Caritas hat Angebote trotz Corona aufrechterhalten
Soziale Anker in der Pandemie

Stellten am Montag den Jahresbericht der Caritas Betzdorf vor: Jannis Ließfeld, Eberhard Köhler, Monika Lautwein, Christine Haubrich und Irene Fuhrländer (v. l.).
  • Stellten am Montag den Jahresbericht der Caritas Betzdorf vor: Jannis Ließfeld, Eberhard Köhler, Monika Lautwein, Christine Haubrich und Irene Fuhrländer (v. l.).
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thor Betzdorf. Es ist ein Jahresbericht, keine Frage. Aber eigentlich wird ihm dieser Titel nicht so wirklich gerecht. Vielleicht zum allerersten Mal. Denn was Caritas-Direktor Eberhard Köhler da am Montag in Betzdorf präsentierte, war eine Bestandsaufnahme, das Zwischenergebnis einer Entwicklung, deren Ende nur schwer abzusehen ist – weil das Virus eben keine Jahreszahl kennt und seine „Arbeit“ nicht zum 31. Dezember 2020 eingestellt hat. Corona hat die Mitarbeiter der Caritas und natürlich die ihnen anvertrauten Menschen mit Wucht getroffen.

Wenn es denn eine Botschaft für das Jahr 2020 gibt, dann die: Die Caritas hat standgehalten. Ob in der Jugendhilfe, der Suchtberatung oder bei Arbeitsmaßnahmen – überall war auf die sozialen Anker Verlass. Und warum? „Die Angst war groß, aber sie hat keinen Raum bekommen.“ Treffender als Dipl.-Sozialpädagogin Christine Haubrich (Gemeindepsychiatrie) kann man es nicht ausdrücken. Und bei allen behördlichen Restriktionen, Kontaktbeschränkungen und Unwägbarkeiten, die dieses Jahr 2020 mitgebracht hat, will auch Eberhard Köhler festgehalten wissen: „In vielen Punkten hat sich das Ideal von Caritas gezeigt.“ Es habe eine unglaubliche Dynamik in der Arbeit gegeben. „Ich bin auf die Truppe unheimlich stolz.“

"Die Angst war groß,
aber sie hat keinen
Raum bekommen."

Christine Haubrich
Dipl.-Sozialpädagogin

Zunächst aber hieß es auch für sämtliche Dienste mit Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr: improvisieren. Köhler musste nach eigenen Angaben schnell lernen, Verantwortung in die einzelnen Fachteams abzugeben. So habe man schnell innerhalb der Caritas „föderale“ Strukturen aufgebaut, meinte der Direktor.

Große Solidarität erlebt

Christine Haubrich erzählte von Open-Air-Gruppentreffen im großen Garten der „Weißen Villa“ an der Sandstraße in Kirchen: „Wir sind alle so Naturfreaks geworden.“ Dadurch (und durch geteilte Gruppen) sei es möglich gewesen, die Arbeit fortzusetzen. Sie habe eine große Solidarität erlebt, berichtete die Teamleiterin. Und mancher Teilnehmer habe durch die neuen Rahmenbedingungen auch mehr Selbstständigkeit gelernt, was letztlich zu einem höheren Selbstwertgefühl führe.

Auch Kollegin Monika Lautwein, Leiterin des Fachteams „Integration durch Arbeit“, musste neue Wege beschreiten, gerade auch in der Kommunikation. „Was gefehlt hat, waren die Gruppenangebote. Das hat eine große Lücke gerissen.“ Und man habe gesehen, wie die Frustrationstoleranz gesunken sei. Denn plötzlich seien kaum mehr Praktika als Joböffner möglich gewesen. Aber, so Lautwein: „Wir sind sehr gut durchgekommen, kein einziges Projekt ist weggebrochen.“

Pandemie hat Familien überfordert

Die vielleicht gravierendsten Auswirkungen waren beim Fachteam „Mobilé“ zu spüren, wo es u. a. um die Familienhilfe geht. Hier hat Teamleiterin Irene Fuhrländer eine klare Entwicklung der Pandemie beobachtet. Am Anfang seien die Einschränkungen noch gut verkraftet worden. „Je länger das aber gedauert hat, hat man gemerkt, die Familien sind einfach nur noch überfordert.“ Von manchem Elternteil habe sie zuletzt gehört: „Ich kann einfach nicht mehr.“ Dabei sind laut Fuhrländer vor allem Kinder die Leidtragenden. Viele seien passiv und lethargisch geworden. Ähnliche Erfahrungen, wie von den drei Teamleiterinnen geschildert, dürften auch in den anderen Fachdiensten gesammelt worden sein.

In diesem Jahr lautet das Caritas-Motto jedenfalls „Das machen wir gemeinsam“. Köhler hofft, dass dies in jeder Hinsicht auch so umzusetzen sein wird. Wie sich Corona mit seinen Langzeitfolgen mittelfristig auf die Arbeit auswirken wird, vermag er derzeit noch nicht abzuschätzen. Die Befürchtung des Direktors geht auch in eine finanzielle Richtung: Die unbürokratischen Regelungen, wie man sie noch 2020 erlebt habe, könnten schnell wieder Geschichte sein. Und zudem könnte der Schuldenabbau in Konkurrenz zur Sozialarbeit treten, indem u. a. bei der Eingliederungshilfe gespart wird.

Wer sich genauer über die Arbeit der Caritas informieren will, kann den sehr detaillierten Jahresbericht auf der Homepage finden.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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