-Bronnert. Doch es ist nicht wirklich diese Geste, die den Widerstandskampf von Hans und Sophie Scholl lebendig hält, sondern das immer wiederkehrende Befassen mit dem Thema. „Nicht nur Namensgeber“: So steht es auf der Internetseite der IGS. Und weiter: „Die Geschwister Scholl stehen für Werte wie Toleranz, Demokratie, Kritikfähigkeit, Freiheit, Nächstenliebe, Vernunft, Einsatzbereitschaft und Mut. [...] Auf unterschiedlichen Ebenen des Schullebens versuchen wir, dieser Verpflichtung nachzukommen.“ Dabei steht vor allem die Geschwister-Scholl-Woche, jedes Jahr im Februar, im Mittelpunkt. In der Oberstufe gibt es im Ethik- bzw. Religionsunterricht jeweils thematisch passende Projekte. Die 9. Jahrgangsstufen besuchen die Gedenkstätte in Hadamar. Die 7. Klassen beschäftigen sich mit jüdischer Vergangenheit in der hiesigen Region. Über alle Klassenstufen hinweg geht es an diesen Tagen um die Prävention von Rechtsextremismus. 2015 wurden auf Initiative der Schule „Stolpersteine“ vor dem Kirchener Krankenhaus verlegt, für die Familie Otto Moses. Die „Geschwister“ darf außerdem den Titel „Schule ohne Rassismus“ führen.

Kritikfähigkeit, Demokratie, Verantwortung

In einem Wertevertrag – den auch andere Schulen in Betzdorf und Kirchen abgeschlossen haben – setzt die IGS unter anderem Friedfertigkeit, einen respektvollen Umgang, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit voraus. „Kritikfähigkeit, Grundzüge demokratischen Verhaltens und die Übernahme von Verantwortung erarbeiten wir im Klassenrat und den weiteren Gremien der Schülervertretung“, heißt es weiter auf der Homepage.
Vor einigen Jahren hat man an der IGS die Demokratieerziehung als weiteren Baustein in die schulische DNA aufgenommen. In einem Erasmus-Projekt der EU soll sie ab kommenden Sommer gemeinsam mit der polnischen Partnerschule in Krapkowice vertieft werden.
Stolz ist vermutlich nicht unbedingt ein Attribut, das man Sophie Scholl zuschreiben würde. Eher Mut, Überzeugung oder eben Tapferkeit. Aber dennoch: Vielleicht wäre Sophie Scholl ein bisschen stolz, erführe sie, wie ihr Erbe an der IGS in Betzdorf und in Kirchen weitergetragen wird.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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