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Altenpfleger hat junge Kolleginnen bedrängt
Übergriffe in der Nachtschicht

Sexuelle Übergriffe während der Nachtschicht werden einem 32-Jährigen zur Last gelegt - und vor dem Betzdorfer Amtsgericht hat er die Taten eingeräumt.
  • Sexuelle Übergriffe während der Nachtschicht werden einem 32-Jährigen zur Last gelegt - und vor dem Betzdorfer Amtsgericht hat er die Taten eingeräumt.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Betzdorf. Jasmin U. (alle Namen geändert) hat ihre Ausbildung zur Altenpflegerin gerade begonnen – und nun hat die 16-Jährige Nachtdienst. Und diese Schicht wird die junge Frau so schnell nicht vergessen: Gleich zweimal wird sie während ihrer Arbeitszeit massiv sexuell bedrängt. Um 3 Uhr gerät sie im Wäscheraum in die Fänge ihres 32-jährigen Kollegen Maik M., zwei Stunden später wird er im Vorratsraum noch einmal übergriffig. Am Montag hat er seine Strafe bekommen: Maik M. muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.
Drei OpferDenn weder ist es bei den Verfehlungen während dieser einen Nacht im August 2019 geblieben, noch war Jasmin U. sein einziges Opfer.

damo Betzdorf. Jasmin U. (alle Namen geändert) hat ihre Ausbildung zur Altenpflegerin gerade begonnen – und nun hat die 16-Jährige Nachtdienst. Und diese Schicht wird die junge Frau so schnell nicht vergessen: Gleich zweimal wird sie während ihrer Arbeitszeit massiv sexuell bedrängt. Um 3 Uhr gerät sie im Wäscheraum in die Fänge ihres 32-jährigen Kollegen Maik M., zwei Stunden später wird er im Vorratsraum noch einmal übergriffig. Am Montag hat er seine Strafe bekommen: Maik M. muss für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Drei Opfer

Denn weder ist es bei den Verfehlungen während dieser einen Nacht im August 2019 geblieben, noch war Jasmin U. sein einziges Opfer. Auch zwei weiteren Auszubildenden eines Seniorenheims im Westerwald rückte der 32-jährige Altenpfleger absolut unangemessene auf die Pelle.
Eine 19-Jährige kam mit verbalen Belästigungen davon: Wenn er der jungen Frau auf den Fluren des Altenheims begegnete, begann Maik M. zu stöhnen, sich die Lippen zu lecken. Aber offenbar war die 19-Jährige gefestigt genug, um Maik M. klar zu machen, dass sie seine Übergriffe nicht zulassen wird.

Übergriff im Wäscheraum

Anders die 17-jährige Alicia E. Auch sie erlebte in den ersten Wochen ihrer Berufsausbildung Szenen, die man seinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. Wieder wählte Maik M. die späten Abendstunden, wieder nutzte er einen abgeschiedenen Raum. Das Muster der Übergriffe war praktisch immer dasselbe: Maik M. passte die Augenblicke ab, in denen die Mädchen abseits der Blicke anderer im Haus unterwegs waren – im Wäscheraum, im Vorratsraum, im Rollstuhllager. Er kam seinen Opfern hinterher, versperrte ihnen den Weg nach draußen, drängte sie gegen eine Wand oder eine Bank und begann, sein Becken gegen das der jungen Frauen zu drücken.

"Angezogener Geschlechtsverkehr"

Richterin Melanie Neeb nannte dieses Vorgehen „angezogenen Geschlechtsverkehr“, und sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie das „für eine harte Nummer“ hält – insbesondere mit Blick darauf, dass die Mädchen eben noch sehr jung gewesen seien und der Angeklagte beruflich eine Stufe weiter oben stand. Das wusste er wohl auch nur zu gut: Einem der Mädchen hat er noch mitgegeben, dass es bloß nichts sagen sollte – wer würde schon einer Auszubildenden glauben?

Insgesamt fünf Fälle

Und so kam es im Laufe von vier Wochen im Spätsommer 2019 zu insgesamt fünf Fällen, in denen der Angeklagte seine Opfer sexuell massiv genötigt hat. Darüber hinaus kam es zu verbalen Entgleisungen: Immer wieder nötigte er den jungen Frauen Gespräche über sexuelle Praktiken oder Phantasien auf, immer wieder begegnete er ihnen stöhnend oder lechzend.
Nach vier Wochen machte die 16-Jährige dem Spuk ein Ende: Mittlerweile hatte sie so viel Angst davor, selbst einfachste Tätigkeiten wie die Essensausgabe mit dem Angeklagten auszuführen, dass sie sich einer Vorgesetzten anvertraute. Und die schenkte ihr sehr wohl Glauben.

Angeklagter verliert Job

Für Maik M. kamen die Konsequenzen sofort: Er verlor seinen Job, und nachdem ein Strafverfahren ans Laufen gekommen war, meldete sich auch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion bei ihm. Maik M. wurde die Zulassung als examinierter Altenpfleger aberkannt. In diesem Beruf darf er wohl nie wieder tätig sein.
Sein eigentlicher Gang nach Canossa stand ihm aber noch bevor: Maik M. musste seiner Ehefrau die Anschuldigungen erklären – es war laut Aussage des Angeklagten eine „sehr schamhafte Kommunikation“. Aber seine Frau habe ihm verziehen, im Januar würden sie ihr erstes Kind erwarten.

Vorwürfe eingeräumt

Maik M. machte während seines Prozesses einen sehr reumütigen Eindruck. Er räumte alle Tatvorwürfe ein – was den Opfern eine Aussage ersparte. Er berichtete, dass er auf eigene Kosten eine Therapie absolviere: „Ich kann nicht akzeptieren, dass diese Seite von mir erwacht ist“, sagte er. Wirklich erklären, wie es zu den Übergriffen gekommen ist, konnte der Angeklagte nicht – nur so: Er habe damals große Probleme mit seiner Frau gehabt und „Internetseiten angeschaut, die schädlich für die Seele waren“.
Er wisse, dass er den Schaden nicht wiedergutmachen könne, und seine Schuld sei seine ständige Begleiterin: „Ich schäme mich jeden Tag, wenn ich in den Spiegel schaue.“

Zwei Jahre und neun Monate Gefängnis

Besagter Spiegel wird künftig an der Wand einer Gefängniszelle hängen. Zwar hat sein Verteidiger alle Register gezogen, um eine Bewährungsstrafe rauszuholen. Aber Staatsanwältin Jacqueline Nicolai und Richterin Neeb samt ihrer Schöffinnen waren sich einig: Die Verfehlungen waren einfach zu schwerwiegend, um auf eine Gesamtstrafe von zwei Jahren zu kommen. Und alles, was über diesem Strafmaß liegt, kann eben nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden.
Nun bleibt Maik M. nur noch ein Hintertürchen: Das Urteil ist noch nichts rechtskräftig, er kann also einen Berufungsprozess anstrengen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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