Stirbt die Rücksicht aus?

Schwerbehinderten-Parkplätze sind in Betzdorf oftmals von Unberechtigten belegt

sz Betzdorf. Dietrich Fuchsberger, seit nunmehr 19 Jahren Scheuerfelder Bürger, kann es nicht verstehen: »Nur aus reiner Bequemlichkeit oder um ein paar Cent Parkgebühren zu sparen, ist die Haltebucht oberhalb des Gerberparkplatzes an der Friedrichstraße besonders an den Marktagen ständig von Dauerparkern blockiert. Das ärgert mich am meisten.« Und in der Tat: Das Verkehrsschild »Eingeschränktes Halteverbot« erlaubt hier lediglich kurzfristiges Halten zum Ein- oder Aussteigen bzw. Be- und Entladen. Ladegeschäfte müssen ohne Verzögerung durchgeführt werden. Das Halten über drei Minuten ist hier verboten.

Für den schwerbehinderten Dietrich Fuchsberger, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, bedeutet dies, dass er und seine Frau hier keinen Platz zum Aussteigen vorfinden und somit die Sparda-Bank nur schwer erreichen können. »An Markttagen sehen wir hier häufig, wie Marktbesucher, schwerbepackt mit ihren Einkäufen, zu ihren Fahrzeugen zurückkommen, die dort oft über eine Stunde widerrechtlich geparkt worden waren.« Er meint weiter: »Da sind die großen Städte viel rigoroser.« Und er berichtet von einem Erlebnis in Mainz, wo kürzlich ein Beinamputierter eine Verwarnung erhielt, weil er im eingeschränkten Haltverbot geparkt hatte! »Hier in Betzdorf wird das nicht so streng gehandhabt, und da sollten die Verkehrsteilnehmer auch einmal dran denken,« fügt er hinzu.

Der Scheuerfelder legt großen Wert darauf, kein »Meckerer« sein zu wollen, sondern er möchte lediglich zum Nachdenken anregen. »Ich habe es mir auch abgewöhnt, mit den Leuten darüber zu diskutieren, denn da wird man meist nur noch barsch oder sogar massiv angegangen.« Doch der Schwerbehinderte, der vor rund vier Jahren kurze Wege, wenn auch sehr mühsam, noch zu Fuß bewältigen konnte, hat auch positive Erlebnisse. So sprach er in Siegen den Geschäftsführer eines Baumarktes an wegen der Verbesserung der Parksituation für »Rollifahrer«, worauf dieser spontan erklärte: »Das ist eine gute Anregung und ich muss gestehen, darüber habe ich noch gar nicht nach gedacht.«

Auch in Betzdorf gibt es noch die eine oder andere Verbesserungsmöglichkeit, so z.B. am »Mobimit«-Möbelmarkt, wo durch Falschparker die Auffahrrampe für Rollstuhlfahrer oft blockiert wird. Doch die Anzahl der Schwerbehinderten-Parkplätze und deren Platzierung in Betzdorf reicht, so jedenfalls Fuchsberger, vollkommen aus. Wenn – und das ist das Hauptproblem – nicht immer wieder rücksichtslose Zeitgenossen ausgerechnet hier ihr Fahrzeug unberechtigt parken würden. Er schüttelt im Gespräch mit unserer Zeitung den Kopf über die abenteuerlichsten und dümmlichsten Ausreden, die dann oft zu hören sind.

Widerrechtliches Parken auf einem Schwerbehinderten-Parkplatz wird mit dem höchsten Verwarngeldbetrag, nämlich 35 Euro geahndet. Berechtigt sind nur Personen mit der blauen Schwerbehindertenkarte mit Rollstuhlfahrersymbol und Behindertenstatus »aG« (»außergewöhnlich gehbehindert«). Das Auslegen allein eines normalen Schwerbehindertenausweises genügt nicht. In der Vergangenheit wurden bereits besonders Rücksichtslose von den Betzdorfer Ordnungshütern erwischt, die sich mit der blauen Karte des längst verstorbenen Opas, der Oma oder einer illegal angefertigten Farbkopie Parkraum »erschleichen« wollten.

Nicht vergessen werden sollte von anderen Verkehrsteilnehmern auch bitte, so Fuchsberger, dass Rollstuhlfahrer zum Ein- und Aussteigen mehr Platz benötigen und die Fahrzeugtüren weit öffnen müssen. »Doch mit ein wenig mehr Rücksicht und Mitdenken braucht das alles kein Problem sein.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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