SZ

Am Ende blieb nur noch ein Trümmerhaufen
Szenen einer kaputten Ehe

Ein 37-Jähriger soll seine Noch-Ehefrau beinahe mit einem Kissen erstickt haben. Jetzt gab's vor Gericht die Quittung.
Foto: SZ-Archiv
  • Ein 37-Jähriger soll seine Noch-Ehefrau beinahe mit einem Kissen erstickt haben. Jetzt gab's vor Gericht die Quittung.
    Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Mudersbach. Am Ende von zwölf Ehe-Jahren ist nur noch ein Trümmerhaufen übriggeblieben – und genau den musste Richterin Anke Puntschuh am Montag durchwühlen. Denn bei Alex und Sandra T. (Namen geändert) sind am Ende der gemeinsamen Zeit die Fetzen geflogen, und zumindest der 37-Jährige bekam jetzt dafür die Quittung. Er saß auf der Anklagebank des Amtsgericht, und am Ende kassierte er eine Freiheitsstrafe.

Schenkt man seiner 32-jährigen Noch-Ehefrau Glauben, dann ist sie mehr als nur einmal von ihrem Mann geschlagen worden – vor allem dann, wenn Alkohol im Spiel war, seien die Streitigkeiten völlig aus dem Ruder gelaufen. Und obwohl Sandra T.

damo Mudersbach. Am Ende von zwölf Ehe-Jahren ist nur noch ein Trümmerhaufen übriggeblieben – und genau den musste Richterin Anke Puntschuh am Montag durchwühlen. Denn bei Alex und Sandra T. (Namen geändert) sind am Ende der gemeinsamen Zeit die Fetzen geflogen, und zumindest der 37-Jährige bekam jetzt dafür die Quittung. Er saß auf der Anklagebank des Amtsgericht, und am Ende kassierte er eine Freiheitsstrafe.

Schenkt man seiner 32-jährigen Noch-Ehefrau Glauben, dann ist sie mehr als nur einmal von ihrem Mann geschlagen worden – vor allem dann, wenn Alkohol im Spiel war, seien die Streitigkeiten völlig aus dem Ruder gelaufen. Und obwohl Sandra T. ihrem Sohn gerne einen Vater geboten hätte und obwohl sie sich selbst eine funktionierende kleine Familie gewünscht hätte, zog sie die Reißleine: Im Oktober 2018 hat sie dem Haus in Mudersbach endgültig den Rücken gekehrt.

Lediglich am 1. Februar 2019 kehrte sie noch einmal zurück: Sie wollte ihren Sohn übers Wochenende zu ihrem Noch-Ehemann bringen und zugleich ein paar Sachen abholen. Am Ende musste sie froh sein, mit ein paar Prellungen davongekommen zu sein.

Denn der Besuch in ihrem früheren Heim muss komplett schiefgegangen sein. Von Anfang an herrschte eine aggressive Stimmung, berichtete die junge Mutter im Zeugenstand. Und im Gästezimmer, wo ihre restlichen Habseligkeiten gelagert waren, eskalierte der Streit dann: Alex T. habe sie mehrfach mit der Faust derart heftig ins Gesicht geschlagen, dass ihr Kopf gegen eine Schrankwand geknallt sei. Dann habe er sie aufs Bett geschubst und versucht, ihr das Oberteil auszuziehen. Zudem habe er ihr ein Kopfkissen aufs Gesicht gepresst, und zwar so lange, bis sie kurz vor der Bewusstlosigkeit gestanden habe: „Jetzt kannst du kurz zum letzten Mal Luft schnappen. Dann bringe ich dich um.“

Dazu kam es nicht: Die zierliche Frau mobilisierte alle Kräfte und schob ihren deutlich kräftigeren, aber stark alkoholisierten Noch-Ehemann zur Seite. Sie sprang auf, flüchtete in ein angrenzendes Badezimmer und schickte einem Bekannten eine SMS: Er solle die Polizei alarmieren. Sie selbst traute sich nicht, bei der Polizei anzurufen – Alex T. habe vor der Tür gelauert, und wer könne schon wissen, wie er reagiert hätte?

Offenbar hat die junge Frau schon viele Gewalterfahrungen machen müssen. Einmal habe der 37-Jährige sie die Treppe runtergeschubst, alle paar Wochen habe er sie geschlagen. Und zwar meist mit dem Handballen – er wisse schließlich, dass Fausthiebe blaue Flecken hinterlassen. Soweit die Schilderungen der jungen Frau.

Alex T. hat die letzten gemeinsamen Jahre, vor allem aber die Frage, auf wessen Konto die Entgleisungen gehen, in deutlich anderer Erinnerung. Klar, die Beziehung sei nicht harmonisch gewesen – aber daran habe Sandra T. auch ihren Anteil, und zwar einen gehörigen. So habe sie ihn häufig aus dem gemeinsamen Haus ausgesperrt: „Dann kam ich nur in die Garage und musste im Kofferraum meines Autos schlafen.“ Einmal habe sie ihm einen Hocker über den Kopf gezogen, ein anderes Mal mit dem Absatz eines Schuhs malträtiert. Immer wieder habe sie ihn verspottet, unter anderem mit den übersichtlichen Dimensionen seines Geschlechtsteils.

Allerdings: Ziehen lassen wollte Alex T. seine Frau trotzdem nicht. So habe er sie immer wieder auf Knien um Verzeihung gebeten – aber erfolglos. Nach dem Eklat am 1. Februar erwirkte seine Noch-Gattin eine Verfügung nach dem Gewaltschutzgesetz: Alex T. durfte keinerlei Kontakt mehr mit ihr aufnehmen. Dran gehalten hat er sich nicht: Er hat ihr mehr als eine SMS geschickt und bei ihr angerufen. Das brachte ihm ein paar zusätzliche Anzeigen ein, eben wegen der Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz.

Alex T. zeigte sich vor Gericht in Bezug auf die Vorkommnisse am 1. Februar 2019 nur in Teilen geständig. Ja, er habe der 32-Jährigen eine Ohrfeige gegeben und sie aufs Bett geschubst – mehr aber auch nicht. Insbesondere das Kissen auf ihrem Gesicht stellte er vehement in Abrede. Und sein Anwalt versuchte, die Glaubwürdigkeit der 32-Jährigen mit einem aussagepsychologischen Gutachten ins Wanken zu bringen.

Aber: Der Verteidiger hatte seine Ansicht, dass die Aussage der Zeugin teils widersprüchlich gewesen sei, exklusiv. Sowohl die Vertreterin der Staatsanwaltschaft als auch Richterin Anke Puntschuh ließen keinen Zweifel daran, dass sie der 32-Jährigen jedes Wort geglaubt haben. Ihre Aussage sei klar, detailliert und schlüssig gewesen. Zudem untermauerte ein ärztliches Attest ihre Version: Am Tag nach der Tat sind der jungen Frau Schädelprellungen und ein Schleudertrauma bescheinigt worden.

Folglich stand für die Richterin fest, dass Alex T. sich der gefährlichen Körperverletzung, der Bedrohung und des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz schuldig gemacht hat. Weil sie ihm zudem ein hohes Maß an Rücksichtslosigkeit unterstellte, war es nicht mit eine Geldstrafe getan: Richterin Puntschuh verurteilte den 37-Jährigen zu zehn Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

Wesentlich wichtiger dürfte für seine Noch-Ehefrau ein anderes Gerichtsverfahren sein: Die Scheidung läuft.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen