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Wolfgang Bosbach beim Dreikönigstreffen der CDU
Union als Heimat für Wertkonservative und Liberale

Beim ersten virtuellen Dreikönigstreffen des CDU-Kreisverbands war Wolfgang Bosbach aus seinem Büro in Bergisch-Gladbach zugeschaltet.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

thor Betzdorf. Der Cartoon mit den drei Weisen aus dem Morgenland dürfte hinlänglich bekannt sein: „Wenn uns einer fragt, wir sind aus einem Haushalt“, sagt da Caspar zu seinen Kumpeln. Ja, auch das erste per Zoom-Konferenz durchgeführte Dreikönigstreffen des CDU-Kreisverbands Altenkirchen stand am Samstag ganz im Zeichen der Pandemie. Aber nicht nur. Dafür sorgte Gastredner Wolfgang Bosbach. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete bewies einmal mehr, warum er auch im Ruhestand immer noch ein Liebling der Polit-Talkrunden ist. Langweilig wird es mit dem 68-jährigen Rheinländer nicht. Dreimal zuvor war Bosbach bereits „livehaftig“ zu Gast im AK-Land, erinnerte Kreisvorsitzender Michael Wäschenbach in seiner Begrüßung.

thor Betzdorf. Der Cartoon mit den drei Weisen aus dem Morgenland dürfte hinlänglich bekannt sein: „Wenn uns einer fragt, wir sind aus einem Haushalt“, sagt da Caspar zu seinen Kumpeln. Ja, auch das erste per Zoom-Konferenz durchgeführte Dreikönigstreffen des CDU-Kreisverbands Altenkirchen stand am Samstag ganz im Zeichen der Pandemie. Aber nicht nur. Dafür sorgte Gastredner Wolfgang Bosbach. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete bewies einmal mehr, warum er auch im Ruhestand immer noch ein Liebling der Polit-Talkrunden ist. Langweilig wird es mit dem 68-jährigen Rheinländer nicht. Dreimal zuvor war Bosbach bereits „livehaftig“ zu Gast im AK-Land, erinnerte Kreisvorsitzender Michael Wäschenbach in seiner Begrüßung.

CDU hört jedem zu

Doch war es nicht unbedingt nur das rhetorische Talent, das den Konferenz-Teilnehmern nachhaltig in Erinnerung bleiben dürfte. Denn Bosbach gelang insofern Bemerkenswertes, als dass er den Umgang mit dem Virus und das Selbstverständnis der CDU sehr geschickt miteinander verknüpfte. Denn seine zentrale Botschaft war die: Die Union müsse jedem zuhören und ist für alle da, so wie man in der Pandemie auch die Zwischentöne beachten sollte – die radikalen in beiden Fällen ausgenommen. Dass bei Bosbach damit Streicheleinheiten für die wertkonservative Seele der Partei einhergehen, versteht sich von selbst.

Corona-Maßnahmen begründen

Bosbach, derzeit sichtlich unterbeschäftigt, freut sich jedenfalls, „wenn ich wieder auf die Piste kann“. Das virtuelle Dreikönigstreffen war somit eine Art Warm-up für den Dampfplauderer. Zur Corona-Krise: Seit Monaten werde die Bevölkerung in zwei Gruppen unterteilt: diejenigen, die alle Verordnungen brav befolgten, und die Aluhutträger und Verschwörungstheoretiker. Es gebe aber noch eine dritte Gruppe. „Und mit der muss sich die Union noch stärker beschäftigen“, so Bosbach. Das sei die, die die Maßnahmen genau begründet haben wolle. Innerhalb dieser Gruppe gebe es auch noch die, die wirtschaftlich am Abgrund stünden, wo das Gehalt eben nicht garantiert am Monatsende aufs Konto fließe. Es reiche nicht, so Bosbach, diesen Menschen Mut zuzusprechen: „Der Staat muss für das Überleben Sorge tragen.“ Manche Maßnahme müsse man dabei hinterfragen: „War es wirklich so schlau, für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer zu senken?“

Schuldzuweisungen vermeiden

Die Pandemie habe gezeigt, dass es in Deutschland nicht unbedingt auf die Zahl der Intensivbetten ankomme, sondern vielmehr auf qualifiziertes Pflegepersonal, so der Christdemokrat. Allerdings sei zu bezweifeln, ob die gewünschten Inzidenz-Werte überhaupt realistisch seien. An den Grenzen herrsche schließlich ein „fröhliches Kommen und Gehen“. Auch dürfe man die Impfstoffbeschaffung infrage stellen, ohne direkt in die antieuropäische Ecke gestellt zu werden, betonte Bosbach.
Sollte man die Corona-Krise einmal aufarbeiten, so sollte dies ohne Schuldzuweisungen geschehen. Eine Lehre sei aber die: „Wir müssen selbstständiger werden. Auf die weltweiten Lieferketten können wir uns nicht mehr verlassen.“

Wechsel an Parteispitze

Klartext kam von Bosbach auch zum bevorstehenden Wechsel an der CDU-Parteispitze: „Entscheidend ist, wie wir danach dem neuen Vorsitzenden den Rücken stärken“, rief er zum Schulterschluss auf. Der neue Chef brauche den Rückhalt der gesamten Partei. Und er warnte davor, einen „Koalitions-Wahlkampf“ zu führen: „Es geht um die eigene politische Haltung und die Frage, wie wir dafür eine Mehrheit bekommen.“ Jeder sollte bedenken: Reiche es rechnerisch für Rot-Rot-Grün, dann werde es auch so kommen.

In Bildung investieren

Bosbachs Sorge ist jenseits des Parteienstreits die, dass in Deutschland die Schere zwischen wirtschaftlicher und sozialer Stärke auseinander gehen könnte. „Nicht der Staat schafft Wohlstand“, rief er in Erinnerung, sondern Unternehmer und Arbeitnehmer. Die drei wichtigsten Investitionen in die Zukunft seien Bildung, Bildung und Bildung: „Eigentlich müssten die modernsten öffentlichen Einrichtungen unsere Schulen sein.“

Wahlen werden in der Mitte gewonnen

Bosbach ging aber auch auf die Schwierigkeiten einer Volkspartei wie der CDU ein, wo das durchschnittliche Mitglied inzwischen 60 Jahre alt sei. Um diesen Status langfristig zu sichern, bedürfe es einer breiten Basis, eines Spektrums, wie es einst Norbert Blüm und Alfred Dregger abgegrenzt hätten. Die Union sei mit ihren drei Säulen immer die Heimat von Christlich-Sozialen, Liberalen und Wertkonservativen. Um manchen zur AfD abgewanderten Wähler könne man kämpfen, so Bosbach auf Nachfrage, aber wahrlich nicht um jeden.
Dieses Thema treibt offensichtlich auch Justus Brühl um. Im anschließenden Chat mit Bosbach äußerte er seine Sorge, dass die CDU zwischen der AfD und den Grünen zerrieben werde. „Die Wahlen werden als Union aber in der Mitte gewonnen“, meinte der Scheuerfelder.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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