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Existenzen massiv gefährdet
Studios fordern klare Öffnungsperspektive

Haben eine Menge Wut und Enttäuschung im Bauch: Rüdiger Schneider (vorne) und seine Kollegen Peter Rasche, Gazmend Ziba und Heiko Morgenschweis (v. l.) werben eindringlich dafür, die Fitness- und Gesundheitsstudios so schnell wie möglich wieder zu öffnen.
  • Haben eine Menge Wut und Enttäuschung im Bauch: Rüdiger Schneider (vorne) und seine Kollegen Peter Rasche, Gazmend Ziba und Heiko Morgenschweis (v. l.) werben eindringlich dafür, die Fitness- und Gesundheitsstudios so schnell wie möglich wieder zu öffnen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Betzdorf. Montagmittag: Während unten im Siegtal vor einem Baumarkt kaum noch ein Parkplatz zu bekommen ist, herrscht weiter oben am Berg gähnende Leere. Rüdiger Schneider steht in seiner verwaisten „Körperwelt“, seit Anfang November ist hier keine einzige Hantel mehr gestemmt worden, kein Schweiß auf einem Laufband geflossen. Und niemand weiß, wann das wieder erlaubt sein wird. „Ich bin zum ersten Mal echt nervös. Es ist keine Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, beschreibt der Unternehmer seine Gemütslage.
Studios müssen eher heute als...

thor Betzdorf. Montagmittag: Während unten im Siegtal vor einem Baumarkt kaum noch ein Parkplatz zu bekommen ist, herrscht weiter oben am Berg gähnende Leere. Rüdiger Schneider steht in seiner verwaisten „Körperwelt“, seit Anfang November ist hier keine einzige Hantel mehr gestemmt worden, kein Schweiß auf einem Laufband geflossen. Und niemand weiß, wann das wieder erlaubt sein wird. „Ich bin zum ersten Mal echt nervös. Es ist keine Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, beschreibt der Unternehmer seine Gemütslage.

Studios müssen eher heute als morgen öffnen

Doch nicht nur für Schneider ist mittlerweile die Schmerzgrenze in vielerlei Hinsicht erreicht: Gemeinsam mit anderen Inhabern von Fitness- und Gesundheitsstudios aus der Region fordert er im Gespräch mit der SZ endlich eine klare Perspektive für die Branche. Mehr noch: Die Studios müsste eher heute als morgen wieder öffnen dürfen.
Rüdiger Schneider, Heiko Morgenschweis („Atlas“ Sport, Betzdorf), Peter Rasche („Impuls“ Daaden) und Gazmend Ziba („Motionsport“ Wissen) blicken allesamt auf zwölf extrem schwierige Monate zurück. Die meiste Zeit blieben die Studios geschlossen, die Unternehmer haben viel Geld und Mitglieder verloren. Die klare Ansage: Geht es noch bis September so weiter, werde man auch über Existenzen sprechen müssen.

Wichtige Kunden zum Jahresbeginn gehen verloren

Die Fitness-Studios haben auf unterschiedliche Art auf die Schließungen reagiert: mit dem Aussetzen von Beiträgen, mit Gutschriften und Gutscheinen, mit Ruhemonaten und vielem mehr. Alle Modelle haben eins gemein: Sie untergraben mittelfristig die Wirtschaftlichkeit eines jeden Studios. Jede Kündigung – in der „Körperwelt“ sind es laut Schneider rund 50 pro Monat – schlagen sofort ins Kontor, die Gutschriften, also das kostenlose Trainieren nach Vertragsablauf analog zu den ausgefallenen Monaten, kommen einer tickenden Zeitbombe gleich. Denn die fehlenden Einnahmen schlagen dann mit Verspätung auf, und zwar mit Wucht. „Die Liquidität fehlt einfach in der Zukunft“, sagte Ziba. Inzwischen seien die Reserven komplett aufgebraucht. „Dieser Zustand bis September? Das geht einfach nicht.“ Auch Morgenschweis spricht von einem unkalkulierbaren „Rattenschwanz“.

Die Krux: Die Studios schreiben normalerweise in den ersten drei Monaten eines Jahres so viele neue Verträge, mit denen sie Kündigungen im Jahresverlauf locker kompensieren können. Diese wichtige Basis fehlt. Viele langjährige Kunden, so war zu hören, halten weiter die Treue – wobei jeder Studiobesitzer auch schon seine persönliche Enttäuschung hinter sich hat.

Auch die sozialen Kontakte gehen flöten

Dabei haben die Unternehmer nicht nur das rein Monetäre im Blick: Es gebe auch einen Verlust an Freundschaften und sozialen Kontakten. Viele Menschen seien nicht nur zum Trainieren gekommen, sondern einfach um ein bisschen mit Gleichgesinnten zu quatschen. Auch die emotionale Bindung an das Studio gerät ins Wanken. Schneider hört dieser Tage oft: „Euch als Team vermissen wir, das Studio aber nicht.“

Fitnessstudios bleiben geschlossen

Sorgen bereitet überdies der Umstand, dass viele körperliche Beschwerden bei früheren Kunden zurückkehren könnten, Stichwort Prävention. Peter Rasche: „Vielen ist gar nicht bewusst, was wir den Ärzten für eine Arbeit abnehmen.

"Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht"

Der Stachel der Enttäuschung sitzt auch deshalb so tief, weil man fest von den eigenen Hygienekonzepten überzeugt ist. Überhaupt sei man nach wie vor bestrebt, den Verantwortlichen Lösungen anzubieten, betont Ziba. Da geht Morgenschweis noch einen Schritt weiter: „Wir rechtfertigen uns, obwohl wird das eigentlich gar nicht müssen. Wir haben all unsere Hausaufgaben gemacht.“

Den Studiobesitzern ist klar, dass bei einer Öffnung nicht sofort wieder „volles Haus“ gelten kann. Das wollen sie auch gar nicht, obwohl dieser Neuanfang vermutlich extrem schwierig wird. Rasche rechnet mit einem vollen Personaleinsatz, weil vielen Kunden erst wieder die Basics vermittelt werden müssten.
Im Mai zu öffnen, wäre daher nach Einschätzung von Schneider überlebenswichtig: „Dann kommen wir mit zwei dunkelblauen Augen davon.“ Jeder spätere Zeitpunkt wäre fatal: „Wenn wir in der Schönwetterphase öffnen, fällt das genau in unsere Saure-Gurken-Zeiten.“ Dann sind Neukunden genauso schwer zu akquirieren wie mitten im Lockdown.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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