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Öffentliche Bücherschränke kommen gut an – in diesen Zeiten besonders
Vom Einstellen und Rausnehmen

Den individuellen Lesegeschmack der Menschen spiegeln die öffentlichen Bücherschränke wider.
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  • Den individuellen Lesegeschmack der Menschen spiegeln die öffentlichen Bücherschränke wider.
  • Foto: Andreas Goebel
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

goeb Betzdorf/Daaden. Oft sind sie liebevoll hergerichtet: die öffentlichen Stellen in den Städten und Gemeinden, wo man ausgelesene Schmöker lassen und interessante „neue“ unentgeltlich mitnehmen kann. Nicht immer sind es ausrangierte Telefonzellen, wie die hübsche rote englische aus der Partnerstadt Ross-on-Wye in Betzdorf. Doch in allen Fällen sind es gut frequentierte Orte, gerade in Zeiten von Corona, wo jetzt mehr gelesen wird als sonst.
In Herdorf beispielsweise gibt es eine solche Bücherecke im Rathaus, liebevoll betreut u. a. von Christine Lück, die selbst Literaturfan ist. „Zu Hause habe ich einige Tausend Bände“, lacht sie. Mit einigen Titeln hat sie vor zwei Jahren den Grundstock gelegt.

goeb Betzdorf/Daaden. Oft sind sie liebevoll hergerichtet: die öffentlichen Stellen in den Städten und Gemeinden, wo man ausgelesene Schmöker lassen und interessante „neue“ unentgeltlich mitnehmen kann. Nicht immer sind es ausrangierte Telefonzellen, wie die hübsche rote englische aus der Partnerstadt Ross-on-Wye in Betzdorf. Doch in allen Fällen sind es gut frequentierte Orte, gerade in Zeiten von Corona, wo jetzt mehr gelesen wird als sonst.
In Herdorf beispielsweise gibt es eine solche Bücherecke im Rathaus, liebevoll betreut u. a. von Christine Lück, die selbst Literaturfan ist. „Zu Hause habe ich einige Tausend Bände“, lacht sie. Mit einigen Titeln hat sie vor zwei Jahren den Grundstock gelegt. Sie ist überzeugt: Wer als Kind mit dem Lesen beginnt und dranbleibt, den lässt die Leseleidenschaft ein ganzes Leben lang nicht mehr los. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht in ein Buch schaue“, schildert sie.
Sie sei sehr froh, dass zurzeit „etwas Luft drin ist“ im Schrank im Rathaus, ergänzt sie. Das scheint ein Zeichen für das wiedererwachte Interesse am Buch zu sein.

Interessante, gut erhaltene Bücher erwünscht

Volle Bestätigung auch aus Daaden, wo es ebenfalls ein Bücherdepot in der Verwaltung gibt. Dirk Klein (Zentrale Dienste) bestätigt: „Es ist auch mein Eindruck, dass in Corona-Zeiten mehr los ist als sonst.“ In Daaden kümmert sich ein örtlicher Arbeitskreis um die Bestandspflege. Wer nicht den richtigen Titel findet, wird vielleicht im Bücherschrank der örtlichen Sparkasse fündig. Auch dort gibt es einen Bücherschrank.
Apropos „Pflege“: City-Managerin Julia Wisser sammelt gerade erste Erfahrungen mit der Betreuung der Bücher-Telefonzelle an der Ecke Kirchstraße/Tiergartenstraße in Betzdorf.
Über Facebook und Presse hat man die Idee bekannt gemacht, und siehe: Erste Buchlieferungen trudelten bald ein. Man muss ein wenig die Spreu vom Weizen trennen. „Es sollte interessante und gut erhaltene Literatur eingestellt werden“, sagt Julia Wisser. Nicht zu verwechseln also mit blauer Tonne.
Denn diese Erfahrung haben alle Betreiber schon machen müssen: Es werden manchmal ganze Kisten oder Tüten mit Druckmaterial teils zweifelhafter Qualität und Sauberkeit in oder vor der Telefonzelle abgestellt. Modrige Bergdoktor-Broschüren von vor 25 Jahren finden garantiert keine Abnehmer, aber ein Buch wie „Der Alchimist“ von Paulo Coelho oder George Orwells „Neunzehnhundertvierundachtzig“ – das sind Klassiker, die auch heute noch alte und junge Leser finden.

No-Go-Artikel: Pornografie und Rechtsextremes

„Jeder sollte sich die Frage stellen, was er selbst gern liest und hier gern finden würde“, rät Julia Wisser. Ihr Appell: „Wenn Sie sehen, dass nichts mehr reingeht, nehmen Sie es besser wieder mit nach Hause.“
Denn muffige oder vermüllte Buch-Standorte wirken wenig einladend. Auch Pornografie und Rechtsextremes sind No-Go-Artikel in öffentlichen Bücherschränken, ebenso radikal-religiöse oder gewaltverherrlichende Bücher.
„Sie brauchen schon jemanden, der regelmäßig nachschaut, ob auch alles in Ordnung ist“, betont die City-Managerin. „Es wäre schön, wenn sich noch Bürger fänden, die mitmachen wollen“, fügt sie hinzu. Gern kann man sich bei ihr im Rathaus unter Tel. (0 27 41) 29 11 30 oder per E-Mail unter der Adresse citymanagement@betzdorf.de melden.

Kirchener Bücherschrank derzeit geschlossen

Die Idee zur „Reaktivierung“ der hübschen, aber lange verwaisten Telefonzelle ging übrigens von der Aktionsgemeinschaft Betzdorf aus. In Kirchen waren es 2013 Wilfried Becker und Thomas Bredenbröker, die die Initiative ergriffen, erzählt Stadtbürgermeister Andreas Hundhausen. Auf Ebay wurde eine Telefonzelle auf Stadtkosten ersteigert und dann für den Zweck „Öffentlicher Bücherschrank“ in der Garage umgebaut.
Der Luxus hier: Kommen Leseratten bzw. Bücherwürmer in der Dunkelheit zum Schrank, geht das Licht an, denn die Telefonzelle verfügt über ein Solarpanel auf ihrem Dach und ist damit autark.
Nur in diesen Monaten bleibt es dunkel. Denn als einzige Kommune hat sich Kirchen entschlossen, während der Pandemie-Zeiten den Bücherschrank für den Publikumsverkehr zu schließen. Die Umgebung Villa Kraemer, Treppe und Durchgang zum Rathaus ist baulich eng. „Aber wir öffnen wieder, wenn wir aus dem Gröbsten raus sind“, verspricht Andreas Hundhausen.

Öffentliche Bücherschränke weltweit Die öffentlichen Bücherschränke sind in den seltensten Fällen „von oben“ verordnet worden, sondern sie sind meist das Ergebnis bürgerschaftlichen Engagements. In Siegen werden sie beispielsweise von der Bürgerstiftung getragen, in Kirchen kam die Idee seinerzeit aus einem Arbeitskreis, der sich mit dem demographischen Wandel beschäftigt. Wer eine Übersicht haben möchte, der schaut am besten in die „Liste öffentlicher Bücherschränke in Deutschland“ bei Wikipedia. Das Fleißwerk erfasst zurzeit 2081 Bücherschränke im Land, ist aber nicht vollständig. In Rheinland-Pfalz wird die Zahl mit 85 angegeben, in Wahrheit sind es wohl mehr. In der Liste ist im Idealfall ein Bild des Schranks eingestellt, man erhält außerdem Infos zu Ausführung, Ort, Träger usw.. Hilfreich ist auch die Internetadresse www.openbookcase.de/map mit Landkarte aus (fast) allen Erdteilen. Denn offene Bücherschränke gibt es mittlerweile auch in Myanmar oder Ägypten. Man kann sich auf der Karte zu Orten durchklicken, wo Bücherschränke stehen. Interessant ist das natürlich für Touristen, die sich für Sprache und Landeskunde begeistern. Fündig wird man schließlich auch unter der Adresse Lesestunden.de. Man muss sich auch hier ein wenig durchklicken und landet unter „Projekte“ bei der Karte öffentlicher Bücherschränke. Hier wird auch verraten, wie man den neuesten Schrei verwendet – die BuchschrankFinder-App.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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