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THW Betzdorf noch in der Flutnacht vor Ort
„Sowas hab’ ich noch nicht gesehen“

Vor der Kraft des Wasser mussten auch zahlreiche
Brücken kapitulieren, wie diese Aufnahme des
Betzdorfer THW eindrucksvoll unter Beweis stellt.
  • Vor der Kraft des Wasser mussten auch zahlreiche
    Brücken kapitulieren, wie diese Aufnahme des
    Betzdorfer THW eindrucksvoll unter Beweis stellt.
  • Foto: THW Betzdorf
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

dach  Betzdorf/Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es beginnt relativ harmlos. Am frühen Abend macht sich ein Transporter des Betzdorfer THW auf den Weg nach Sinzig. An Bord sind 3600 leere Sandsäcke, die die Kollegen dort angefordert hatten. Einige Stunden später stehen die Kameraden aus dem Siegtal vor der vielleicht größten Zerstörung in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Männer und Frauen des Technischen Hilfswerks, Ortsverband Betzdorf, sind mit die ersten Helfer, die unmittelbar nach der Katastrophe vor knapp zwei Wochen im Ahrtal eintreffen. Ortsbeauftragter Ulrich Weber berichtet im Gespräch mit der SZ von einem Alarm gegen 22.20 Uhr am Abend. Die Fachgruppen Bergung und Notinstandsetzung machen sich auf den Weg. 18 Einsatzkräfte in drei Fahrzeugen.

dach  Betzdorf/Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es beginnt relativ harmlos. Am frühen Abend macht sich ein Transporter des Betzdorfer THW auf den Weg nach Sinzig. An Bord sind 3600 leere Sandsäcke, die die Kollegen dort angefordert hatten. Einige Stunden später stehen die Kameraden aus dem Siegtal vor der vielleicht größten Zerstörung in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die Männer und Frauen des Technischen Hilfswerks, Ortsverband Betzdorf, sind mit die ersten Helfer, die unmittelbar nach der Katastrophe vor knapp zwei Wochen im Ahrtal eintreffen. Ortsbeauftragter Ulrich Weber berichtet im Gespräch mit der SZ von einem Alarm gegen 22.20 Uhr am Abend. Die Fachgruppen Bergung und Notinstandsetzung machen sich auf den Weg. 18 Einsatzkräfte in drei Fahrzeugen. Für Strom und Beleuchtung sorgen, lautet der Auftrag aus der Ferne. Und: sich den Kollegen in Bad Neuenahr-Ahrweiler anschließen. „Doch die dortige THW-Unterkunft stand schon 2,50 Meter unter Wasser, samt Ausrüstung“, so Weber.

36 Stunden im Einsatz

Überhaupt: Erst einmal ist Hilfe aus der allergrößten Not angesagt. Und dass das nicht immer glimpflich abläuft, zeigt auch diese Katastrophe. „Leider Gottes hatten wie eine Totbergung“, berichtet der Ortsbeauftragte. Aber auch ihren eigentlichen Auftrag kommen die Betzdorfer nach, bauen eine Notstromversorgung in einer Notunterkunft in Heimerzheim auf. Weber: „Der Erzeuger läuft noch immer.“ Etwa 36 Stunden bleiben die THW’ler aus Betzdorf im Einsatz – wohlgemerkt mit bereits einem Arbeitstag in den Knochen. „Dann ist irgendwann Feierabend“, so Weber. Das THW schickt sogar Kräfte der Einsatznachsorge aus Baden-Württemberg nach Betzdorf, um sich um die Kameraden zu kümmern, die mit dem Leichenfund zu tun hatten.

In den Tagen danach wird die Pumpengruppe angefordert. Zunächst geht es an die mittlerweile am Nürburgring eingerichtete „Schaltzentrale“, von dort schließlich nach Bad Neuenahr-Ahrweiler selbst. Eine Jugendherberge, eine Kita, eine Schule und diverse Wohnhäuser: Überall müssen die Kellergeschosse ausgepumpt werden. Dabei gebe es immer den Gedanken, hoffentlich dort niemanden mehr zu finden. Weber: „Das ist immer im Hinterkopf.“ Schlussendlich geht es ins Klärwerk nach Sinzig, wo das Betzdorfer THW mit seinen Gerätschaften einen defekten Zulauf überbrückt. „Sonst hätten viele Leute nicht mehr auf die Toilette gehen dürfen“, erklärt er.
Täglich fahren frische Kräfte vom Siegtal ins Katastrophengebiet. 42 Leute stünden im Idealfall zur Verfügung. In der Urlaubszeit aber sei dies nicht zu machen. Von daher kommt der Ortsbeauftragte, der in erster Linie von Betzdorf aus Organisationsarbeit erledigt, im Namen seiner Mitstreiter zu der Erkenntnis: „Es geht an die Substanz.“

Zerstörung beispiellos

Seit 52 Jahren ist Ulrich Weber beim THW, sagt von sich: „Ich war an der Oder, ich war an der Elbe.“ Von daher hat es durchaus eine Bedeutung, wenn ein Mann mit so viel Erfahrung zu dem Schluss kommt: „Sowas hab’ ich noch nicht gesehen.“ Die TV-Bilder und Pressefotos gäben nicht annähernd das wieder, wie es vor Ort wirklich aussehe. „Dieses Ausmaß, diese Zerstörung. Da liegen beispielsweise hundertjährige Eichen. Und kein Mensch weiß, wo die herkommen.“

Bis auf einen THW’ler, der in der Nacht zu Donnerstag zum Stab auf dem Nürburgring gestoßen ist, sind derzeit alle Einsatzkräfte zu Hause. Zwar geht Ulrich Weber im Moment nicht davon aus, dass sie noch mal ins Ahrtal alarmiert werden. Aber: Wenn noch was kommt: Wir sind bereit.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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