Ehepaar aus dem Daadener Land vor dem Kadi
Sprengkapsel im Kleiderschrank

In der Wohnung des Ehepaars wurde Cannabis, Munition und Pyrotechnik gefunden.
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nb Betzdorf. Verborgen unter Decken: ein ordentlicher Vorrat Cannabis. Ganz offen herumliegend: eine Langwaffe und jede Menge Munition. Zudem fanden die Polizisten bei der Durchsuchung einer Wohnung im Daadener Land Pyrotechnik und – im Kleiderschrank – eine Sprengkapsel.

Eigentlich hatte die Durchsuchung am 22. August 2019 dem Zimmer des Sohnes von Ehepaar B. gegolten, doch dann machten die Beamten in der restlichen Wohnung die genannten Funde. Und so mussten Sven B. und seine Frau Martina (Namen geändert) vor der Schöffenkammer des Amtsgerichts Betzdorf Platz nehmen. Es war kein alltäglicher Fall. Und einer, bei dem es um juristische Feinheiten ging.

Angestellt bei einer Ausbildungsstätte der Bundespolizei

Rund 62 Gramm Marihuana – aufgeteilt in zwei unterschiedlich große Portionen – wurden laut Anklageschrift in der Wohnung entdeckt. Für die diversen Waffen konnte das Paar die nötigen Besitzkarten vorweisen. Allerdings war da ja noch die nur für „behördliche Zwecke“ zugelassene Pyrotechnik, die Behördenmunition und die Sprengkapsel. Das Brisante: Sowohl Sven B. als auch seine Frau waren zu diesem Zeitpunkt als Angestellte bei einer Aus- und Fortbildungsstätte der Bundespolizei beschäftigt. Und zwar im Vorzimmer der Waffenkammer bzw. in der Waffenkammer selbst.
Allerdings nur bis zu besagtem 22. August. „Das war der Tag an dem ich dann arbeitslos geworden bin“, kommentierte Sven B. die Hausdurchsuchung lakonisch.

„Letztlich muss ich denen noch dankbar sein.“

Der 43-Jährige, der den Kirchener Verteidiger Marcel Arnal an der Seite hatte, erzählte, wie es dazu kam, dass er teils täglich Marihuana konsumierte. Alles begann demnach mit dem Unfall eines Freundes. Jede Nacht Albträume, jede Nacht sei er schweißgebadet aufgewacht. Erst habe er versucht, die Träume mit Alkohol zu bekämpfen, später griff er zum Joint.

Und die Pyrotechnik, die Sprengkapsel und die Munition? Die hingen laut Sven B. mit seinem damaligen Job zusammen. Die Behördenmunition habe er von einem Polizeibeamten bekommen – zur Aufbewahrung und zum unbürokratischen Ersetzen von Fehlmunition. Die übrigen Utensilien stammten demnach aus diversen Quellen – u. a. aus dem Internet. Und: Schaden hätte er damit nicht anrichten können. Genutzt habe er das Material zum Anschauungsunterricht für Nachwuchspolizisten. Damit die so etwas „auch mal gesehen“ hätten.

Sven B. konnte dem eigentlich so unangenehmen Tag 2019 sogar noch etwas Positives abgewinnen, zumindest in Bezug auf die Drogensucht, die er jetzt hinter sich habe: „Letztlich muss ich denen noch dankbar sein.“

Mit dem Sprengstoff habe sie nichts zutun

Zu „denen“, also den Polizisten, gehörte auch eine Kripobeamtin der Inspektion Betzdorf. „Munition war eigentlich überall vorhanden“, erinnerte sie sich an das Bild, das sich ihr geboten hatte.

Dass bei Martina B. der Schock nach besagtem Tag tief saß, war ihr nach wie vor anzumerken. Eben noch bei der Arbeit, hatte sie sich plötzlich in Polizeigewahrsam befunden. „Ich hab’ einfach nur Ja und Amen gesagt“, kommentierte die 37-Jährige die Tatsache, dass sich ihre jetzige Aussage teilweise von der damals bei der Polizei gemachten unterschied.

Zu ihrem Werdegang hatte sie zunächst Angaben gemacht. Zur Sache bezog sie über ihren Anwalt Daniel Walker (Betzdorf) Stellung: Seine Mandantin, so Walker, räume den Besitz von Marihuana ein – dabei habe es sich um eine Menge von rund 14 Gramm gehandelt. Von der wesentlichen größeren Portion hab sie nichts gewusst. Und auch mit dem Sprengstoff und der Munition habe sie nichts zu tun.

Ein Jahr auf Bewährung und Geldstrafen

Die Marihuana-Portionen-Frage war eine entscheidende. Denn bei gemeinsamem Besitz wäre die Grenze zur nicht geringen Menge überschritten gewesen. Und genau davon ging Staatsanwalt Tobias Erfgen aus: „Es gab einen gemeinsamen Bestand, von dem bediente man sich.“ Auch wollte er Martina B. nicht glauben, dass sie von Pyrotechnik und Munition nichts wusste. Er beantragte jeweils eineinhalb Jahre Haft auf Bewährung. Ganz anders sahen das erwartungsgemäß die Verteidiger. Marcel Arnal wies u. a. auf die unterschiedlichen Behältnisse hin, in denen die Drogen aufbewahrt wurden, und auch deren unterschiedlichen Wirkstoffgehalt. Er sah für seinen Mandanten die Geldstrafe als Mittel der Wahl, während Daniel Walker für seine Mandantin einen Freispruch forderte. Die Kammer unter Vorsitz von Beatrice Haas folgte der Argumentation der Verteidigung – ihr Urteil sah dann so aus: Sven B. bekam ein Jahr auf Bewährung, zudem muss er 500 Euro an die „Brücke“ zahlen und mit vier Drogenscreenings nachweisen, dass er „clean“ ist. Seine ebenfalls nicht vorbestrafte Frau erhielt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 25 Euro.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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