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Mann aus Wallmenroth wurde von den Nazis vergast
Stolperstein für Paul Jünger "beantragen"

Das Grab von Otto Schneider auf dem Wallmenrother Friedhof.

dach Wallmenroth. Stolpersteine – kaum ein anderes Projekt hält die Mahnung an die Verbrechen der Nazis derart wach wie die groß angelegte Initiative des Künstlers Gunter Demnig. Im AK-Land hatte das Verlegen dieser Steine in Herdorf, u. a. für die Geschwister Dendel, im Oktober zuletzt ein Schlaglicht auf die Erinnerungskultur als solches und auf die einzelnen Schicksale geworfen.
"Auf grausamste Art ermordet"
Dabei kam Wallmenroths Ortsbürgermeister Michael Wäschenbach, der in seiner Funktion als Landtagsabgeordneter der Aktion beiwohnte, mit Carsten Trojan ins Gespräch. Der Architekt hatte den Geschichten der Herdorfer Opfer nachgespürt und war maßgeblich daran beteiligt, dass Künstler Demnig im Hellertal zu Traufel und Gummihammer griff.

dach Wallmenroth. Stolpersteine – kaum ein anderes Projekt hält die Mahnung an die Verbrechen der Nazis derart wach wie die groß angelegte Initiative des Künstlers Gunter Demnig. Im AK-Land hatte das Verlegen dieser Steine in Herdorf, u. a. für die Geschwister Dendel, im Oktober zuletzt ein Schlaglicht auf die Erinnerungskultur als solches und auf die einzelnen Schicksale geworfen.

"Auf grausamste Art ermordet"

Dabei kam Wallmenroths Ortsbürgermeister Michael Wäschenbach, der in seiner Funktion als Landtagsabgeordneter der Aktion beiwohnte, mit Carsten Trojan ins Gespräch. Der Architekt hatte den Geschichten der Herdorfer Opfer nachgespürt und war maßgeblich daran beteiligt, dass Künstler Demnig im Hellertal zu Traufel und Gummihammer griff.
Schnell wurde aufgrund eines Tipps aus Betzdorf und Trojans Recherche klar: Auch in Wallmenroth gab es seinerzeit ein Opfer der NSDAP-Euthanasiepolitik. Der damals 33-jährige Paul Jünger wurde in Hadamar getötet.

Paul Jünger wurde 1907 in Wallmenroth geboren

Paul Jünger wurde am 27. November 1907 in Wallmenroth geboren. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde er in die Anstalt Herborn aufgenommen, wie es auf Auskunft vonseiten der Gedenkstätte Hadamar heißt. Demnach galt Herborn als sogenannte Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Hadamar.
Am 25. Februar 1941 gelangte Paul Jünger mit 70 weiteren Patienten nach Hadamar. Dort wurden die Ankömmlinge in der Regel am selben Tag in der dafür eingerichteten Gaskammer getötet, die Leichen daraufhin eingeäschert. Todesursache und -datum wurden gefälscht, um Behörden und Angehörige zu täuschen, heißt es weiter.
Die offizielle Information lautete damals, Paul Jünger sei am 12. März 1941 an einer Stauungsbronchitis mit anschließender Kreislaufschwäche plötzlich verstorben. Allerdings ist die Patientenakte von Paul Jünger nicht mehr auffindbar. Nähere Angaben zur Kranken- und Verfolgungsgeschichte könnten also nicht gemacht werden, so die Gedenkstätte.

Politik will Stolperstein für Paul Jünger

Diese Informationen genügten Ortsbürgermeister Wäschenbach allerdings, um sie zuletzt bei der digitalen Sitzung des Dorfentwicklungs-, Demographie- und Generationenausschusses zu thematisieren. Und er wusste zu berichten: Es gebe das Wohnhaus noch. Das steht demnach an der Hauptstraße 59. Das ist insofern bedeutsam, als dass Stolpersteine stets vor den Meldeadressen der Opfer in den Boden eingelassen werden. Der Ausschuss sprach sich einstimmig dafür aus, das Ansinnen, einen solchen Stein für Paul Jünger zu erwirken, seitens der Ortsgemeinde weiter zu verfolgen.
„Der Fall war mir völlig unbekannt“, sagte Wäschenbach auf Nachfrage der SZ. Bei der Ausschusssitzung hatte er aber darauf hingewiesen, dass er im Jahr 2015 schon einmal in ähnlicher Weise aktiv geworden sei. Damals war sein Ansinnen, für die 30 Wallmenrother, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind oder seitdem vermisst werden, einen Stolperstein zu erhalten. Demnigs Initiative gilt aber ausdrücklich als Projekt, das „die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner / Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig erhält“.
Nichtsdestotrotz schwebt dem Ortsbürgermeister vor, zumindest zu versuchen, auch einen Stolperstein für einen jungen Mann zu bekommen, der seinerzeit „am Rande des Friedhofs verscharrt worden ist“. Otto Schneider hatte sich nach seiner Einberufung und „schrecklicher Angst vor der Front“ im Februar 1945 das Leben genommen. Damals habe er daraufhin als Fahnenflüchtiger gegolten. Wäschenbach hat eine andere Sicht auf die Dinge: „Für mich ist er ein Widerstandskämpfer.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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