Spitzfindig wie eh und je

Volles Haus bei der Abschiedstour-Premiere des Kabaretts Stocheisen

sbh Betzdorf. Passend zum Programm »Total global...und tschüss«, platzte die Scheune in Betzdorf am Samstagabend aus allen Nähten und verdeutlichte so das globale Thema der Überbevölkerung. Viele waren zur Premiere der Abschiedstour des Stocheisens gekommen, um sich Augen und Ohren für neue und alte Spitzfindigkeiten aus internationaler und regionaler Politik auf bissig bis makabre Weise zu Gemüte zu führen. Die Globalisierung diene nur den Reichen, was an der Reisetätigkeit einer Jeans und der Tatsache, dass ein Krieg noch nie wegen Geldmangels abgesagt worden ist, verdeutlicht wurde. Eine Anleitung, wie man der Gesundheitspolitik und der Gesellschaft von Nutzen sein könnte, erhielt das Publikum und Karl-Heinz Buhl als Patient von Doktor Walter Ecker: »Gehen Sie nach Hause und kümmern Sie sich um ein sozial verträgliches Ableben.«

Positiver ging es auf dem Arbeitsamt zu. Inge Ecker, K.-H. Buhl und Ulrich Höh sind in den drei Jahren gute Freunde geworden und haben ein Ohr für die Probleme ihrer Vermittler. Wenigstens sie sind froh, dass die Sache mit den Job-Centern nicht funktioniert. Wobei es dann Höh doch noch erwischt hat. Er arbeitet jetzt »fürs Fernsehen«, als Quotengucker schaffe er sogar Arbeitsplätze, erklärt er. Von Sorgen und Nöten des Harry aus den USA erfuhr Frau Lacher (I. Ecker) vom Sorgentelefon der Lebensberatung in »Humanitas elektra«. Aber es wäre wohl gelacht, wenn es der kundigen Dame nicht gelänge dem Todeskandidaten Lust auf seine drohende Hinrichtung auf dem hochwertig verarbeiteten Stuhl zu machen.

Wem diese Not zu fern war, der konnte sich eventuell bei der »Gesprächskultur« wiederfinden. Ein vermutlich lang verheiratetes Paar redete gekonnt aneinander vorbei und war sich am Ende doch so einig und nah. Sie fand, dass sie sich selten so gut unterhalten hätten und er konterte: »Ja, jetzt wo du es sagst, riech ich es auch.« Für reichlich Qualm sorgte der »Kettenraucher-Blues« und er bot ebenso reichlich Quellen für neue Steuern, z. B. aufs Nichtrauchen/-saufen/-extremsportlern.

Aufgetischt wurden »maximale Ehrlichkeiten« über die zu erwartenden Zusatzstoffe im Essen und wem da noch nicht der Appetit vergangen war, der konnte beim »Nord-Süd-Konflikt« Ulrich Höh lauschen, der seiner spendenwilligen Frau klar zu machen versuchte, dass abgelaufene Fieberzäpfchen nicht wirklich in der 3. Welt gebraucht würden – »nein, auch nicht als Knöpfe für Lodenmäntel«. Direkt vor der Haustür wurde auch gekehrt. Walter Ecker gab Auskunft darüber, dass, wenn die Betzdorfer einen U-Bahnhof statt eines Busbahnhofs beantragt hätten, alles ganz anders gekommen wäre. Alles eine Sache des Standpunktes, doch den sollte man kennen. Bevor man »Quo vadis« fragt, ging es ganz aktuell weiter im Programm über Abgründe der Politik.

In den Klassikern »Volkszählungs-Song«, »Rühe in Frieden« und anderen Liedbeiträgen, ging es teils mit schwarzem Humor und teils sozialkritisch zu. Oft noch sehr aktuell waren die früheren Nummern, wie z. B. die Sache mit dem Reality-TV (von 1993). Beim »Literarischen Seminar« sächselte Karl-Heinz Buhl hervorragend und brachte dem Publikum die Dichtung nahe. Es fehlte auch nicht an ungeplanter Situationskomik, so vergriff sich der Pianist Ecker gekonnt in den Tasten, was mit heiterer Gelassenheit pariert wurde. Nach über zwei Stunden Programm mit dem Abschlusslied »...und tschüss« sagten die Kabarettisten »...und danke«. Sie wurden jedoch nicht ohne Zugaben in den Ruhestand entlassen. »Wunderboar« könnte man à la Buhl nach der erfolgreichen Premiere sächseln.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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