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Fitness-Studios im AK-Land
Viele Laufbänder stehen noch still

In den Fitness-Studios herrscht auch drei Monate nach der Wiedereröffnung noch ein höchst überschaubarer Betrieb. Die Hygieneauflagen und die Verunsicherung der Kunden sind überall spürbar.
  • In den Fitness-Studios herrscht auch drei Monate nach der Wiedereröffnung noch ein höchst überschaubarer Betrieb. Die Hygieneauflagen und die Verunsicherung der Kunden sind überall spürbar.
  • Foto: Thorsten Stahl
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Betzdorf/Wissen. Tag für Tag schaut Rüdiger Schneider derzeit mit Unbehagen auf sein Handy, wenn er die neuesten Nachrichten aus Deutschland checkt. Dabei muss er das eigentlich gar nicht. Es reicht der Blick in die „Körperwelt“, deren Inhaber er ist: „Wenn die Zahlen nach oben gehen, merkst du das sofort.“ Die Zahlen, das sind die der Corona-Infizierten – und sie gehen momentan wieder nach oben. Die Folge: Laufbänder und Spinning-Bikes stehen stehen still, Hanteln warten vergeblich auf starke Arme.
Fitnessstudios fühlen sich in Corona-Zeiten benachteiligt
Drei Monate nach der Wiederöffnung sind die Fitness-Studios im AK-Land noch weit vom Normalbetrieb und vom Alltag entfernt.

thor Betzdorf/Wissen. Tag für Tag schaut Rüdiger Schneider derzeit mit Unbehagen auf sein Handy, wenn er die neuesten Nachrichten aus Deutschland checkt. Dabei muss er das eigentlich gar nicht. Es reicht der Blick in die „Körperwelt“, deren Inhaber er ist: „Wenn die Zahlen nach oben gehen, merkst du das sofort.“ Die Zahlen, das sind die der Corona-Infizierten – und sie gehen momentan wieder nach oben. Die Folge: Laufbänder und Spinning-Bikes stehen stehen still, Hanteln warten vergeblich auf starke Arme.

Fitnessstudios fühlen sich in Corona-Zeiten benachteiligt

Drei Monate nach der Wiederöffnung sind die Fitness-Studios im AK-Land noch weit vom Normalbetrieb und vom Alltag entfernt. „Die Talsohle ist noch nicht durchschritten“, sagt Gazmend Ziba, Geschäftsführer des „Motion Fitness Clubs“ in Wissen. Fast schon verzweifelt hatte die Branche Mitte Mai an die Landesregierung appelliert, die Türen wieder öffnen zu dürfen (die SZ berichtete). Was kurz darauf auch der Fall war. Rüdiger Schneider hatte bereits zu diesem Zeitpunkt spekuliert, dass man erst Ende 2021 wieder auf das Vor-Corona-Niveau kommen werde. Und alles deutet darauf hin, dass der „Körperwelt“-Chef recht behalten wird.

200 statt 600 Kunden täglich

Dabei haben die Studios in der Region. ähnlich wie die Kollegen aus der Gastronomie, eine immense Sorgfalt und auch Kreativität an den Tag gelegt, um den Hygiene-Bestimmungen gerecht zu werden. Schneider gibt an, im Frühjahr rund 100 Kunden verloren zu haben. Ob in Wissen oder Dauersberg: Es gibt derzeit Phasen, da sind genauso viele Trainer wie Kunden im Studio. Durch die Größe könnten bei Einhaltung der Vorschriften in der „Körperwelt“ zeitlich 120 Personen trainieren. Ein rein theoretischer Wert. Schneider zählt normalerweise ab September bis zu 600 Kunden pro Tag, derzeit sind es etwa 200.
Kollege Ziba verdeutlicht den harten Kampf der Studios an einem Beispiel: Momentan würden gesundheitliche Präventionskurse mit zwei bis drei Teilnehmern durchgeführt. Die (ältere) Zielgruppe sei noch sehr, sehr vorsichtig. Dass sich so etwas nicht rechnet, versteht sich von selbst. „Wir bieten die aber nach wie vor an, um die Interessenten nicht vor den Kopf zu stoßen“, sagt Ziba. Überhaupt sei es ungemein schwierig, nach dem Sommerloch wieder neue Kunden zu gewinnen.

Groß Solidarität der Kunden

So ähnlich die Erfahrungen der beiden Studios sind, so unterschiedlich sind sie während des Lockdowns mit den Beiträgen umgegangen. Der „Motion Fitness Club“ hat nach Angaben des Geschäftsführer in den Monaten April und Mai nichts abgebucht. Die Solidarität sei aber groß gewesen, berichtet Ziba: Etwa 20 Prozent der Kunden hätten freiwillig auch den Mai bezahlen wollen.
Diese Solidarität spürt auch Schneider, wenn die „Körperwelt“ ein anderes Modell „gefahren“ hat. Die Beiträge wurden durchgehend eingezogen, dafür werden nun verschiedene Ausgleichspakete angeboten. Wer komplett darauf verzichtet, darf sich offiziell „Körperwelt-Engel“ nennen. Und das ist die überwiegende Mehrheit der Kunden. Ob nun ausgefallene Beiträge oder nachträgliche Kompensation: Für alle Fitness-Studios ist es eine enorme finanzielle Belastung.
Was Schneider in diesem Zusammenhang allerdings maßlos ärgert, ist Kritik an seinen Investitionen. Trotz der Pandemie hat er an seinem Fünfjahresplan festgehalten und die „Körperwelt“ optisch und technisch weiter aufgewertet. Schließlich denkte der Unternehmer auch an die Nach-Corona-Zeit und will antizyklisch investieren. Mit Neid und Argwohn einiger weniger kann Schneider allerdings umgehen, auch wenn es innerlich gewaltig in ihm rumort.

Ein zweiter Lockdown als "Todesstoß"

Umso mehr freut er sich aber darüber, dass er von der Firma Aciso, die deutschlandweit rund 700 Premium-Studios berät, für das breite Kursangebot (auch online) ausgezeichnet wurde und sich die „Körperwelt“ laut Schneider demnächst auch über den „Body-life“-Award freuen kann.
Diesen Preis kann der Unternehmer aber buchstäblich in die Tonne klopfen, wenn die Infektionszahlen weiter steigen und die Studios eventuell vor erneuten bzw. weitergehenden Einschränkungen stehen. „Wenn die jetzt nochmals alles runterfahren, mache das kein Kunde mehr mit.“ Kollege Ziba drückt es so aus: „Ein zweiter Lockdown würde auch dem gesündesten Unternehmen das Genick brechen.“

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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