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Amtsgericht Betzdorf
Tierquälerei: Pferdehalterin aus Betzdorf-Gebhardshain angeklagt

Hat eine Pferdehalterin aus Betzdorf-Gebhardshain ihr Tier wissentlich leiden lassen? Wegen Tierquälerei musste sich die Frau jetzt vor dem Amtsgericht verantworten.
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  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nb Betzdorf. „Gucken Sie, dass Sie irgendwie mit dem Veterinäramt Frieden schließen“: Diesen Rat bekam jetzt Pferdehalterin Ute K. von der Staatsanwaltschaft. Angeklagt war Ute K. (Name von der Redaktion geändert) wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Hatte sie eines ihrer Tiere leiden lassen und trotz entsprechender Auflage des Kreisveterinäramtes zu spät einem Tierarzt vorgestellt? So lautete zumindest die Anklage gegen die Frau aus der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain.

Aus der Wunde d

nb Betzdorf. „Gucken Sie, dass Sie irgendwie mit dem Veterinäramt Frieden schließen“: Diesen Rat bekam jetzt Pferdehalterin Ute K. von der Staatsanwaltschaft. Angeklagt war Ute K. (Name von der Redaktion geändert) wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Hatte sie eines ihrer Tiere leiden lassen und trotz entsprechender Auflage des Kreisveterinäramtes zu spät einem Tierarzt vorgestellt? So lautete zumindest die Anklage gegen die Frau aus der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain.

Aus der Wunde des Hengstes quoll stinkender Eiter

Der Fall liegt inzwischen fast zweieinhalb Jahre zurück: Am 18. Februar 2019 erfolgte eine tierschutzrechtliche Kontrolle des Anwesens von Ute K. Die Tierärztin, die dabei war, wurde auf den Zustand eines Pferdes, eines damals elfjährigen Hengstes, aufmerksam. Aus einer Wunde am Vorderbein sei bereits stinkender Eiter gequollen, so hieß es in der jetzigen Anklageschrift. Ute K. hätte die Auflage bekommen, das Pferd unverzüglich einem Tierarzt vorzustellen – dem sei sie aber erst Wochen später nachgekommen, obwohl ihr hätte bewusst sein müssen, dass das Tier unter starken Schmerzen gelitten habe.

Bei einer späteren Röntgenuntersuchung des Beines hätten sich knöcherne Veränderungen gezeigt, die auf eine jahrelange Entzündung schließen ließen. Am 14. Mai 2019 musste das Tier auf Anordnung schließlich eingeschläfert werden.
Und in der Tat hatte die Verletzung schon lange bestanden – das war nicht nur der Anklageschrift zu entnehmen, sondern davon berichtete auch detailliert Ute K.
2008 war die Verletzung am Bein entstanden. Der Tierarzt hatte zunächst einen Haarriss vermutet und Schmerzmittel und Boxenruhe verordnet. Doch irgendwann schwoll das Bein stark an, platzte auf und Eiter quoll heraus. Über Wochen bekam das Pferd nun Antibiotika, ständig, so Ute K., habe sie das Bein gespült und die Verbände gewechselt. Auch der Tierarzt habe regelmäßig nach dem rechten gesehen und Ute K. auch schon gewarnt: „Es muss dir klar sein, das wird lange dauern.“

Pferdehalterin hat keine Probleme mit Veterinäramt gehabt

Doch das „Schwert“ der Antibiotika wurde irgendwann stumpf. Da habe sie diverse Homöopathen kommen lassen, so die Beschuldigte. Und: Langsam sei es bergauf gegangen. „Für mich lief erst mal alles planmäßig“, so die Pferdehalterin. Der Zustand des Beines sei nach ihrem Eindruck besser geworden, Löcher zugeheilt. Und auch Anwalt Dr. Ulrich Janes verwies auf Video, auf dem zu sehen sei, wie der Hengst auf der Weide herumtolle.
Dreh- und Angelpunkt der Sache war aber besagter 18. Februar 2019 und da lief kommunikationstechnisch zwischen der Tierärztin und Ute K. offenkundig nicht alles planmäßig. Bis dato, so unterstrich Ute K., habe sie keine Probleme mit der Kreisverwaltung gehabt bzw. den damaligen Tierärzten des Veterinäramtes gehabt.

Sie schilderte den Vorgang so: Nicht sie selbst habe sich nicht geregt, sondern die Tierärztin habe sich, anders als angekündigt, wochenlang nicht gemeldet – und dann ganz plötzlich und in wenig erquicklichem Tonfall. Die Tierärztin selbst konnte vor Gericht nicht Stellung beziehen, sie war erkrankt.
Richter Tim Hartmann bekam auf jeden Fall den Eindruck, dass so richtig viel „Fleisch“ nicht an die Sache dran zu bekommen war. Selbiges galt für den Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft selbst: „Was ist denn das Ziel der Verteidigung?“, wollte er von Janes wissen. Und dessen Antwort kam prompt: „Einstellung.“

Auch die Staatsanwaltschaft konnte sich „ein kleines a“ durchaus Vorstellen – also eine eine Einstellung nach Paragraf 153a. Über Jahre habe schließlich keiner der Tierärzte die Erfordernis gesehen einzugreifen und Ute K. sei sei sicher auch durch die Verhandlung hinreichend beeindruckt.
Und so erfolgte dann die vorläufige Einstellung. Die Auflage: Ute K. muss 300 Euro an den Zoo Neuwied zahlen.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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