SZ

Einladung zum „Gebet um viertel vor Acht“
Trost und Halt per WhatsApp

Ruth Härtling hat mit Unterstützung der Familie, u. a. Ehemann Peter, ein Gebet ein- <jleftright>gesprochen, das jeden Abend um 19.45 Uhr abgerufen werden kann.   Foto: privat</jleftright>
  • Ruth Härtling hat mit Unterstützung der Familie, u. a. Ehemann Peter, ein Gebet ein- <jleftright>gesprochen, das jeden Abend um 19.45 Uhr abgerufen werden kann. Foto: privat</jleftright>
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Betzdorf. Sieh an: Aus einem Pflänzchen, das noch Mitte des vergangenen Jahres nicht viel mehr als ein Sämling war, ist inzwischen ein kleiner Stamm geworden – die „Insel 2.0“ hat feste Wurzeln geschlagen. Die Initiative, die von der Wallmenrother Diplom-Theologin und Religionslehrerin Ruth Härtling ins Leben gerufen wurde, hat nicht nur selbst einen festen Halt im katholischen Leben im „Noch-Dekanat“ Kirchen, sondern gibt diesen in einer Phase der Ängste, Sorgen und Unsicherheit auch weiter. Wo das Virus gerade in der vorösterlichen Zeit klaffende Lücken reißt, bietet die „Insel 2.0“ Trost und Bezugspunkte des Glaubens. Mancher spricht bereits von einer kleinen „Netzgemeinde“.

thor Betzdorf. Sieh an: Aus einem Pflänzchen, das noch Mitte des vergangenen Jahres nicht viel mehr als ein Sämling war, ist inzwischen ein kleiner Stamm geworden – die „Insel 2.0“ hat feste Wurzeln geschlagen. Die Initiative, die von der Wallmenrother Diplom-Theologin und Religionslehrerin Ruth Härtling ins Leben gerufen wurde, hat nicht nur selbst einen festen Halt im katholischen Leben im „Noch-Dekanat“ Kirchen, sondern gibt diesen in einer Phase der Ängste, Sorgen und Unsicherheit auch weiter. Wo das Virus gerade in der vorösterlichen Zeit klaffende Lücken reißt, bietet die „Insel 2.0“ Trost und Bezugspunkte des Glaubens. Mancher spricht bereits von einer kleinen „Netzgemeinde“.

Doch der Reihe nach: Ruth Härtling gehört zu jenen Frauen auf der Trierischen Insel, die nicht in eine Schockstarre der Ehrfurcht verfallen, sobald sie ein Priestergewand sehen. Wie so viele andere auch versteht sie sich als lebendigen Teil der Kirche, gerade in einer Phase des Umbruchs. Wie die SZ schon bei der Vorstellung von „Insel 2.0“ geschrieben hatte, handelt es sich hier nicht um eine Art Gegenbewegung zur Amtskirche, vielmehr wollte Härtling einfach eine neue Kommunikations- und Informationsplattform für interessierte Christen zwischen Niederschelderhütte und Nauroth schaffen. Vieles geschieht dabei über eine WhatsApp-Gruppe.

„Es gibt viel Leben hier auf der Insel, das man nicht wahrnimmt, weil man sich nicht kennt oder fremd fühlt. Wir wünschen uns untereinander eine Willkommenskultur und den Mut, über den eigenen Topfrand zu schauen“, heißt es dazu in einem Text auf der Seite der Pfarrei Betzdorf.

Die Wallmenrotherin war selbst gespannt, wie sich die Sache entwickelt. Nun, ein halbes Jahr nach dem Schritt in die Öffentlichkeit, fällt das Zwischenfazit sehr positiv aus. Mit etwa 70 Teilnehmern hat die Gruppe eine Größe, die keinen überfordert. Im Herbst, so berichtet Härtling, war von vier Frauen aus vier verschiedenen Gemeinden ein Gottesdienst in der Hubertus-Kirche in Freusburg organisiert worden: „Das war richtig schön.“ Vor allem war das kleine Gotteshaus deutlich voller als bei normalen Messen.

Es war dies zudem wieder eine gute Gelegenheit zum Austausch und Verfestigen des Netzwerks. Und natürlich schlug auch auf der „Insel 2.0“ die Nachricht von der auf Eis gelegten Bistumsreform ein. Zunächst habe „totaler Frust“ geherrscht, berichtet Härtling. Dann aber sei die Erkenntnis gereift: „Wir sind ja nur am Rande tangiert, weil wir zwischen den Strukturen arbeiten.“ Umso größer war die Freude dann im Chat, als die Nachricht von der Wahl Georg Bätzings zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz durchdrang.

Doch schließlich stellte das Virus das gesamte kirchliche Leben auf den Kopf, auch „Insel 2.0“ war diesmal betroffen. Zum einen war in der Fastenzeit ein weiterer Gottesdienst geplant, zum anderen wollte man sich nach Ostern mit dem neuen Leitungsteam der künftigen Großpfarrei treffen. Beide Termine haben sich erst einmal erledigt.

Schließlich postete Pastoralreferentin Ulrike Ferdinand ein Gebet der kfd in die Gruppe, das laut Härtling in Richtung des Komplets (Nachtgebet) ging. Daraus entwickelte sich dann das, was sich nun „Gebet um viertel vor Acht“ nennt. Im Hause Härtling wurde in Anlehnung an das klösterliche Gebet ein kleines „liturgisches“ Paket mitsamt Psalm und Hymnus geschnürt und von vier Familienmitgliedern in Form einer Sprachnachricht für alle zugänglich gemacht. „Das war wie ein katholischer Hauskreis“, lacht die Theologin.

Seit vergangener Woche sind nun alle Interessierten eingeladen, sich jeden Tag um 19.45 Uhr das Audio anzuhören (es gibt aber auch Ausdrucke). Zudem können in die Inselgruppe individuelle Fürbitten geschrieben werden, die dann jeder in sein persönliches Gebet einschließen kann. „Damit ist man dann schon 20 bis 25 Minuten beschäftigt“, so Härtling. „So können wir Gemeinschaft sein, ohne einander zu gefährden.“ Das Gebet soll wöchentlich angepasst werden, wobei Psalm und Schlusshymnus feste Bestandteile bleiben.

So füllen Laien in der Kirche in Zeiten von Corona ein Vakuum, das von hauptamtlichen Kräften nicht gefüllt werden kann – oder auch will. Fest steht: Gebete haben sowieso noch nie geschadet, und sie können gerade in diesen Tagen nicht nur Hardcore-Gläubigen helfen. Reinhören lohnt sich in jedem Fall, dazu muss man auch nicht Mitglied der WhatsApp-Gruppe sein. Es reicht der virtuelle Spaziergang ins Internet zur Seite https://www.pfarrei-betzdorf.de/inselpost/insel-20/.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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