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Verbraucher im Gebhardshainer Land zur Sparsamkeit angehalten
Trinkwasser: noch läuft's

Es ist unser wichtigstes Lebensmittel: Trinkwasser.

damo Gebhardshain/Brachbach/Mudersbach. Was gestern noch ein Rasen war, ist heute eine braune Brache, im AK-Land ist beinahe flächendeckend die zweithöchste Waldbrand-Warnstufe erreicht, und der Pegelstand in Niederschelden liegt bei 47 Zentimetern – im Mittel ist die Sieg hier 90 Zentimeter hoch. Die Hitze und die Trockenheit machen sich allmählich deutlich bemerkbar, und das bekommen auch die ersten Wasserversorger zu spüren.

Jetzt ist die erste E-Mail zum Thema in der AK-Redaktion angekommen: Die Verbandsgemeindewerke Betzdorf-Gebhardshain bitten die Bevölkerung des Gebhardshainer Landes, sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen. Noch handelt es sich um einen Appell – aber wenn nicht bald Regen fällt, werden irgendwann wohl Verbote folgen müssen.

damo Gebhardshain/Brachbach/Mudersbach. Was gestern noch ein Rasen war, ist heute eine braune Brache, im AK-Land ist beinahe flächendeckend die zweithöchste Waldbrand-Warnstufe erreicht, und der Pegelstand in Niederschelden liegt bei 47 Zentimetern – im Mittel ist die Sieg hier 90 Zentimeter hoch. Die Hitze und die Trockenheit machen sich allmählich deutlich bemerkbar, und das bekommen auch die ersten Wasserversorger zu spüren.

Jetzt ist die erste E-Mail zum Thema in der AK-Redaktion angekommen: Die Verbandsgemeindewerke Betzdorf-Gebhardshain bitten die Bevölkerung des Gebhardshainer Landes, sparsam mit dem Trinkwasser umzugehen. Noch handelt es sich um einen Appell – aber wenn nicht bald Regen fällt, werden irgendwann wohl Verbote folgen müssen. Grund genug für die SZ, auch bei den anderen Wasserversorgern in der Region nachzuhaken.

Dabei wird deutlich: Aktuell gibt’s keine Versorgungsengpässe – aber das ist mancherorts nur eine Momentaufnahme. Entscheidend wird sein, wie sich die Temperatur und Niederschläge, aber auch das Nutzerverhalten in den kommenden Wochen entwickeln werden.

In der Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain ist bereits jetzt das Wasser ein rares Gut – allerdings nur im Gebhardshainer Land. Denn die Dörfer der Alt-VG Gebhardshain beziehen ihr Trinkwasser nicht aus den Rohrleitungen des Zweckverbands WKA, sondern aus eigenen Tiefbrunnen rund um Elkenroth. Und denen fehlt schlicht und ergreifend Wasser.

Zum einen ist das natürlich mit den fehlenden Niederschlägen zu erklären: „Im Moment habe ich das Gefühl, dass die Wolken immer an uns vorbeiziehen“, sagt Werkleiter Jürgen Arndt im Gespräch mit der SZ. Zum anderen aber haben die Werke auch einen spürbar gestiegenen Verbrauch verzeichnet – Corona lässt grüßen. Denn wenn weniger Menschen als sonst in den Urlaub fahren und stattdessen die heißen Tage am Pool im eigenen Garten verbringen, macht sich das auf den Wasseruhren bemerkbar. Und in einer Region, in der deutlich mehr Arbeitnehmer aus- als einpendeln, dürfte auch der Corona-Lockdown nachwirken: Wer seinen Kaffee im Home-Office trinkt und dort die Toilette benutzt, verbraucht sein Wasser eben zuhause.

Noch ist die Lage im Gebhardshainer Land nicht so angespannt, dass die Werke Verbote verhängen müssten, verdeutlicht Arndt – zumal natürlich auch in Extremsituationen in Nauroth oder Steinebach kein Wasserhahn trockenfallen wird: „Wir können Wasser vom WKA hochpumpen.“ Aber das ist nicht das Nonplusultra, und so hofft Arndt, dass die Menschen jetzt eben nicht mehr täglich ihren Rasen sprengen oder aufs Autowaschen verzichten. Die Botschaft der Werke ist eindeutig: „Verwenden Sie Trinkwasser verantwortungsbewusst – es ist unser wertvollstes Lebensmittel!“

Solche Appelle müssen die ehrenamtlichen Wasserwerker in Brachbach noch nicht aussenden. Vereinsvorsitzender Hermann Zöller berichtet, dass aktuell sogar noch der Sportplatz bewässert werden kann. Und auch bei den Nachbarn in Birken sieht man die aktuelle Lage gelassen. Zwar reicht das Wasser aus dem Reuterstollen, der im Winter allein das gesamte Dorf versorgen kann, aktuell nicht mehr. Aber vor Jahren haben die Birker eine alte, tief im Berg gelegene Abbauhalle einer alten Schiefergrube angebohrt und dort eine Pumpe versenkt. „Und wir haben keine Angst, dass diese Reserve mal trockenfällt“, sagt Vorstandsmitglied Peter Müller auf Nachfrage der SZ.

Auch in Mudersbach reagiert der Wasserverein entspannt auf die Trockenheit – schließlich gibt es eine Notversorgungsleitung, über die Wasser dazugekauft werden kann, wenn die eigenen Stollen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. „Wir sind da noch gut aufgestellt“, sagt Vereinschef Thomas Wolff.
Soweit die Lage bei den örtlichen Wasserversorgern – und wie sieht’s beim Aggerverband aus? Aus dessen Wiehltalsperre werden weite Teile des AK-Lands versorgt. Jährlich speist der Verband rund 5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser ins Leitungssystem des Landkreises Altenkirchen ein. Und keine Frage: Das wird er auch weiter tun.

Denn aktuell ist die Wiehltalsperre zu 70 Prozent gefüllt. „Wir haben heute morgen gemessen“, erklärt Pressesprecher Axel Blüm und fügt hinzu, dass die Talsperren des Aggerverbands auf Doppel-Trockenjahre ausgelegt seien.

Ohnehin seien sie großzügig bemessen: Als die Stauseen nämlich in den 1960-Jahren geplant worden seien, wurde noch mit einem deutlich höheren Wasserverbrauch gerechnet. „Damals gab es noch keinen demografischen Wandel“, erklärt Blüm. Und Spülmaschinen, die für zwölf Gedecke nur zwei Liter Wasser benötigen, waren seinerzeit undenkbar.

Blüms Fazit fällt entsprechend positiv aus: „Keine Frage: Unsere Talsperren reichen aus.“ Nur eine Einschränkung muss er dann doch machen, und zwar beim Blick in die Zukunft: „Wie das auf lange Sicht sein wird, kann Ihnen allerdings niemand mit Gewissheit sagen – Stichwort: Klimawandel.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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