Altenzentrum: Abwechslung in Zeiten der Pandemie
Virtuelles Boxen und Livemusik

„Marmor, Stein und Eisen bricht“, und zwar in voller Lautstärke: Marco Pecere hatte gestern sichtlich viel Spaß dabei, den Bewohnern des Altenzentrums Betzdorf ein bisschen Abwechslung in den vom Besuchsverbot geprägten Alltag zu bringen.  Foto: damo
  • „Marmor, Stein und Eisen bricht“, und zwar in voller Lautstärke: Marco Pecere hatte gestern sichtlich viel Spaß dabei, den Bewohnern des Altenzentrums Betzdorf ein bisschen Abwechslung in den vom Besuchsverbot geprägten Alltag zu bringen. Foto: damo
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damo Betzdorf. Keine Besuche, keine Spaziergänge und keine Tagespflege: Natürlich wirft das Coronavirus auch den Alltag im Betzdorfer Altenzentrum über den Haufen. Und es steht zu befürchten, dass die aktuellen Auflagen noch eine Weile andauern werden. „Wir werden wohl zu den Letzten gehören, die wieder zur Normalität zurückkehren können“, sagt Heimleiter Sebastian Schmeier im Gespräch mit der SZ und verweist darauf, dass gerade alte Menschen mit Vorerkrankung sehr gefährdet sind. Umso wichtiger sei es, kreative Lösungen zu erarbeiten.

Eine davon ist auf dem ganz kurzen Dienstweg eingestielt worden: Schmeier, seines Zeichens Vorsitzender der DJK Betzdorf, hat seinen Vereinskollegen Marco Pecere gefragt, ob der nicht Lust und Zeit für ein kleines Konzert für die Altenheim-Bewohner hätte. Und Schmeier hat offene Türen eingerannt: Gestern erlebten die Bewohner ein Open-Air-Konzert der besonderen Art. Unten, im Garten, spielte Pecere eine Stunde lang Schlager, und oben lauschten die Bewohner der Musik von ihren Logenplätzen: „Da spielt uns der Altbau wirklich ins Blatt“, meinte Schmeier mit Verweis auf die Tatsache, dass es im Betzdorfer Altenzentrum noch Einzelbalkone gibt – statt der Gemeinschaftsbalkone, die bei neueren Heimen Usus sind.

Und auch der Scheuerfelder Musiker hatte sichtlich viel Spaß dabei, nicht nur das Altenheim, sondern auch noch die Straßen in der Umgebung mit seinem satten Sound zu beschallen. „Mir sind praktisch alle Termine ausgefallen, und das waren einige“, berichtete Pecere. „Da bin ich gerne hier eingesprungen.“

Aber: Ein Konzert wie das von Pecere bietet zwar Abwechslung, bringt Struktur in den Tag und versorgt die Bewohner mit Gesprächsstoff – aber natürlich nicht endlos. Und deshalb suchen Schmeier und sein Team immer wieder Menschen, die bereit sind, im Garten des Altenzentrums aufzutreten. „Wir freuen uns über jede Abwechslung.“

Auf der Suche nach Angeboten geht das Altenzentrum dabei Wege, die man auf den ersten Blick nicht unbedingt vermuten würde: So wird vor allem moderne digitale Technik in den Alltag eingebunden – wohlgemerkt bei einer Generation, die bislang wahrscheinlich keine Berührung mit WhatsApp oder Spielekonsolen hatte. Aber: „Das läuft gut“, sagt Schmeier.

So werden seit geraumer Zeit Videotelefonate mit Angehörigen ermöglicht: Zwei Tablets stehen zur Verfügung, und die Bewohner nutzen das Angebot gerne. Und auch die Bewegungsspiele der Wii-Konsole kommen bei den älteren Damen und Herren ganz gut an. Einer der Favoriten ist übrigens das virtuelle Boxen.

Trotz all dem fehlen den Bewohnern – und auch ihren Angehörigen – natürlich die Besuche. Also feilt das Altenzentrum auch hier an einer Lösung: „Wir arbeiten daran, Besuche zu ermöglichen“, sagt Schmeier. Natürlich unter strengen Auflagen: Angedacht ist, einen derzeit vakanten Raum der Tagespflege mit einer Plexiglasscheibe zu teilen und mit einer Gegensprechanlage auszustatten. Die Besucher könnten diesen Raum von außen betreten, ohne dabei einen Fuß in die Eingangshalle oder gar auf eine Station zu setzen. „Das ist natürlich nur eine Notlösung“, sagt Schmeier – aber eben das Maximum, was in Zeiten eines strikten Besuchsverbots denkbar erscheint.

Für die Restriktionen haben die Angehörigen nach Schmeiers Einschätzung übrigens grundsätzlich Verständnis – was sicher zum einen daran liegt, dass sich das Heim um eine offene, transparente Kommunikation bemüht. Zum anderen dürfte aber auch allen Beteiligten klar sein, welche schwerwiegenden Folgen drohen, wenn das Virus die Mauern eines Altenheims überwindet.

Genau das ist bekanntlich in Gebhardshain der Fall – Grund genug für das Team des Betzdorfer Altenzentrums, dort auszuhelfen: Zwei Betzdorfer Pflegekräfte verstärken aktuell das dezimierte Team im St.-Vinzenzhaus. „Das gehört dazu, dass man sich in solchen Zeiten unterstützt“, sagt Schmeier. Und selbstredend greifen auch hier die Regeln des Infektionsschutzes: Die Altenpflegerinnen, die in Gebhardshain aushelfen, dürfen erst nach einer Quarantäne wieder an ihren angestammten Arbeitsplatz in Betzdorf zurückkehren.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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